"Du a weng mit deiner Doggn schbilln". Heute weiß wohl kaum ein Kind mehr, wie es dieser Aufforderung nachkommen soll - auch nicht, wenn es aus Thurnau kommt. Gisela Kern hat deshalb Thurnauer Mundart-Schätze gesammelt und nach der Veröffentlichung ihrer beiden Sammlungen von "Thurnauer Gschichtla" nun auch ein Wörterbuch in Thurnauer Mundart herausgebracht.

Darin kann man nicht nur nachlesen, dass "Doggn" "Puppe" heißt und das oben genannte Kind aufgefordert ist, mit selbiger zu spielen. Das Büchla lädt auch zum Erinnern, zum Schmunzeln und zum Lebendig-Halten des Dialekts ein.

Das Erbe fortgeführt

Gisela Kerns Onkel Hans Lotter hatte das Büchlein 1987 begonnen, nach seinem Tod hat die Nichte sein Erbe fortgeführt, ergänzt und schließlich druckfertig gemacht. In Eigenregie ist nun ein 108 Seiten starkes Büchla entstanden, das es ab 1.
November zu kaufen gibt.

Gisela Kern hat die Arbeit mit und an der Mundart riesigen Spaß gemacht. "Die Mundart ist ein Schatz, den wir uns unbedingt erhalten müssen", so Kern. Die vielen Gespräche mit Alt-Thurnauern seien sehr bereichernd gewesen, teilweise liegen sie schon Jahrzehnte zurück. Auf Kassetten sind die Gschichtla für die Ewigkeit gebannt. "Die Zeitungs-Babette hat uns die Geschichte erzählt, wie sie geboren wurde. Ihre Mutter hatte damals schwer auf dem Feld geschuftet, so dass Babette viel zu früh mit nicht mal drei Pfund auf die Welt gekommen ist."

Dass Babette Hermann, der damals als "klaans Würmla" kaum eine Chance zum Überleben bescheinigt wurde, am Ende 90 Jahre alt geworden ist, spricht für sich und ist nur eine der zahlreichen wunderbaren Begebenheiten, die Gisela Kern und ihre Mitstreiterinnen im Laufe der Jahre erfahren haben.

Anfang des Jahres, bei einem Urlaub mit ihrem Mann Wolfgang, hat Gisela Kern die alten Kassetten mitgenommen und angehört. "Es sind bewegende Aufnahmen von Menschen, die teilweise schon gestorben sind", so Kern. Vom alten Herrn Hugo, der Bonbons an alle Kinder in der Nachbarschaft verteilte, als man das noch machen konnte, ohne schief angeschaut zu werden; von der Familie Schwender, aus der Gisela Kern stammt, und von vielen weiteren.

Kochrezepte und Wetterregeln

Dazu gibt es Kochrezepte, liebevolle Gedichte über die Heimat, Wetterregeln und allerlei Worte zum Schmunzeln. Gisela Kern weckt mit ihren Veröffentlichungen nicht nur Erinnerungen, sie hat auch die Geschichte des Buchdrucks in den zurückliegenden 30 Jahren erlebt. Eines Tages möchte sie auch darüber eine öffentliche Ausstellung veranstalten.

Bei der Buchvorstellung im kleinen geladenen Kreis hat sie schon mal einen Einblick in ihre Exponate gegeben: Riesige Druckplatten, wie sie vor 30 Jahren erforderlich waren, um den Traum des eigenen Buches zu erfüllen, Schreibmaschinenblätter und vieles mehr. Dazu hat sie auch noch die Original-Zeichnungen von damals.
Heute ist das mit dem Büchla deutlich einfacher über die Bühne gegangen. Genauso spannend und lehrreich wie damals ist der Inhalt des aktuellen Büchlas dennoch. Wer also wissen möchte, was eine "Hundsfodzn" oder ein "Schriedla" ist, sollte ins Wörterbüchla von Gisela Kern schauen.

Zu kaufen gibt es die Büchla bei Gisela Kern direkt sowie in den Geschäften Häußinger und Waldhier in Thurnau.