"Ich bin die Abstrakte, Ulrike Baumgartl ist die Konkrete", sagt Heidemarie Schellwanich. Dass sich beides wunderbar ergänzen kann, zeigt eine Ausstellung die am Freitagabend im Nord-Jura-Museum in Weismain eröffnet worden ist. Die Ausstellung mit dem Thema "Begegnungen" fand bei den Besuchern der Vernissage großen Anklang. Beide Künstlerinnen waren bei der Ausstellungseröffnung anwesend


Acrylfarbe auf Leinwand

"In der Sonderausstellung trifft abstrakte auf realistische Kunst", erklärte Andrea Göldner, Leiterin des Nord-Jura-Museums in ihrer Laudatio. Von Heidemarie Schellwanich, die ihre Kindheit und Jugend im Altenkunstadter Ortsteil Maineck verbrachte, stammen die abstrakten Bilder und Gemälde. Mit einer Spachtel trägt die Künstlerin Acrylfarbe auf die Leinwand auf. In horizontalen Streifen werden dabei kräftige, leuchtende Farben übereinander arrangiert.

"Spielwiese" nennt Heidemarie Schellwanich ein großformatiges Bild, welches viel über die Empfindungswelt der Künstlerin aussagt. Es ist aufgeteilt in zwei von einender klar abgegrenzte Hälften, die in ihrer Farbigkeit für eine innere und äußere Welt stehen. Bei der Entstehung eines Bildes geht es der Künstlerin aus Maineck weniger um Gefühle oder Emotion, sondern um eine innere Stimmigkeit, um ein Gleichgewicht von Spannung und Entspannung. Besonders wird dies im Bild mit dem Titel "Freiraum" deutlich, welches von drei Farben dominiert wird, die eine gewisse Weite und Tiefe erzeugen. "Diese Weite tut mir gut", findet Heidemarie Schellwanich. Im Übrigen überlässt sie eine Deutung gerne dem Betrachter ihrer Bilder.

"Wenn man eine Begabung bekommen hat, dann sollte man sie eigentlich leben". Ulrike Baumgartl-Müller hat eine künstlerische Begabung bekommen, als einzige von vier Schwestern, die durchwegs musisch begabt sind. "Ich hatte schon immer ein gutes dreidimensionales Vorstellungsvermögen". 1965 in Salzburg geboren, interessierte sich Ulrike Baumgartl-Müller schon in der Schule für Kunst und künstlerische Techniken. Nach ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin zog sie 1987 in die Schweiz nach Schwyz, wo sie in ihrem Atelier und Therapieraum arbeitet und die Kunstszene rund um ihren Wohnort auf vielfältige Weise bereichert.

Hier lernte sie auch Heidemarie Schellwanich kennen, die viele Jahre in der Schweiz verbrachte. Die Idee zur gemeinsamen Ausstellung, entstand vor etwa drei bis vier Jahren. Aus der Idee, in ihren Geburtsstädten je eine Ausstellung zu realisieren, sind letztlich drei Ausstellungen geworden. Die Ausstellung in Salzburg hat Ulrike Baumgartl organisiert, die in der Schweiz ist ihnen, wie Ulrike Baumgartl erklärt, sprichwörtlich "zugefallen".
"Die Ausstellung in Weismain hat die Heidemarie organisiert". Baumgartl Part beschränkte sich auf das Mitbringen ihrer Bilder und Bücher.


Bilder nach Gedichten

Abstrakte Malerei liegt ihr nicht, dafür aber der konkrete Blick auf Menschen oder Landschaften. "Gedichtbilder" heißt eine Serie von sechs Bildern, die nach Lieblingsgedichten der Künstlerin entstanden sind. Das Gedicht vom "Lattenzaun" steuerte Christian Morgenstern bei, ein anderes Wilhelm Busch. Einige der ausgestellten Werke haben beide Künstlerinnen gemeinsam gestaltet. "Eine gelungene und harmonische Symbiose des Ausstellungsthemas", würdigt Andrea Göldner.

Die Ehemänner der beiden Künstlerinnen Benno Fries und André Müller haben nicht nur tatkräftig beim Aufhängen der Bilder mitgeholfen, sondern laut Göldner den Schönbornsaal ein wenig restauriert und die eine oder andere unschöne Stelle an den Wänden übermalt und ausgebessert. Die musikalische Umrahmung der Ausstellungseröffnung übernahm Wolfgang Lehnigk, der dazu eigens aus Stuttgart angereist war. Die Sonderausstellung "Begegnungen" ist noch bis zum 30. September im Nord-Jura-Museum in Weismain zu sehen.