Zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema "Wie entwickelt sich die Wohnungssituation in Kulmbach?" lädt die Bayerische Rundschau für den 27. Juni ein.
Der Wohnungsmarkt in Kulmbach hat sich in den vergangenen Jahren bereits verändert. Die Nachfrage ist gestiegen, die Mieten haben sich zum Teil spürbar erhöht.
Innerhalb der neun größten oberfränkischen Städte liegt Kulmbach vom Preis her zwar nur auf dem sechsten Rang . In puncto Preissteigerungen jedoch steht Kulmbach in Oberfranken an der Spitze. Ein nicht repräsentativer Vergleich verschiedener Internetportale von Ende vergangenen Jahres ergab, dass der Quadratmeter in Kulmbach seit Anfang 2015 im Schnitt um 1,55 Euro teurer wurde.
Doch wie sind die Werte einzuordnen? Sind sie bereits bedenklich? "Im Verhältnis zu der Lebensqualität, die Stadt und Landkreis Kulmbach bieten, sind die Mieten sehr günstig", sagt Udo Petzoldt, Vorstand der Baugenossenschaft Kulmbach und Umgebung. Dies höre er immer wieder von Besuchern und Zugereisten. "Wenn wir über Mieterhöhungen sprechen, kommt es immer auf die Perspektive an."
Zustimmung erhält Petzoldt von Katharina Steffen, der Vorsitzenden des Mietervereins Kulmbach und Umgebung. "Der Kulmbacher Mietmarkt ist moderat und relativ entspannt", sagt die Rechtsanwältin, die ihre Kanzlei in Lichtenfels hat. Und auch Matthias Koch vom Kulmbacher Immobilienbüro Jöna stuft die Stadt im Vergleich zum restlichen Bayern immer noch als "günstigen Standort" ein.
Doch so zufriedenstellend der Ist-Zustand noch immer ist: Für die Zukunft sehen alle Experten Alarmsignale. "Die Nachfrage übersteigt derzeit das Angebot deutlich", sagt Udo Petzoldt, obwohl es Neubauten - wie die 14 Wohnungen der Baugenossenschaft in der Hollergasse gebe.
Nachfrage übersteigt das Angebot
Das reiche aber nicht. "Es gibt einen sehr hohen Bedarf, vor allem an altersgerechten Wohnungen", sagt Petzoldt, dessen Unternehmen in Kulmbach, Mainleus, Marktschorgast, Neuenmarkt und Thurnau gut 1300 Wohnungen verwaltet.
Der Herausforderung, die der steigende Wohnraumbedarf mit sich bringe, wolle sich die Stadt gerne stellen, so Tobias Günther, Sprecher der Stadt Kulmbach. "Mit der Städtebau GmbH verfügen wir über ein leistungsstarkes Wohnungsunternehmen, das kurzfristig zusätzliche Wohnungsangebote für Studenten schaffen kann. Mit dem neuen Baugebiet Forstlahm haben wir Grundstücke für junge Familien geschaffen, die großen Absatz finden. Zudem sei die Stadt in ständigen Gesprächen."
"Oberbayerische Verhältnisse"
Immobilienmakler Matthias Koch merkt die Veränderung. "Vor einigen Jahren hielten sich Angebot und Nachfrage noch relativ die Waage." Heute sei die Konkurrenz viel größer.
"Teilweise haben wir oberbayerische Verhältnisse. Wenn wir eine Wohnung ausschreiben, sind 20 bis 30 Anfragen in kürzester Zeit ganz normal - bei Wohnungen mit einem gewissen Standard auch 40 bis 50.
"Zuletzt musste sehr viel modernisiert werden. Es gab viele Wohnungen, an denen jahrzehntelang nichts getan wurde. Dementsprechend gering waren die Mieten. Und wenn wir von unterdurchschnittlichen 3,80 Euro auf 5 Euro anheben, dann ist das natürlich prozentual viel."
Studenten als Herausforderung
Als große Herausforderung sehen die Experten den Zustrom von rund 1000 Studenten und 400 Personen Personal, sobald Kulmbach wie zugesagt Universitätsstandort wird. "Es gibt momentan in der Stadt nur einen kleinen Markt für kleine Wohnungen", sagt Immobilienmakler Matthias Koch. "Hier könnte es zu Problemen kommen", stimmt Katharina Steffen vom Mieterverein zu.
Und auch Udo Petzoldt warnt: "Wenn wir jetzt anfangen zu planen, können wir die historische Chance für Kulmbach nutzen. Wenn wir warten, bis die Uni gebaut ist, werden wir Probleme kriegen."
Vorschlag der Regierung
Auch bei der Regierung von Oberfranken ist der Kulmbacher Mietmarkt ein Thema. "Das Angebot an qualifizierten und bezahlbaren Wohnungen ist zu gering", hatte Christoph Reichl, Leiter des Sachgebiets Wohnungswesen, im vergangenen Jahr betont. Für Durchschnittsverdiener, die keine unsanierte Wohnung möchten, sich aber auch kein Hochpreisniveau leisten können, gebe es wenig Auswahl. Dies treffe oft Menschen mittleren Alters, die sich überlegen, wo sie sich ihre Zukunft aufbauen möchten.
Über all diese Themen und Fragen wollen wir in unserer öffentlichen Diskussionsveranstaltung am Mittwoch, 27. Juni, 19.30 Uhr, in der Kommunbräu sprechen. Mit diskutieren werden unter anderem Katharina Steffen (Vorsitzende des Mietervereins Kulmbach), Udo Petzoldt (Vorstand der Baugenossenschaft), Jörg Naumann (Verein "Haus und Grund" Kulmbach) und Steffen Potstada (Vorstand Sparkasse Kulmbach-Kronach).
Nun wird erwartet, dass die für die Stadt sehr positive Entscheidung zugunsten des Uni-Campus die Lage weiter verschärfen könnte.
Eine Reihe von Akteuren (Stadt, Baugenossenschaft, private Unternehmen, Banken, etc.) planen und handeln bereits, dennoch bleiben zahlreiche Fragen offen, die wir gerne gemeinsam mit Ihnen diskutieren möchten.
Die öffentliche Veranstaltung "Wie entwickelt sich der Wohnungsmarkt in Kulmbach?" findet
am Mittwoch, 27. Juni, 19.30 Uhr, im Saal der Kommunbräu
statt. Mit diskutieren werden u.a. Katharina Steffen (Vorsitzende des Mietervereins Kulmbach), Udo Petzoldt (Vorstand der Baugenossenschaft), Jörg Naumann (Verein "Haus und Grund" Kulmbach) und Steffen Potstada (Sparkasse Kulmbach-Kronach).