Man entdeckt Einzel, Gehöfte und Weiler wie Osenbaum, Forkel, Petschen oder Gründlein, die mit Sicherheit die meisten Stadtsteinacher noch nie sahen.

Die Ortschaft Vorderreuth liegt in 580 Metern Höhe. Schon im Mittelalter ging eine Altstraße direkt am Berg steil hoch, nicht wie jetzt in Serpentinen, vorbei an Eisenberg an einem Turmhügel in Vorderreuth, an Forkel Richtung nach Schwand. Ein herrlicher Wanderweg, auf dem eine Vielzahl von christlichen Bildnissen zu bewundern sind: Fünf Kapellen, fünf hölzerne Wegkreuze mit "corpus christi", ein steinernes Wegkreuz, ein gusseisernes Wegkreuz und vier Martern.

Ärmliches Dasein

Vorderreuth war bereits um 1480 ein Ansitz derer von Guttenberg, die Bewohner fristeten auf den Höhen des Frankenwaldes ein ärmliches Dasein. Um 1820 werden folgende Familien genannt: Greim (Nr. 4), Bittrof, Endner, Martin (Nr.
5), Schüßler (Nr. 7), Bittermann (Nr. 8, Nr. 9 und Nr. 11), Söllner (Nr. 10), ein Forsthaus des Fürstbischofs von Bamberg (Nr. 12), Draht (Nr. 16), Witzgall (Nr. 17). In Eisenberg wohnten zur gleichen Zeit Geyer (Nr. 1), Nester und Witzgall (Nr. 2), und in Petschen sind seit 1614 die Witzgall beheimatet.

Vor vielen Jahren sollen im Frankenwald die Pocken sehr stark aufgetreten sein, die viele Todesopfer forderten. Die Einwohner von Vorderreuth gelobten, falls sie von der Seuche der schwarzen Blattern verschont bleiben sollten, dass jeder Hausbesitzer ein Kreuz mit dem Leib Jesu errichte. Das Dorf wurde verschont, die Kreuze wurden errichtet. Man erzählte auch, dass im nahen Römersreuth die Pocken das gesamte Dorf auslöschten. Wann die Epidemie an Vorderreuth vorüberging, bei der alle dieses Versprechen leisteten, ist nicht mehr zu belegen.

In den letzten Jahrzehnten verschwanden wieder viele Kreuze. Andere Bewohner ließen sie erneuern, und Hofnachfolger mussten dem Altbauern oft versprechen, diesen Brauch weiter zu pflegen.

Gut erhaltene Kreuze

Noch gut erhaltene Kreuze stehen im Garten von Haus Nummer 9 (Bittermann), am alten Weg nach Gründlein grüßt ein 350 Zentimeter großes, erneuertes Holzkreuz, und weiter am Weg nach Deckenreuth stellte Haus Nummer 11 (Fiegl) ein Kreuz an den Waldrand. Das Kreuz von Haus Nummer 17 (Witzgall) wartet gerade auf die Renovierung und wird bald wieder seinen angestammten Platz einnehmen.

Aber warum stehen dort so viele verschiedene christliche Zeichen, Male und Darstellungen? Die Einwohner von Vorderreuth gehören seit dem Gemeindeedikt von 1818, nach dem die bayerischen Landkreise gebildet worden sind, politisch gesehen zu Schwand, kirchlich gesehen jedoch zu Stadtsteinach. Während heute die Gläubigen von Schwand nach Wartenfels zur Kirche fahren, mussten sie früher den beschwerlichen Weg über Deckenreuth bewältigen.

Auch der Weg der Vorderreuther nach Stadtsteinach war im Sommer wie Winter beschwerlich. Oft konnten Ältere und Kranke dem Kirchgang und dem sonntäglichen Empfang der Hostien nicht folgen. Auch aus Angst vor Sünde und Höllenqualen errichtete man dafür Martern und Heiligenfiguren, um die Nähe Gottes zu spüren und dort zu beten.
Ein weiterer Grund für die Häufung der Martern ist in der tiefen Religiosität, der Hoffnung auf gute Ernte und gleichzeitig der Angst vor Missernten und Viehseuchen zu finden.

Die Familien waren in Vorderreuth allesamt sehr kinderreich, Hunger und Armut waren allgegenwärtig. In den Annalen findet man die Winter 1708/09 und 1739/40, die so lange dauerten, dass alles erfror und ein ganzes Erntejahr ausfiel. Von 1770 bis 1772 faulte wegen Dauerregen alles auf den Feldern. Doch schlimmer noch waren die Einfälle der Franzosen von 1796 bis 1813, die wie Heuschrecken alles raubten, was essbar war. Durch die extrem heißen Sommer von 1830 bis 1850 verloren viele die bäuerliche Existenz, wanderten in die neue Heimat nach Amerika aus. Auch aus Vorderreuth suchten viele ihr Glück und verließen ihre Heimat.

Gepflegte Kapellen

In der Mitte des Dorfes steht eine herrliche Kapelle mit einem von Schiefer gedeckten Satteldach und Dachreiter. Auf einer ovalen Porzellantafel steht: "Erbaut im Jahre 1921 von Johann und Anna Schüßler von Vorderreuth. Zur Erinnerung an den Feldzug 1914 bis 18. Im Kugelhagel, Sturm und Wetter war stets Gott unser Retter."Weitere sehr gepflegte Kapellen stehen am Vorderreuther Weg in Unterzaubach, bei Forkel (Familie Kremer), in Schwand (Familie Wunder) und in Römersreuth (Familie Pfreundner).

Zum Gedenken und zum Dank

Auch ein Wegkreuz von 220 Zentimetern Gesamthöhe auf dunklem Granit steht vom Dorf aus in Richtung Schwand, das eine Familie 1948 als Kriegerdenkmal aufstellte. "Errichtet von Familie Bittermann. Zum ewigen Gedenken an den Sohn und Bruder Theodor, gefallen am 7.8.1944 in Lettland, und der glücklichen Heimkehr der beiden Brüder Klaus und Hans."

Doch auf dem alten Weg Richtung Gründlein steht unmittelbar bei dem hölzernen Wegkreuz etwas, was wohl leider niemand kennt - ein "Schau-dich-um". Eine Tafel mit der Bezeichnung "Kloster-Banz-Blick", auf der die Berge und Städte von Südosten bis Nordwesten aufgezeichnet sind. Stellt sich der Betrachter in eine Linie Skizze-Berg-Stadt, so kann er alles genau bestimmen. Diese Tafel ist aus Initiative des Heimatforschers Richard Seuß errichtet worden.

Wer Freude findet, seine unmittelbare Heimat besser kennenzulernen, wird im Detail vieles entdecken und staunen, was in Vorderreuth und Umgebung zu finden ist. Wer oben in Vorderreuth ankommt, sollte jedoch an die Schulkinder denken, die früher täglich diesen Weg in die Schule nach Zaubach laufen mussten.