Holpriges Kopfsteinpflaster, hohe Bordsteine, und ein Bahnhof, dessen Gleise für Gehbehinderte nur mit Mühe zu erreichen sind: Gestern wurde im Rathaus diskutiert, wie in der Stadt Barrieren abgebaut werden können. Zu Wort kamen neben Planern und Vertretern der Sozialverbände auch die, die es unmittelbar betrifft: Menschen mit einem Handicap.

Die Chancen, dass sich was tut, sind gut. Denn Kulmbach ist als eine von 16 Städten im Freistaat für das Modell-Projekt "Bayern barrierefrei 2023" ausgewählt worden, erklärte Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) zu Beginn der Veranstaltung. In den 16 Kommunen werde geprüft, was notwendig und machbar ist, um Menschen mit einer Einschränkung das Leben in der Stadt zu erleichtern.
Allein für die Ausarbeitung eines entsprechenden Konzepts erhalte Kulmbach 25.000 Euro Förderung, so Schramm.

Bahnhof ein besonderes Anliegen

Ein besonderes Anliegen ist Schramm die Umgestaltung des Kulmbacher Bahnhofs. "Das wäre ein Riesenschritt." Er verdeutlichte zugleich, dass die Stadt schon viel in Sachen Barrierefreiheit unternommen hat, zum Beispiel für 200.000 Euro einen Aufzug ins Rathaus einbauen ließ und öffentliche Toiletten mit speziellem Zugang für Rollstuhlfahrer (Bahnhof, Zentralparkplatz) geschaffen hat.

Für die weiteren Schritte sind Stadtplaner Johannes Müller vom Kulmbacher Büro H2M sowie Landschaftsarchitekt Roberto Kaiser aus Ulm verantwortlich. Während Müller darauf verwies, wie wichtig und gewünscht die Einbindung der Öffentlichkeit in die Planungen ist, erläuterte Roberto Kaiser die Zielsetzungen.

Ein besonderes Augenmerk werde auf Senioren-, Wohn- und Pflegeheime ebenso gelegt wie auf Übernachtungsbetriebe und Kinderbetreuungseinrichtungen, Ämter, Kirchen, Veranstaltungsorte, Arztpraxen, Lebensmittelmärkte und vieles mehr. Zunächst liege der Schwerpunkt auf der Innenstadt vom ZOB über Holzmarkt und Marktplatz zur Oberen Stadt sowie auf Zentralparkplatz/Stadthalle.

Viele Vorschläge

Was soll geändert werden? Da waren die rund 20 Besucher gefragt. Vorschläge gab es viele: rollatorengerechte Gehwege mit glatten Belägen, Sensorik- und Akustiksignale an Ampeln für Sehbehinderte, höhengleiche Straßenquerungen und deutliche Markierung der Querungsstellen, Tempo 30 bei Seniorenwohnheimen, Beckenlifte im Hallen- und Freibad, Automatiktüren für öffentliche Gebäude, mehr Haltestellen für Busse und barrierefreie Bushaltestellen, Schulungen der Busfahrer, ein Aufzug für die Tiefgarage am Zentralparkplatz, ein Hinweis auf die Rampe am Hintereingang des Bahnhofs.

OB Schramm erklärte, dass auch kleine Maßnahmen wichtig sind. Die könne man manchmal sogar schnell umsetzen. Was man aber nicht könne, das sei "die ganze Stadt umbauen und überall das Pflaster herausreißen".


Wer hat Ideen?

Wer Ideen hat und Vorschläge machen möchte, wie man Kulmbach barrierefrei gestalten kann, kann das per E-Mail tun. Anregungen können ab Mittwoch an folgende Adresse gesandt werden:
2023@h2m-architekten.de

Rund drei Wochen werden Vorschläge aufgenommen, dann gehen die Planungen in die nächste Runde.