Für Nino Richter ist die Zehn-Tage-Feier wie für viele Kulmbacher das Nonplusultra. "Wenn die Bierwoche auch 2022 nicht stattfindet, bekomme ich langsam Entzugserscheinungen", sagt der "Dauerzelter", der normalerweise keinen Tag auslässt, um im Stadel auf dem Eku-Platz Party zu machen. Wie vielen Tausend Fans der "Festspülwoche" hat Corona auch dem 29-Jährigen in den vergangenen beiden Jahren einen Strich durch die Rechnung gemacht: 2020 und 2021 musste das Bierfest pandemiebedingt abgesagt werden. Wie es 2022 ausschaut? Ob das Virus uns Kulmbachern das Fest der Feste zum dritten Mal raubt?

Angesichts der pandemischen Entwicklung, der rapide steigenden Omikron-Wand, könne man aktuell noch keine Prognose abgeben, ob die Bierwoche 2022 durchgeführt werden kann oder nicht, sagt die Pressesprecherin der Kulmbacher Brauerei, Natalia Schöttner. "Wir müssen die Lage abwarten", betont Schöttner, die eine zeitnahe Entscheidung ankündigt. "Ob die Bierwoche abgehalten werden kann, wird aller Voraussicht nach schon Ende Februar/Anfang März beschlossen."

Die Skepsis überwiegt

Eine baldige Entscheidung wünschen sich auch all die, die beim Aufbau und der Durchführung mit im Boot sitzen. Die Zimmerei Fleischmann etwa, die das Zelt aufstellt und dafür Personal abstellen muss, oder die Himmelkroner "Frankenfarm", die Jahr für Jahr für die Verköstigung Zehntausender Besucher sorgt. Ob Geschäftsführer Jürgen Stübinger mit der Bierwoche rechnet? Stübinger hofft, dass "Omikron" bald überwunden wird, das Leben wieder einigermaßen in geordneten Bahnen verläuft. Er ist aber skeptisch, dass 2022 Großveranstaltungen überhaupt über die Bühne gehen.

Einlasskontrolle?

Wenn, dann werde man wohl oder übel Einschränkungen in Kauf nehmen müssen: "Wenn die Bierwoche überhaupt stattfinden sollte, dann werden wir um Einlasskontrollen nicht herumkommen", glaubt der "Frankenfarm"-Chef. Die logistische Herausforderung könnte er mit seinem Team zwar in wenigen Wochen meistern, doch drängt er auf eine zeitnahe Entscheidung, "die möglichst bis Ende Februar fallen sollte". "Ich bin lieber für ein schnelles Nein als ein langsames Ja", sagt Stübinger, der seine Jahresplanung vornehmen muss. "Die zehn Tage Ende Juli/Anfang August habe ich wie immer für das Bierfest geblockt. Sollte es erneut ausfallen, könnte ich für diese Zeit andere Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern annehmen."

Ob "Bierfest-König" Nino Richter glaubt, dass er im Sommer mit Freunden im Stadel Maßkrüge stemmen kann? "Ich hoffe es, ich habe mich innerlich aber schon auf die erneute Absage eingestellt", sagt der 29-Jährige, der sich den Spaß auch dann nicht ganz nehmen lassen will und Anfang August mit Freunden und Verwandten auf dem elterlichen Anwesen wie in den Vorjahren sein eigenes Bierfest feiern würde. Im Trachtenoutfit, mit Brotzeitplatten, Festbier und Bierfest-Musik, einem "Tag der Generationen" ("Da lade ich meine Großeltern ein") und dem Tag der Firmen und Vereine ("Da feiere ich dann mit meinen Arbeitskollegen"). "Urlaub habe ich wie immer schon eingetragen." Eine dritte Absage 2022 könne er noch verschmerzen, doch spätestens 2023 ("Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben") wolle er das private wieder gegen das richtige Bierfest eintauschen und Stadelatmosphäre schnuppern, sagt der 29-Jährige.

"Planen wie 2020 und 2021"

Helmut Völkl, Leiter des Tourismus & Congress Service der Stadt Kulmbach, will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. "Die beiden vergangenen Jahre haben gezeigt, dass unter Corona-Bedingungen nichts über Monate im voraus absehbar ist. Wir planen, wie 2020 und 2021 auch, die Veranstaltungen so, als würden sie regulär stattfinden können. Was anderes können wir nicht tun."

Der schlimmste Fall

Die Entscheidung, ob ein Event durchführbar ist, hänge ohnehin von den dann geltenden Regelungen ab. "Sollte es noch einschränkende Maßnahmen bis dato geben, werden diese von Bund oder Freistaat vorgegeben. Wir erfahren das erst wenige Wochen vor dem eigentlichen Termin, beim Altstadtfest wäre das das erste Juli-Wochenende. Und erst dann können wir entscheiden, wie wir verfahren und ob es im schlimmsten Fall erneut zu einer Komplettabsage kommen müsste."

Verlegung droht

Auch der Motorradsternfahrt, die das Innenministerium zusammen mit der Kulmbacher Brauerei ausrichtet, droht die Absage. "Die Frage, ob die diesjährige Motorradsternfahrt für die zahleichen Besucher, Gäste und die lokale Bevölkerung coronasicher stattfinden kann oder ob vor dem Hintergrund der aktuellen pandemischen Entwicklung eine Verschiebung auf 2023 notwendig ist, ist noch nicht entschieden", sagt Ministeriumssprecher Oliver Platzer auf Anfrage.

Positive Signal

Positive Signale sendet Veranstalter Matthias Mayer, Geschäftsführer bei der Motion Kommunikation GmbH in Bayreuth und zusammen mit der Stadt Kulmbach seit vielen Jahren verantwortlich für die Open-Airs auf der Plassenburg. "Für den Sommer sieht es aktuell wirklich gut aus. Der Sommer bietet - auch unter Covid-19-Bedingungen - eine relativ gute Planungssicherheit. Jetzt deuten zusätzlich die politischen Schritte auf eine Öffnung hin und dass es eine weitgehende Aufhebung aller Maßnahmen geben dürfte", sagt Mayer und führt an: "Bei den Künstlern ist dieser Optimismus ebenfalls da, sie alle sitzen in den Startlöchern und fiebern einem Neustart entgegen."

"Definitiv ja"

Das heißt: Plant er als Veranstalter wie in Vor-Corona-Jahren? "Definitiv ja", sagt Matthias Mayer. "Wir sehen unsere Veranstaltungen mit der vollen Auslastung des Schönen Hofs der Burg vor, das sind bis zu 1500 Besucher."