Offen seinen Unmut zeigte Günther Krombholz (ÜWG) in der letzten Sitzung des amtierenden Gemeinderats am Montagabend. Noch vor Beginn empfahl er gut vernehmbar, "es" kurz zu machen und über die gesamte Tagesordnung gleich "en bloc" abzustimmen, "fertig".

"Teuer! Muss das alles sein?", warf Krombholz später gegen den Kostenanteil der Gemeinde an den baulichen Änderungen im ehemaligen Dorfladen ein, der an den Radspitz-Pflegedienst vermietet werden soll. Unter anderem sollen sämtliche sanitäre Anlagen erneuert werden. Die Küche in dem erst sechs Jahre alten Gebäude soll verlegt und erneuert werden.

Zuschüsse möglich

An den umfangreichen Umbauten störte sich auch Manfred Pöhlmann (Pro Rugendorf): "Konnte der Planer denn nicht vom Bestehenden ausgehen?", fragte er. Die Änderungen seien wegen der Abläufe in der Tagespflege nötig, klärte Verwaltungsleiter Florian Puff auf, der mitteilte, dass es noch Gespräche mit dem Amt für ländliche Entwicklung gebe. Es bestehe die Aussicht, dass es von dort noch Zuschüsse - 65 Prozent - gebe. Ungeachtet dessen könne der Umbau aber beginnen.

Die Vorgeschichte: Nachdem das Projekt Dorfladen mehrfach gescheitert war, will nun der Radspitz-Pflegedienst aus Seibelsdorf das Gebäude als Tagespflegeeinrichtung nutzen. In der Sitzung Anfang Februar lagen dem Gemeinderat die Pläne vor. Der stimmte der Nutzungsänderung zu. Die Umbauplanung wurde an das Landratsamt weitergeleitet, das über die Einhaltung der einschlägigen Bauvorschriften insbesondere hinsichtlich des Brandschutzes befinden muss. Die Gemeinde als Hausbesitzer müsse nur zwei weitere Fenster einbauen lassen, Änderungen im Inneren des Gebäudes gingen zu Lasten des Betreibers der Tagespflege, hieß es dazu zumindest im öffentlichen Teil der Sitzung.

Zwei Gegenstimmen

Nun lag dem Gemeinderat die Rechnung vor: Auf insgesamt 126 471,73 Euro belaufen sich die wirtschaftlichsten Angebote für diverse bauliche Änderungen. Wesentliche Kosten fallen für Fliesenarbeiten, Heizung, Lüftung, Sanitär, neue Schiebetüren, Trennwände und einen anderen Bodenbelag an.

Die vorliegenden Angebote seien keine Phantasiepreise, denn die weiteren eingegangenen Angebote lägen etwas bis erheblich höher, stellte Bürgermeister Ralf Holzmann (ÜWG) fest und stellte die Vergabe folgender Arbeiten zur Abstimmung: Rohbau, OK Service, Stadtsteinach, 7943,25 Euro; Schiebetüren, Trennwände, Bodenbeläge, 2F Einrichtungen, Bayreuth, 29 457,97 Euro; Fenster, Schreinerei Schnaubelt, Rugendorf: 3708,04 Euro; Trockenbau, Erl, Kulmbach, 10 700 Euro; Malerarbeiten, Keller und Bär, Stadtsteinach, 7800 Euro; Fliesen, Weigel, Wartenfels, 12 051,13 Euro; Heizung, Lüftung, Sanitär, Höllering, Presseck, 38 695 Euro; Elektro, Porzelt, Stadtsteinach, 10 096,07 Euro; Bodenverlegung, Klemens, Eckersdorf, 6020,27 Euro. Gegen die Stimmen von Krombholz und Pöhlmann vergab das Gremium die Aufträge.

Debatte über Sirene

Mit neun gegen vier Stimmen entschloss sich der Gemeinderat für die günstigere Variante einer neuen Feuerwehrsirene. Die jetzige ist altersschwach. Eine neue wird laut Beschluss des Gemeinderats im Dezember auf das Schulhaus gesetzt, nachdem die Eigentümerin des bisherigen Standorts am Dorfplatz die Sirene nicht mehr auf ihrem Gebäude haben will. Der Abbau der alten und der Aufbau einer neuen Sirene kosten 5757,60 Euro netto. Zwei Exemplare mit jeweils 600 Watt Leistung standen zur Wahl, die eine mit einem Verstärker für 2149 Euro netto, die andere mit zwei Verstärkern und "natürlicherem und vollerem Klang" für 4060,80 Euro. Der Gemeinderat stimmte für die günstigere Variante, wie sie bereits im Ortsteil Zettlitz installiert ist - was Günther Krombholz zum Sticheln reizte: "Die Zettlitzer machen es vor, Rugendorf macht‘s nach. So ist es."

Damit schlug der Gemeinderat den Wunsch der Feuerwehr aus, der eine Sirene mit 1200 Watt Leistung favorisiert hatte, die über die bisherige Bebauung und Distanz von 700 Metern hinaus auch in einem weiteren neuen Baugebiet zu hören wäre. Dagegen argumentierte der künftige Bürgermeister Gerhard Theuer mit Fakten: Die stärkere Sirene wäre zwar weiter mit wünschenswerten 70 Dezibel zu hören, würde aber den maximal zulässigen Pegel von 100 Dezibel in der nächsten Umgebung überschreiten, woraus die Anlieger aufgrund der erheblichen Belästigung Regressansprüche ableiten könnten.

Zum Abschluss kündigte Holzmann mit Blick auf seinen Nachfolger Gerhard Theuer eine "angemessenere Verabschiedung" nach Aufhebung der Kontakteinschränkungen an. Er verabschiedete acht Gemeinderäte: Herbert Schmidt (nach 48 Jahren), Fritz Rösch (38), Manfred Pöhlmann und Hermann Schmidt (je 24), Albert Müller (18), Ernst Dehler (12) sowie Günther Krombholz und Friedrich Oertel (je sechs).