Der Besitzer sollte aber seine Emotionen auch nicht auf das Tier übertragen, denn dann macht man die Sache möglicherweise noch schlimmer. Verallgemeinern lässt sich das Verhalten von Hunden aber nicht. "Ich hatte einmal einen, dem hat das überhaupt nichts ausgemacht, aber es gibt auch solche, die sich unter die laufende Dunstabzugshaube setzen, damit sie die Geräusche von draußen nicht so stark wahrnehmen. Das ist immer vom Charakter des Hundes abhängig", sagt Susanne Schilling.
Aber nicht nur Hunde leiden unter dem Silvesterkrach. Auch Katzen, Kleintiere und Pferde reagieren gestresst. "Katzen sind dennoch meistens die entspanntesten Tiere. Die stecken das relativ cool weg", sagt Susanne Schilling.
Auch bei diesen gilt: Einsperren und Käfig abdunkeln. Bei Pferdebesitzern bleibt oftmals kein anderer Weg, als Silvester im Stall zu verbringen, denn auch Pferde wollen vor dem Krach weglaufen.
Ebenso sind die Tiere aus Wald und Flur dem Silvesterlärm und dem damit verbundenen Stress ausgesetzt. "Da ist von Sperling bis Hirsch in jeder Größenordnung etwas dabei", sagt Peter Müller, Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins in Kulmbach.
"Durch den Silvesterkrach entsteht ein unnatürlicher Stressfaktor, den alle Tiere das gesamte Jahr über nicht haben und dadurch auch nicht kennen. Das löst dann Stressverhalten aus", erklärt Peter Müller.
"Die Ente beispielsweise schläft auf dem See und wird aus ihrem Schlaf gerissen und fliegt in den Himmel, wo die Böllergefahr nicht geringer wird", sagt Müller.
Der Stress ist demnach besonders bei den Tieren, die in der Stadt leben, größer, da dort mehr gefeiert wird als im Wald. "Rehe und Hirsche bekommen wesentlich weniger mit als ein Spatz und eine Ente."
"Die gesamte Tierwelt ist in dieser Nacht aus dem Häuschen. Alle verlassen ihre gewohnten Schlaf- und Nistplätze. Es dauert meist bis zum Morgen, bis sich die Tiere wieder beruhigt haben", meint Peter Müller.
Und es dauert auch spätestens bis zum Morgen, bis alle Hunde wieder zurück bei ihren Besitzern sind. "Ein bis zwei Hunde sind es fast immer, die bei mir abgegeben werden. Aber es kommen natürlich nicht alle zu mir. Einige werden direkt von ihren Besitzern gefunden oder kommen von selbst wieder nach Hause. Aber manche laufen auf die Straße und werden überfahren oder sie verirren sich und erfrieren, wenn es zu kalt ist", beschreibt Susanne Schilling.
"Wenn es zu dem Fall kommt, dass ein Hund oder eine Katze in der Silvesternacht davonläuft, dann am besten immer zuerst die Polizei anrufen. Diese verständigen dann mich, und wir können klären, ob das Tier bereits gefunden wurde", empfiehlt Susanne Schilling. "Am Halsband sollte auch die Telefonnummer der Besitzer stehen. Das erleichtert die Arbeit, und die Vierbeiner gelangen so schnell und unkompliziert wieder zu ihren Herrchen zurück. Am besten wäre es natürlich, wenn jeder die Böller und Raketen komplett weglassen würde."
Was Tierbesitzer an Silvester tun können:
- Sobald der Verkauf von Böllern beginnt, Tiere nicht mehr ohne Leine laufen lassen
- beim Gassi gehen Sicherheitsgeschirr anlegen, damit sich die Tiere nicht losreißen können
- Telefonnummer am Halsband befestigen
- am Silvesterabend sollten die Tiere im Haus bleiben, wenn nötig auch eingesperrt
- Gäste sollten keine Türen offen lassen
- Käfige von Kleintieren sollten abgedeckt und zugesperrt sein, damit sich die Tiere dort zurückziehen können