An ihr lila Kleid, das sie 1967 beim Polterabend getragen hat, kann sich Ute Röse noch erinnern. Nach vier Jahren Ehe und insgesamt sieben gemeinsamen Jahren hatte sie sich damals von ihrem Mann getrennt. Er erfährt nie den Grund, warum sie ihn verlassen hat - es folgt die Scheidung. Beide haben das Kapitel abgeschlossen.
Sie finden andere Partner, heiraten wieder und bekommen Kinder. Über 40 Jahre vergehen, in denen sie nichts voneinander hören, bis sie sich im Jahr 2013 wie durch ein Wunder wieder finden: Eine Freundin von Ute hatte sich deren "stayfriends"-Profil ausgeliehen und war offenbar auf die Seite von Detlef geraten.

Dieser schreibt seiner ersten Frau daraufhin eine Nachricht auf dem Internetportal. "Zunächst habe ich gedacht: Was will der denn?", erinnert sich Ute Röse und trifft dann aber eine Entscheidung: "Es kann nicht schaden, aufzuarbeiten und zu erfahren, was damals schief gegangen ist."

Behutsame Kontaktaufnahme

Das war vor gut einem Jahr. Nach der behutsamen Kontaktaufnahme kommt es schließlich zu einem Treffen. Sie buchen eine Ferienwohnung, um in Ruhe reden zu können. Auch nach so vielen Jahren sitzt der Schmerz über die Trennung bei beiden noch tief. Die inzwischen vergangenen Jahre und die Gründe für die damalige Trennung werden aufgearbeitet.

Es war ein Missverständnis, das damals zur Trennung führte. "Ich hatte einen schweren Unfall, war lange im Krankenhaus. Ich habe mich allein gefühlt nach vielen Wochen ohne Besuch", erzählt sie. Detlef Röse schwächt ab. Auch für ihn war die Situation nicht einfach. Der Arzt hatte ihm damals im Krankenhaus eröffnet, dass seine Frau vielleicht nie wieder laufen kann. "Was soll ich machen, mit einer querschnittsgelähmten Frau?", hat er damals den Arzt gefragt. An diesen Satz kann sich auch Ute Röse noch erinnern. Das eigentlich sehr aktive und lebensfrohe Paar steckte in der Krise. "Ich dachte, er wollte nicht mit einer behinderten Frau leben. Nachdem die Erkrankung überwunden war, habe ich die Trennung beschleunigt, und wir haben die Scheidung eingereicht."

"Gar nicht mehr mein Typ"

Kein Wort hat Ute Röse mehr mit ihrem Ex gesprochen. "Ich hätte damals nie gedacht, dass aus uns noch einmal etwas werden könnte," sagt sie heute. "Die Fotos, die er mir geschickt hat - da war er so gar nicht mehr mein Typ", gibt sie zu und lacht. Doch dann, vor der Ferienwohnung, als sie vom Spaziergang mit ihrem Hund zurück kommt und er an der Tür auf sie wartet - das muss ein magischer Moment gewesen sein. "Ich bin ihm einfach nur in die Arme gefallen", erinnert sich Ute Röse.

Und das ist der Beginn der zweiten Liebesgeschichte. Im August haben sich beide zum zweiten Mal das Jawort gegeben. Sie haben sich in den letzten 40 Jahren verändert und sind überzeugt, dass das auch gut so ist. "Detlef ist viel weicher und einfühlsamer geworden," ist Ute Röse überzeugt.
20 Jahre lang hat er seine zweite Frau gepflegt. Sie war an MS erkrankt und ist vor einigen Jahren verstorben. "Das prägt einen", sagt Detlef Röse. Ute Röse hatte sich als Kosmetikerin eine eigene, erfolgreiche Existenz aufgebaut. Auch das prägt. Unabhängig voneinander hatten beide begonnen, ein Buch über ihr Leben zu schreiben, unabhängig voneinander haben beide angefangen zu malen.

Was sie so sicher macht, dass es diesmal klappt? "Wir sind kompromissbereiter als damals", sagt Ute. Und Detlef ergänzt: "Das Leben hat uns beide geformt."