Ursprünglich hätte die Spectrum-Rakete bereits im Januar abheben sollen. Doch der erste Termin wurde wegen eines defekten Ventils verschoben. Beim zweiten Anlauf im März kam ein norwegischer Fischer dazwischen, der mit seinem Boot die Sicherheitszone in den Gewässern vor der Startbasis nicht rechtzeitig verlassen hatte. Im April wurden die Startvorbereitungen wegen eines leckenden Druckbehälters abgebrochen, im Juni gab es erneut ein Problem. Isar Aerospace will in diesem Jahre weitere Starts folgen lassen. Der Bau der dritten Spectrum-Rakete ist bereits weit fortgeschritten.
Erfolg von Isar Aerospace von strategischer Bedeutung für Europa
Die Spectrum soll nach der Serienreife zivile und militärische Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen, wenige hundert Kilometer über dem Erdboden, bringen. Geplant ist die Produktion von 40 Raketen im Jahr. Sowohl die Bundesregierung als auch EU und andere europäische Staaten haben ein strategisches Interesse am Erfolg des Unternehmens mit seinen gut 400 Mitarbeitern.
Isar Aerospace hat nach Firmenangaben bislang über eine halbe Milliarde Euro Investorengelder eingeworben. Zuletzt hatte das Jungunternehmen einen Vertrag über 200 Millionen Euro mit der Europäischen Weltraumbehörde ESA unterzeichnet – Teil eines ESA-Programms, das die Entwicklung europäischer Trägerraketen beschleunigen soll.
Grund ist die derzeitige weitgehende Unfähigkeit Europas, Satelliten mit eigener Technik ins All zu schießen. Seit Langem wird die große Mehrheit der europäischen Satelliten von SpaceX ins All befördert. Das ist bei europäischen Raumfahrtunternehmen nicht zuletzt deswegen unpopulär, weil die Auftraggeber in den USA die technischen Spezifikationen ihrer Satelliten offenlegen müssen. Nach Angaben von Isar Aerospace starteten die USA im vergangenen Jahr 198 Raketen, Europa lediglich acht.
Die Auftragsbücher von Isar Aerospace sind voll
Rund 60 Prozent der Anfragen an Isar Aerospace kommen mittlerweile aus dem militärischen Bereich, wie Vorstandschef Metzler im Frühjahr berichtet hatte. Laut Unternehmen ist Isar Aerospace jetzt schon mit Aufträgen über mehrere hundert Millionen Dollar bis zum Jahr 2028 ausgebucht, obwohl die Rakete nicht serienreif ist. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte das Gelände in Andøya am 13. März gemeinsam mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Støhre besucht.
Größere Höhen im All wird die bayerische Spectrum-Rakete jedoch auch dann nicht ansteuern können, wenn sie eines Tages die Serienreife erreicht. Daran arbeitet die französisch-deutsche ArianeGroup, die in diesem Jahr insgesamt sieben bis acht Raketen des jahrelang verzögerten Typs Ariane 6 starten lassen will.
Bisher gab es nach Zählung des Fachportals "European Spaceflight" vier Ariane-Starts in diesem Jahr. Anders als die Spectrum ist die Ariane eine große Trägerrakete, die weit schwerere Nutzlast auch in geostationäre Umlaufbahnen knapp 36.000 Kilometer über dem Erdboden befördern kann.