• Corona-Ausbruch bei Unternehmen in Oberfranken
  • Kaminhersteller eka: Knapp 50 Prozent aller Mitarbeiter positiv
  • "Wir haben alles gemacht" - Chef äußert sich zu Hygienemaßnahmen
  • Gesundheitsamt testet komplette Firma - und schickt dann die Gewerbeaufsicht
  • "Bekommen keine Antworten" - Heftige Kritik an der Behörde

Nach Corona-Ausbruch bei oberfränkischem Kaminhersteller - Chef übt Kritik an Gesundheitsamt: Beim Kaminhersteller eka in Untersteinach (Landkreis Kulmbach) wurden 52 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Weitere 18 Mitarbeiter mussten nach Angaben des Unternehmenschefs Herbert Werner gegenüber inFranken.de in Quarantäne. Das Gesundheitsamt hatte sich eingeschaltet, nachdem mehrmals Mitarbeiter mit positiven Schnelltests der Behörde gemeldet worden waren.

Untersteinacher Firmenchef zu Corona-Ausbruch: "Haben alles gemacht"

"Wir haben am 6. April immer montags Schnelltests bei uns im Unternehmen durchgeführt", sagt Werner. In "zwei, drei Fällen" habe es bereits am ersten Testtag positive Ergebnisse gegeben. Daraufhin sei das Gesundheitsamt am Montagmorgen (19. April 2021) zu einer Reihentestung ins Unternehmen gekommen und habe PCR-Tests durchgeführt.

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Am Montagabend und am Dienstag hätten 51 von 120 Mitarbeitern am Standort positive Testergebnisse vom Gesundheitsamt erhalten. "Das Gesundheitsamt war dann am Donnerstag noch einmal zum Testen da. Aber da wurde nur noch ein positiver Fall herausgefunden", sagt Werner. Anschließend sei auch die Gewerbeaufsicht gekommen, um die Hygienemaßnahmen des Kaminherstellers zu überprüfen. 

"Es war alles gut. Wir haben alles gemacht, von der Dokumentation der Tests über Home-Office-Regelungen, Hygiene am Arbeitsplatz", sagt Werner. Woher der Corona-Ausbruch kommt, kann er sich nicht erklären. "Ob es von innerhalb der Familien kam, weiß ich nicht. Unsere Arbeitsplätze sind sieben, acht Meter auseinander. Kein einziger Mitarbeiter im Lager oder Vertrieb hat länger Kontakt zu Kollegen als drei, vier Minuten." Die einzige Ausnahme sei die Frühstückspause. Die Schnelltests jeden Montag habe er selbst initiiert und dafür extra "zwei Krankenschwestern aus der Rente geholt". 1000 Euro koste ihn jeder Testtag. 

eka: Kaminhersteller kritisiert Gesundheitsamt 

Zum Glück gebe es unter den Infizierten bisher keine schweren Fälle, so Werner. An diesem Montag (26. April 2021) habe er wieder alle Mitarbeiter schnellgetestet. Dabei gab es keinen positiven Fall mehr, sagt der Firmenchef. Aktuell seien - auch wegen zusätzlichen Krankmeldungen - nur 40 Mitarbeiter im Betrieb, sprich nur ein Drittel Leistung ist möglich.

Wann der Kaminhersteller wieder in die volle Auslastung gehen kann, sei für ihn nur schwer abzuschätzen, so der Chef. Intern hoffe er auf Ende kommende Woche, aber "das kann und will ich unseren Großkunden nicht versprechen." Und das hat einen Grund. "Ich habe hier Listen mit den Quarantäne-Zeiten: Wenn mein Mitarbeiter am letzten Tag der 14-tägigen Quarantäne einen Test macht, dann kann er nicht arbeiten, bis ein negatives Ergebnis da ist. Das heißt, ich verliere ihn für weitere ein bis zwei Tage."

Er verstehe den Sinn nicht, sagt Werner. "Das geht alles auf Kosten des Arbeitgebers." Bei einem Mitarbeiter habe das Gesundheitsamt des Landkreises Kulmbach einen Test am vorletzten Tag der Quarantäne angeordnet - und ihn danach für rechtlich ungültig erklärt. "Das Gesundheitsamt gibt der Firma keine Chance", kritisiert er.

"Wir stellen Fragen, bekommen aber keine Antworten"

Gleichzeitig verstehe er nicht, weshalb Mitarbeiter, die auf das Ergebnis ihres PCR-Tests warten, noch zur Arbeit dürften. "Die werden am Montagfrüh getestet und kriegen das Ergebnis Dienstagmittag, da haben sie teilweise schon zwei Schichten gearbeitet und ich bekomme Angst, wen die Positiven noch alles mitgezogen haben." Es gebe "keine klare Linie", sagt der Gründer des Kaminbau-Produzenten. 

Das betreffe auch die Kontaktpersonen-Nachverfolgung, findet Werner. "Wir stellen Fragen ans Gesundheitsamt, bekommen aber keine Antworten". Es sei äußerst unklar, wann man etwa eine Kontaktperson sei, wann eine Fahrgemeinschaft und wann man in Quarantäne müsse.

So sei es vorgekommen, dass Mitarbeiter beim Gesundheitsamt alle Kollegen als Kontaktpersonen angegeben hätten, die in derselben Schicht gearbeitet hätten, obwohl dort laut Werner kaum Kontakt und große Abstände herrschen. Von neun Quarantäne-Personen seien so nur noch zwei übriggeblieben. "Sonst wäre die Firma schon lange leer". Mitarbeiter, die schlecht Deutsch sprächen, hätten zugleich "rhetorische Probleme" beim Gespräch mit der Behörde gehabt. 

So reagiert das Kulmbacher Gesundheitsamt auf die Vorwürfe

Beim Gesundheitsamt in Kulmbach äußert sich eine zuständige Amtsärztin auf Nachfrage. Die Kontaktnachverfolgung basiere klar auf den Rechtsgrundlagen des bayerischen Gesundheitsministeriums zum Vollzug des Infektionsschutzgesetzes. "Unsere Mitarbeiter sind geschult. Da muss niemand, der angerufen wird, überlegen, ob er eine Kontaktperson ist, weil unsere Mitarbeiter detailliert nachfragen und Unklarheiten im Zweifelsfall mit uns Amtsärzten absprechen", sagt die Ärztin.

Bei der Kontaktpersonennachverfolgung beziehe man sich auf die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI). "Wir fragen unter anderem: Wo waren die Leute mit wem in welchem Zeitraum? Haben sie dabei eine Maske getragen? War es eine FFP-2- oder eine medizinische OP-Maske?" Bei Schwierigkeiten in der Kommunikation schalte man wahlweise Übersetzer mit ein oder verweise auf Merkblätter von Behörden, die in verschiedenen Sprachen vorlägen.

Herbert Werner bezweifelt allerdings, dass Mitarbeiter in Corona-betroffenen Unternehmen immer alle Angaben korrekt machen - ob bewusst oder nicht. "Die Behörden müssen mehr mit den Betrieben sprechen", fordert er.  Zu den verpflichtenden PCR-Tests am Ende der Quarantäne äußert sich das Gesundheitsamt im Landkreis Kulmbach noch folgendermaßen schriftlich: "Es hat sich gezeigt, dass - gerade seit der großen Verbreitung der Britischen Variante B.1.1.7 - viele Kontaktpersonen erst am Ende der 14-tägigen Quarantäne noch eine Infektion entwickelten."

Quarantäne: Entlassung nur durch PCR-Test möglich

Unter "Berücksichtigung der weiterhin recht hohen Inzidenz im Landkreis Kulmbach" habe man entschieden, die sicherste Variante der PCR-Testung zur Entlassung aus der Quarantäne zu wählen." Daher findet das Gesundheitsamt: "Aufgrund der zügigen Rückmeldung des den Test auswertenden Labors über Nacht" sei "der Zeitverlust im Vergleich zur damit einhergehenden größeren Sicherheit verhältnismäßig".

Eine Quarantäne dürfe die Behörde außerdem gar nicht anordnen, wenn die betroffene Person weder enge Kontaktperson sei noch positiv getestet wurde. "Eine selbst auferlegte oder vom Arbeitgeber angeordnete vorläufige Isolation bleibt davon unberührt."

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