Am 12. März war gewissermaßen Schicht im Schacht: Michaela Baptist hat an diesem Samstag die letzten Waren im Pressecker Dorfladen verkauft. Eigentlich hätte ihr Mann Gerhard hinter der Theke stehen müssen, doch der liegt seit 23. Februar im Krankenhaus. "Er ist so sehr erkrankt, dass er das Geschäft nicht mehr weiterführen kann", begründet sie den großen Zettel, der inzwischen an der Tür hängt. "Geschäftsaufgabe - Nachmieter gesucht", steht darauf zu lesen, Telefonnummer inklusive.

Doch gemeldet hat sich bislang niemand. Die Presseckerin, die den Dorfladen mit ihrem Mann im Juni 2015 eröffnet hatte und inzwischen wieder einer anderen Tätigkeit in Hof nachgeht, glaubt schon, dass es im Ort genügend Leute gibt, die die Nachfolge ihres Mannes antreten könnten. Viele würden sich die Tätigkeit aber wohl nicht zutrauen. "Ein bisschen Ahnung muss man schon haben von Einkauf, Disposition und Umgang mit den Kunden."


"Zehn Stunden sind gar nichts"

Dann überlegt sie kurz und fügt hinzu: "Manche scheuen wahrscheinlich auch die Arbeit, denn zehn Stunden sind da gar nichts. Mein Mann hatte zuletzt nur halbtags geöffnet und war trotzdem acht bis neun Stunden für den Laden im Einsatz."

Die Frage, ob der Dorfladen angenommen worden sei, bejaht Michaela Baptist, meint aber damit hauptsächlich die Bürger, die nicht mobil sind. "Diejenigen, die ein Auto haben, kaufen meist woanders ein. Ein bisschen teurer waren wir auch, und das Angebot war natürlich nicht so groß. Aber für einen Mann war der Gewinn ausreichend."


Inventar ist schon verkauft

Ob in der Helmbrechtser Straße jemals wieder Backwaren, Wurst und Konserven verkauft werden, steht in den Sternen. Das Ehepaar Baptist hat inzwischen nicht nur die letzten Lebensmittel verkauft, sondern auch das gesamte Inventar. "Bis Ende Mai ist der Laden besenrein", sagt Michaela Baptist und lässt damit anklingen, dass ein eventueller Nachmieter die Geschäftsräume durchaus auch anders nutzen kann.

Bürgermeister Siegfried Beyer (CSU) bedauert die Entwicklung. "Manche Schicksalsschläge kann man halt nicht vorhersehen. Es ist sehr schade, dass der Dorfladen nicht weiterlaufen kann. Die Gemeinde ist aber daran interessiert, dass sich doch noch ein Pächter findet", so Beyer, der die Hoffnung nicht aufgeben will. Eine andere Nutzung hält er zwar für denkbar, weist aber darauf hin, dass die Räumlichkeiten schon eher auf ein Lebensmittelgeschäft zugeschnitten sind.


Unterstützung zugesichert

Fest steht für das Gemeindeoberhaupt: "Wir würden einem Nachmieter - genauso wie der Familie Baptist - jede nur mögliche Unterstützung zukommen lassen."