Sie sind sich sicher, dass Sie es schmecken würden, wenn man Ihnen statt des geliebten Kulmbachers ein Becks ausschenken würde? Wenn Sie sich da mal nicht täuschen. Die großen industriell produzierten Pils-Biere unterscheiden sich im Geschmack kaum - so lautet zumindest das Fazit der ZDF-Sendung "Wie gut ist unser Bier?", die am Dienstagabend ausgestrahlt wurde. Frauen und Männer eines fränkischen Trachtenvereins wurden dafür zur Blindverkostung eingeladen. Sie konnten dabei den Geschmack von Warsteiner, Becks, Oettinger, Krombacher, Kulmbacher und des Bieres der Forchheimer Brauerei Neder nicht unterscheiden.

Becks statt Kulmbacher

Zwei Trachtenfreunde, deren Lieblingsbier Kulmbacher ist, haben Becks zu "ihrem" Bier auserkoren. Schmeckt Becks wirklich wie Kulmbacher, Krombacher wie Warsteiner? Ist das Bier, gerade das industriell gefertigte, austauschbar? Wir haben uns bei den Brauereien im Landkreis umgehört und natürlich zu allererst die Kulmbacher Brauerei mit dem ZDF-Geschmackstest konfrontiert.
"Unsere regionalen Biere stehen für Qualität und sind jeweils für sich genommen charakteristisch und eigenständig im Geschmack. Über Geschmack lässt sich bekanntlich jedoch nicht streiten", sagt Helga Metzel, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Geschmackstests seien immer auch subjektive Tests, "die unter anderem von der Atmosphäre, in der sie durchgeführt werden, und der Tagesform, in der sich der Proband befindet, abhängen". Metzel: "Das weiß jeder, der schon einmal an einem solchen Test teilgenommen hat."

"Bedarf besonderen Wissens"

Die ZDF-Sendung sehe die Brauerei als eine sehr allgemein gehaltene Informationssendung zum deutschen Bier. "So vielfältig, wie die deutsche und insbesondere unsere oberfränkische Bierlandschaft mit mehr als 200 Brauereien ist, so vielfältig und tiefgründig ließe sich darüber berichten. Dazu bedarf es eines enormen Wissens über unser Kulturgut Bier", so die Sprecherin der Kulmbacher Brauerei.
Und was sagen die Kleinbrauereien. "Verwundert", so sein erster Kommentar, hat der Stadtsteinacher Brauereibesitzer und Braumeister Jürgen Münch auf die Blindverkostung im ZDF reagiert.

Es waren Laien

"Ein Indus triebier müsste schon zu unterscheiden sein von einem Forchheimer Pils", betont er, schränkt aber sofort ein, dass es sich bei den Blindverkostern trotz ihres statistisch weit über dem Bundesdurchschnitt liegenden Bierkonsums um Laien gehandelt hat. "Und die werden das nie sofort erkennen."
Was die Produkte der Brauerei Schübel angeht, verweist der 48-Jährige auf eine komplett andere Gärung und Reifung als bei den Industriebieren. "Offen vergorene Biere haben einen anderen Geschmack als im Tank unter Druck vergorene Biere", so der Fachmann. Und: Jede Region nutze ein anderes Wasser zum Brauen und einen anderen Hopfen, Schübel etwa die im Fernsehbeitrag erwähnten Bitterstoffhopfen überhaupt nicht, sondern nur Aromahopfen.

Alexander Matthes, Braumeister der Kulmbacher Kommunbräu, glaubt, dass auch er es bei einer Pils-Blindverkostung schwer gehabt hätte, die industriell gefertigten Biere zu unterscheiden. "Die Großen haben eine große Zielgruppe und schaffen daher meist uniforme Biere." Die Produkte kleinerer Brauereien hätten ihre "Ecken und Kanten", Charakterstärke nennt er es. So habe er beim Fertigungsprozess mehr Freiheit als in einer Großbrauerei. Er müsse nicht auf eine lange Haltbarkeit achten, auch nicht auf eine unterbrochene Kühlkette. Unfiltriertes Bier stehe filtriertem Bier gegenüber. "Durch das Filtrieren macht man das Bier haltbarer, man nimmt ihm aber auch Geschmack." Bei einer Lagerzeit von drei bis fünf Wochen sei der Filtrationsprozess in der Kommunbräu nicht nötig, sagt Matthes, der den Bieren eine besondere Note verleihen will, aber nicht nach einem "reißerischen Geschmackserlebnis" suchen wolle.

Fehler beim Geschmackstest



Kein Ausbrechen möglich

Dass der Biertest beim Pils von Haus aus einen besonderen Schwierigkeitsgrad aufweist, sagt Yvonne Wernlein. Die Braumeisterin in der elterlichen Brauerei Haberstumpf in Trebgast betont, dass die Eigenschaften von Pils genau definiert sind und ein "Ausbrechen aus dieser Schiene" gar nicht möglich ist. "So gesehen war das ein unsinnige Verkostung", sagt die 33-Jährige und ist der Ansicht, dass es selbst für einen Braumeister nicht einfach wäre, Unterschiede zu erkennen - vor allem, wenn es um Produkte der großen Marke geht. "Wenn man kleine Brauereien genommen hätte, wäre es leichter gewesen."
Ob Yvonne Wernlein - fernab vom Pils - ihr eigenes Produkt unter denen anderer Kulmbacher Brauerei erkennen würde? "Ich glaube schon. Bei uns gibt es wie bei den anderen einen Hausgeschmack, einen Charakter."

Fader Beigeschmack

Einen faden Beigeschmack hat der ZDF-Beitrag ("Ich hätte mir zum Thema Bier mehr erwartet") für die Braumeisterin auch durch eine spezielle Behauptung bekommen: Dass zum Einfärben von Bier Zuckerkulör verwendet würde. Wernlein: "Das ist nach dem Reinheitsgebot von 1516 verboten. Diese Aussage stimmt nicht."

Die ZDF-Sendung finden Sie hier.

Glosse
Ohne das Zweite trinkt sich's besser


Lieber Nelson, da wir ja nun den gleichen Nachnamen tragen, erlaube ich mir diese allzu vertrauliche Anrede. Und natürlich auch, weil es um das Bier geht, das ich gerne mal mit Dir trinken gehen würde, um Dir in aller Ruhe das eine oder andere ins Stamm(würze)buch zu schreiben.

Zum Beispiel hast Du in Deiner ZDF-Sendung am Dienstag den Gerstensaft ja mit Deinem Team offenbar so intensiv getestet, dass Du das eine und leider auch das andere ein wenig durcheinander gebracht hast.
Also: Effeltrich ist ein Ort im Landkreis Forchheim und liegt rund eine halbe Autostunde von Bamberg entfernt - dort gibt es also keinen Bamberger Trachtenverein, wie Du gesagt hast.

Natürlich weiß ich, warum Du Bayern (die meisten Brauereien in Deutschland) und Franken (die meisten Brauereien in Bayern) ausgewählt hast - und welch schöne Bilder geben die feschen Jungs und Mädels in ihren Trachten doch auch ab! Die dann freilich auf einem fränkischen Bierkeller tatsächlich Pils-Sorten testen, die dort aber leider kaum getrunken werden!

Dein Sender, das Zweite Deutsche Fernsehen, setzt halt gerne auf Stereotypen, wenn´s sein muss sogar auf falsche, wie ja auch sein Film "Tannbach" (oberbayerischer Dialekt an der Zonengrenze) schon gezeigt hat. Wenn´s fürs Fernsehen ein Reinheitsgebot gäbe...

Von Franken hat man in Mainz offenbar so wenig Ahnung wie ein Abstinenzler von Bierkultur. Wir haben jetzt mal spontan zwei Leute auf der Straße gefragt, ob Sie Deine Sendung von einer beliebigen anderen im Privatfernsehen unterscheiden konnten - und was soll ich sagen: sie hätten Dich glatt mit Oliver Geissen und Sonja Zietlow verwechselt, wenn wir ihnen nicht rasch noch unseren Wirsberger Sternekoch Alexander Herrmann als Telefon-Joker angeboten hätten, mit dem Du ja schon gekocht hast.

Dass nur 9,1 Prozent der Zuschauer Deine Sendung gesehen haben, ist angesichts dessen durchaus ein Trost, denn wer weiß, welche außerfränkischen Fakten auch nicht gestimmt haben mögen.

Ich empfehle jedenfalls Deinem Team und Dir ein wenig Läuterung, ehe Ihr wieder einmal einen Film über Bier und/oder Franken dreht, und natürlich ebenso dem ZDF! - Andernfalls solltet Ihr Euren Slogan ein wenig anpassen, vielleicht in "Ohne das Zweite trinkt sich's besser"! Na denn: Prost! Dein Alexander Müller