Die Ostergottesdienste: Ausgefallen. Reformationsgottesdienste: Ausgefallen. Kommunion und Konfirmation: Verschoben. Und Weihnachten?

Wenigstens die Weihnachtsgottesdienste sollen stattfinden. Darin sind sich die Kirchengemeinden in der Region einig, die wegen der Corona-Pandemie in den letzten Monaten vieles anders organisieren mussten als üblich und ihren Gemeindemitgliedern so einiges zugemutet haben.

Freilich wird auch am Fest der Feste manches anders zugehen als sonst. Für viele Menschen - auch wenn sie sonst keine eifrigen Kirchgänger sind - gehört der Gottesdienstbesuch am Heiligen Abend einfach dazu. Die Folge: Die Kirchen sind üblicherweise voll bis auf den letzten Platz.

Das wird in diesem Jahr nicht der Fall sein. Für die Kirchen gilt seit Monaten ein Hygienekonzept, das die Besucherzahl beschränkt und Abstände in den Sitzreihen vorschreibt. Das ist auch an Weihnachten nicht anders. Die Gemeinden haben sich deshalb allerlei einfallen lassen, um den Gläubigen den Gottesdienst-Besuch zu ermöglichen.

Mehr Angebote als üblich

So wird es in Kasendorf und Azendorf Freiluft-Gottesdienste geben - sofern das Wetter mitspielt. In der Laurentiuskirche in Thurnau werden am Heiligen Abend vier statt sonst zwei Gottesdienste stattfinden. "Ausschließlich mit Anmeldung", wie Dekanin Martina Beck sagt. Es sei unerlässlich, dass sich die jeweiligen "Hausgemeinschaften" und Einzelpersonen anmelden. Dann werden die Plätze zugeteilt - immer unter Beachtung der geltenden Vorschriften. Wie viele Besucher am Heiligen Abend in die Kirche dürfen? Das lässt sich Dekanin Beck zufolge nicht so einfach sagen: Es hängt ganz davon ab, wie groß die Personengruppen sind, die jeweils zusammensitzen dürfen.

Das traditionelle Krippenspiel übrigens wurde nicht gestrichen. Man wolle die Kinder auf jeden Fall einbinden, so Martina Beck. Wie, stehe noch nicht fest. Nur so viel: "Ein Krippenspiel in der herkömmlichen Form, bei der alle im Altarraum zusammenstehen, kann es natürlich nicht geben."

Möglicherweise wird mancher am Heiligen Abend dennoch auf den Gottesdienstbesuch in Thurnau verzichten müssen. Weshalb Dekanin Beck für ein "gestrecktes Fest" wirbt. Es gebe in diesen Tagen ganz viele Gottesdienste: Am 4. Advent, am Heiligen Abend, am ersten und am zweiten Weihnachtsfeiertag - "und dann ist ja auch gleich noch ein Sonntag".

Auf ein breites Angebot an Gottesdiensten setzt man auch im katholischen Seelsorgebereich Kulmbach: Allein elfmal läuten in den Kirchen Unsere Liebe Frau und St. Hedwig in Kulmbach sowie in St. Antonius in Mainleus die Glocken am Heiligen Abend zum Gottesdienst. Wer die Angebote zwischen dem Vorabend des ersten Advent und dem Dreikönigstag aufaddiert, kommt auf 63 - da sollte es möglich sein, das Gottesdienstgeschehen zu entzerren.

Ein Stück weit Normalität

Den Gläubigen ein Stück weit Normalität zu ermöglichen, ist auch das Anliegen der Pfarrerinnen und Pfarrer in der evangelischen Petrigemeinde in Kulmbach. "Was dann angesichts eventueller neuer Corona-Reglungen wirklich stattfinden kann, wird sich zeigen", so Pfarrer Ulrich Winkler.

Die Petrikirchengemeinde bietet heuer Weihnachten in dreierlei Weise an: In Gottesdiensten, in der "Offenen Nikolaikirche" und digital: An Heiligabend, 24. Dezember, wird es eine "Offene Nikolaikirche" von 14 bis 17 Uhr geben. Zu jeder vollen Stunde wird dort eine kurze Andacht gehalten, die gerade für Familien mit Kindern geeignet ist. Dazwischen besteht Zeit zur Stille, zum Anzünden einer Kerze und für Musik.

Die traditionelle Christvesper in der Petrikirche wird an Heiligabend auf drei Christvespern ausgeweitet: 15 Uhr, 16 Uhr und 17 Uhr. Diese Christvespern sind zeitlich verkürzt. Da die Platzzahl in Corona-Zeiten reduziert ist, wird es für die beliebten Christvespern in Petri kostenlose Eintrittskarten geben. Wer im Besitz einer solchen ist, darf vom Sicherheitsteam in die Kirche gelassen werden. Die Bevölkerung wird um Verständnis gebeten. Diese kostenlosen Eintrittskarten kann man ab dem 1. Advent (28./29. November) im Pfarramt Huthergasse 8 oder nach den Adventsgottesdiensten in den Kirchen und bei den Veranstaltungen auf Anfrage erhalten.

Die jeweilige Uhrzeit ist darauf verzeichnet. Namenslisten werden nicht geführt. Um 22 Uhr wird in Petri die Christmette stattfinden. Für den Besuch der Christmette ist keine Eintrittskarte nötig.

Weihnachtsbaum für alle

Eine außergewöhnliche Idee, den Menschen in der Advents- und Weihnachtszeit zu ein wenig Gemeinschaftsgefühl zu verhelfen, wird in der evangelischen Gemeinde der Friedenskirche in Ziegelhütten umgesetzt. Zum Adventseinläuten - das tatsächlich nur ein Glockenläuten ohne eine Veranstaltung ist - wird am Samstag, 28. November, auf dem Vorplatz der Friedenskirche ein "Gemeinschafts-Weihnachts-Baum" aufgestellt. Alle, die mitmachen wollen, sind dann dazu eingeladen, diesen Baum mit bis zum Heiligen Abend Stück für Stück miteinander zu schmücken: mit Kugeln, Sternen, etwas Selbstgebasteltem, Bildern, Gebeten, Wünschen. Dabei soll es natürlich keine Menschenansammlungen geben. Der Baum soll, so Stefan Lehner von der Kirchengemeinde Friedenskirche, den Menschen auch Gelegenheit für einen Moment der Einkehr und der Ruhe geben, sei es auf dem Weg zum Gottesdienst oder bei einem kurzen Spaziergang. "Auch wenn wir in dieser besonderen Zeit Abstand halten müssen, können wir als Gemeinde an diesem Baum zusammenkommen und zusammenbleiben, indem wir ein Stück von uns am Baum lassen und dadurch unserer Gemeinschaft Ausdruck verleihen." Man sei gespannt, so Lehner, wie dieses Experiment gelingen werde.

Und schließlich wird es im Raum Kulmbach auch ein digitales Angebot geben für all jene Menschen, die keinen Gottesdienst besuchen können oder wollen: ein kurzer Weihnachtsgottesdienst, den die Pfarrer aller Kulmbacher evangelischen Gemeinden gemeinsam gestalten und der an Heiligabend ins Netz gestellt wird.