Dass unweit der kleinen oberfränkischen Gemeinde Guttenberg eine Anhöhe Namens "Spitzberg" existiert, wissen wohl nur die wenigsten Bürger des Landkreises Kulmbach. In der US-Metropole New York ist dieser Spitzberg, der nicht mehr ist als ein kleines Hügelchen, schon eher ein Begriff. Zumindest hat die Beratungsfirma "Spitzberg Partners LLC" in der hippen Lafayette Street ihre Büroräume. Gründer und einer der Geschäftsführer: Karl-Theodor zu Guttenberg.

Dessen Wahlkampfauftritte kurz vor der Bundestagswahl waren medial ausgiebig begleitet worden. Die Dauerschleife: Wann kehrt "KT" in die Politik zurück? Und so passten die Recherchen der "Berliner Morgenpost" so gar nicht ins Bild. Die Zeitung hatte sich zuletzt ausgiebig mit den Fragen beschäftigt, welche Rolle zu Guttenberg bei "Spitzberg Partners" eigentlich einnimmt und wie das Unternehmen genau arbeitet.


Vorstand ist mächtig angefressen

Die Redaktion gab sich investigativ, brachte allerdings nur wenig Brisantes zutage. Immerhin ermittelte man die Berliner Dependance des Unternehmens. Unter der angegebenen Adresse: das Klingelschild "G-Family Office Guttenberg" und ein Briefkasten mit der Aufschrift "Büro Karl-Theodor zu Guttenberg" sowie "SPNYC Management GmbH".

Die Büroleiterin traf ein "Morgenpost"-Redakteur erst Tage später an, die Frau wollte sich zu Geschäftspraktiken nicht äußern. Auch zu Guttenberg gab sich auf "Morgenpost"-Nachfrage während eines Wahlkampfauftritts einsilbig. Begründung: Dies seien "Betriebsinterna".

Stattdessen äußert sich Ulf Gartzke auf Nachfrage dieser Zeitung zu der Berichterstattung. Und der "Spitzberg"-Manager, der die Firma mit Karl-Theodor zu Guttenberg gegründet hatte, ist mächtig angefressen. Die "Morgenpost" habe "hanebüchene und offenbar bewusst rufschädigende Behauptungen in den Raum gestellt", ohne die Organisationsstrukturen und Zahlen des Unternehmens zu kennen.

Als privat geführtes Unternehmen lege man keinen Wert auf öffentliche Berichterstattung und bedürfe ihr "aufgrund der höchst erfreulichen Geschäftsentwicklung und Wachstumsraten auch nicht". Ausgenommen seien gesetzliche Publizitätspflichten und, wie im vorliegenden Fall, "begrenzte Reaktionen auf potenziell geschäftsschädigende, unvollständige und fehlerhafte Recherchen".


Adressen nicht veröffentlicht

Das Geschäftsmodell, so der langjährige Chef der Hanns-Seidel-Stiftung in Washington, beruhe auf internationaler Beratungsdienstleistung und selektiven Investitionen in Technologieunternehmen. Auskünfte zu Klienten, getätigten Investments und Mitarbeitern würde man nicht geben.
Gartzke erklärte zudem, dass es keineswegs ungewöhnlich sei, dass Büros wie das in Berlin unbesetzt ist. "Mit Ausnahme des Headquarters in New York kann eine vorübergehende Vakanz bei allen unseren Vertretungen eintreten, wo wir mit kleineren Teams arbeiten." Auch dies sei ein Grund, weshalb zur Koordinierung lediglich die New Yorker Adresse öffentlich gemacht wurde. "Eine Organisationsstruktur, die wir mit unzähligen anderen Unternehmen gemeinsam haben." Die Entscheidung erfolge vor dem Hintergrund, "unsere Mitarbeiter nicht dem erwartbaren Interesse von Medien aufgrund der politischen Vergangenheit unseres Chairmans auszusetzen".

Die "Morgenpost" hatte zudem veröffentlicht, dass Martin Bernreuther, Bürgermeister des Marktes Thurnau im Landkreis Kulmbach, Geschäftsführer der beiden "SPNYC-GmbHs" in Berlin ist. Bernreuther bestätigte dies auf Anfrage und gab an, dass die Arbeit angesichts der Tatsache, dass ihm für den erheblichen Teil seiner Aufgaben die Option eines Home Offices zusteht, zeitlich überschaubar sei.

Ulf Gartzke wollte sich zu dem Tätigkeitsfeld von Martin Bernreuther nicht konkret äußern. Allerdings betonte der "Spitzberg"-Gründer hierzu: "Um falschen Vermutungen vorzubeugen können wir bezüglich Herrn Bernreuther aber feststellen, dass ein erheblicher Teil seiner Aufgaben so zugeschnitten ist, dass diese aus seiner oberfränkischen Heimat erledigt werden können und vollumfänglich mit strikt getrennten Ehrenämtern in Einklang zu bringen sind."


Chronologie: Von Aufstieg und Fall des Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg

Der Großvater schrieb seine beiden Vornamen ohne Bindestrich, Karl-Theodor zu Guttenberg nutzte dagegen die Namensverbindung, wohl auch zur Unterscheidung. Weil beide Guttenbergs CSU-Politiker waren, respektive der Nachgeborene wieder einer werden könnte. Der politische Werdegang des Jüngeren lässt sich in der Retrospektive mit dem Adjektiv kometenhaft durchaus realistisch umschreiben. Dabei startete die politische Karriere nicht ungewöhnlich.

Das CSU-Mitglied wird Vorsitzender des heimischen CSU-Ortsverbands. Im Jahr 2002 wird zu Guttenberg nicht nur in den Kreistag des Landkreises Kulmbach gewählt, sondern auch direkt gewähltes Mitglied des Deutschen Bundestags für den Wahlkreis Kulmbach. Er avanciert in kürzester Zeit zum Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss, ist Sprecher seiner Fraktion für Abrüstungsfragen. Es geht aufwärts. Bei der Bundestagswahl des Jahres 2005 erreichte er 60 Prozent der Erststimmen, vier Jahre später sollte es mit 68,1 Prozent sogar das bundesweit beste Erststimmenergebnis werden. Bereits zuvor, am 8. Dezember 2007, wird zu Guttenberg als Nachfolger von Werner Schnappauf CSU-Bezirksvorsitzender in Oberfranken.

Es folgt am 30. Oktober 2008 die Ernennung zum Generalsekretär der Partei. Der Aufstieg scheint unaufhaltsam. Nach der Demission von Michael Glos als Bundeswirtschaftsminister wird zu Guttenberg am 9. Februar 2009 zu dessen Nachfolger ernannt. Mit 37 Jahren jüngster Wirtschaftsminister aller Zeiten kann er sich während der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise profilieren.


Wehrpflicht wird ausgesetzt

Nach der Bundestagswahl 2009 wird er am 28. Oktober als Verteidigungsminister ins Kabinett Merkel berufen. Er sprach als Erster von einem Krieg in Afghanistan und stellte die Weichen für eine neue Struktur der Bundeswehr, indem er die Wehrpflicht aussetzte.

Der tiefe Fall setzte mit Bekanntwerden von Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit seiner Dissertation ein, die er 2007 an der Uni Bayreuth eingereicht hatte. Guttenberg gestand schwere Fehler ein, die Uni sprach von vorsätzlicher Täuschung. Der fränkische Adelige musste das Feld räumen und trat von allen politischen Ämtern zurück. Seinen Wohnsitz verlegte er in die USA.

Seither betätigt er sich unter anderem am "Center for Strategic and international Studies", als EU-Kommissionsberater oder als Berater der Deutschen Lufthansa bei Innovationsfragen. Im Jahr 2013 gründete er in New York die Investmentfirma "Spitzberg Partners". Im Bundestagswahlkampf 2017 unterstützte er die CSU mit mehreren Auftritten.