Sie waren Dichter und Denker, Lyriker und Satiriker, Querdenker und Wortverdreher. Und sie hatten eines gemein: Sie nahmen ihr Leben mit Humor und würzten das der anderen mit demselben, indem sie ihre optimistische Herangehensweise an die alltäglichen Problemchen an ihre Mitmenschen weitergaben.


Sechs Klassiker unter einem Hut


Nun, sie sind längst gestorben, aber ihre Werke leben weiter, haben nicht selten als Redewendungen Eingang in den Sprachgebrauch gefunden. Gemeint sind Joachim Ringelnatz, Eugen Roth, Otto Reutter, Wilhelm Busch, Erich Kästner und - natürlich - Heinz Erhardt.

Tanja Schaller (Gesang, Flöten, Schifferklavier), "Pianoflüsterer" Thomas Schimmel und Schauspieler Wolfgang Krebs haben versucht, diese sechs Klassiker des deutschen Humors für das Thurnauer Schlosstheater unter einen Hut zu bringen sprich: in ein 90-Minuten-Programm zu packen. Nach der gefeierten Premiere am Sonntagabend darf man sagen: Experiment gelungen. Das inzwischen längst eingespielte Trio zeigte sich textlich und musikalisch von seiner besten Seite.
Schon bei der Erhardt'schen Begrüßung ("Meine lieben Damen und die Ihnen nachlaufen") springt der Funke über. Die Zuschauer genießen die einzigartigen weil zeitlosen Wortspiele, vieles kennt man ja, ohne genau sagen zu können, wo der Ursprung liegt.


Von einer Prinzessin beleckt


Da ist Joachim Ringelnatz, von dem Erich Kästner gesagt haben soll, er reiße keine Witze, er habe Humor. Den bezeichnet Ringelnatz selbst als den Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt. Genial seine Geschichte vom Nagel, der sich mit einer Messingschraube vereint ("Alte Liebe rostet nicht"). Überhaupt die Liebe, die bekommt bei ihm selbst "Ein Briefmark" zu spüren: "Ein Briefmark erlebte was Schönes, bevor er klebte, er war von einer Prinzessin beleckt, da war die Liebe in ihm erweckt. Er wollte sie wieder küssen, da hat er verreisen müssen. So liebte er sie vergebens, das ist die Tragik des Lebens". Herrlich, wenn Tragik so komisch ist.

Oder Eugen Roth, der wie kein anderer die Schwächen seiner Mitmenschen schelmisch und augenzwinkernd unter die Lupe nimmt. Mit seinen "Ein Mensch"-Erzählungen, einst ein Bestseller, würde er heute große Hallen füllen.

Denkt man an Otto Reutter, denkt man an seine Couplets, witzig, zweideutig, ins Ohr gehend. Köstlich wie er in "Nehm Se n' Alten" die Vorzüge eines pensionierten Beamten preist.


Noch'n Gedicht

Mit Wilhelm Busch ("Wer einsam ist, der hat es gut"), Erich Kästner, der erklärt, warum die Zitronen sauer sind, und Heinz Erhardt, denen die Drei vom Schlosstheater schon eigene Abend gewidmet haben, geht es weiter. Noch'n Gedicht, noch'n Liedchen, noch ne Geschichte, die Zeit vergeht wie im Flug.

Was bleibt, sind zwei Erkenntnisse. Erstens: Man sollte sich im Leben weniger ärgern, denn, so Otto Reutter, nur der Optimist bleibt schön.


Einfach zeitlos


Zweitens: Man muss sich wundern, wie weit Humoristen vor fast hundert Jahren schon dachten. Wie sagte doch Erich Kästner: "Satire darf alles, nur nicht sterben". Den Satz könnte man auch heute noch unterschreiben.

Termine: "Humor liegt in der Luft" wird im Schlosstheater Thurnau noch an folgenden Tage gezeigt: 13., 21. und 28. Januar; 4. und 18. Februar, 4. März (samstags um 20 Uhr, sonntags um 17 Uhr)

Vorverkauf: Karten gibt es unter Telefon 09203/9738680 oder per E-Mail an: info@ schlosstheater-thurnau.de