In gut einem Monat beginnt die neue Saison in den Fußball-Bundesligen. Doch die Fans müssen wohl weiter draußen bleiben. Ministerpräsident Markus Söder hält die Rückkehr von Zuschauern in die Stadien angesichts steigender Corona-Zahlen für das falsche Signal. Schlechte Nachrichten also für die Kulmbacher Fußball-Fans, von denen viele Stammgäste beim FC Bayern München und 1. FC Nürnberg sind.

Andreas Amon aus Katschenreuth will die Hoffnung aber noch nicht aufgeben: "Ich glaube, dass es im Oktober wieder mit Fans in den Stadien losgeht. Das Hygienekonzept der DFL passt. Wenn sich alle Zuschauer an die Vorgaben halten, sehe ich Spiele mit Fans als nicht problematisch an."

Amon besitzt seit 25 Jahren eine Dauerkarte beim FC Bayern München. Mit seinem Sohn Moritz und Freunden vom Katschenreuther Bayern-Stammtisch "Champions-League-Traum 2001" fährt er regelmäßig in die Landeshauptstadt - "meist zu siebt in einem Kleinbus." Dass sie auf ihre angestammten Stehplätze so schnell nicht zurückkehren werden, ist den Amons klar. "Aber mit einem Sitz Abstand auf den Tribünen würde wenigstens 20 000 bis 30 000 Zuschauer in die Allianz-Arena bringen. In den Biergarten darf man ja auch wieder, und da hocken teilweise acht Mann am Tisch ohne Abstand und ohne Maske", sagt Andreas Amon, der auch kein Problem damit hätte, während des Spiels Mund-Nasenschutz zu tragen. "Wenn es nicht anders geht."

Eine ganze Saison ohne Stadionbesuch möchte sich der 54-Jährige gar nicht ausmalen. "Das wäre schon besch...", sagt er.

Hahn hofft auf Hygiene-Konzept

Auch für Bernd Hahn aus Lindau ist das Fandasein ein großer Lebensinhalt, seine Liebe gilt dem 1. FC Nürnberg. "Die Fans haben ein großes Verlangen, wieder ins Stadion zurückzukehren", sagt Hahn, der gehofft hatte, "dass das Hygiene-Konzept der DFL die Rückkehr der Fans ins Stadion möglich macht".

Dass man das Corona-Virus ernst nehmen müsse, ist für Bernd Hahn unstrittig. "Auch ich bin vorsichtig." Dennoch hält er die Ansteckungsgefahr in seinem so großen Stadion wie dem Nürnberger für überschaubar - wenn es nur zur Hälfte voll ist und sich die Fans an die Regeln halten. "Es muss Maskenpflicht und eben separate Ein- und Ausgänge geben. Und wer sich nicht daran hält, bekommt Stadionverbot", meint Hahn, der als ehrenamtlicher Koordinator 80 oberfränkische Fanklubs betreut. Auch eine begrenzte Zahl von Gästefans sollte laut Hahn zugelassen werden.

Der Lindauer Fan vermisst nicht nur den Fußball im Stadion, sondern vor allem die sozialen Kontakte. "Es ist traurig, dass das alles flach fällt."

Geisterspiele sind öde

Und was sagt der Ex-Profi? Der gebürtige Stadtsteinacher Jörg Dittwar ist skeptisch, dass es heuer noch was mit dem Stadionbesuch wird - auch wenn er selbst gerne wieder zu "seinem Club" ginge und es öde findet, Spiele vor leeren Rängen im Fernsehen anzuschauen. "Da schaue ich mit meiner Frau lieber Serien wie Hubert und Staller an."

Der langjährige Bundesliga-Spieler des 1. FC Nürnberg vertritt aber die gleiche Linie wie Markus Söder. "Der Ministerpräsident hat Recht, Fußball hat jetzt nicht Priorität, die Gesundheit geht vor." Deshalb dürfe es jetzt nicht tausende Zuschauer in den Bundesliga-Stadien geben, meint Dittwar, "auch wenn natürlich viele Jobs dranhängen".

Im Amateurbereich jedoch sähe die Sache anders aus, meint Dittwar. "Da haben wir ja eh wenig Zuschauer. Die Hygieneauflagen umzusetzen ist zwar für viele Vereine brutal aufwändig, aber es ist zu machen."

Sorgen um Amateurvereine

Der Ex-Profi aus Stadtsteinach, der mittlerweile im Raum Coburg wohnt und im Jugendbereich der SG Ebersdorf/Frohnlach/Großgarnstadt engagiert ist, macht sich vor allem um die Amateurklubs Sorgen. "Sie werden unter der Corona-Krise leiden, denn viele Spieler aus den 2. Mannschaften oder im Jugendbereich haben sich in dieser Zeit andere Freizeitbeschäftigungen gesucht."

Den Profivereinen rät Dittwar dringend, ihre Ausgaben zu überprüfen, wollen sie die Krise überstehen: "Die Spieler und ihre Berater verdienen heutzutage viel zu viel Geld."

Kommentar: Profi-Sport ist verzichtbar

Die Kapelle der Titanic hat bis zum bitteren Ende gespielt. Auch die Vereine der Handball-Bundesliga trotzen der Realität. So sind sie felsenfest davon überzeugt, zu Saisonbeginn im Oktober wieder vor Zuschauern zu spielen - in Hallen! Träumen ist erlaubt, aber angesichts der täglich steigenden Zahl der Corona-Fälle muss man den Handball-Funktionären eher Realitätsverlust attestieren. Zumal ja die zweite Infektions-Welle gerade über uns hereinbricht. Und dabei sind noch nicht einmal alle Sommerurlauber wieder zurück in Bayern.

Dass Sportarten wie Handball, Eishockey oder Basketball zu großen Teilen von Umsätzen mit Besuchern abhängig sind, ist klar. Doch das sind auch Musiker, Schauspieler, Schausteller, Artisten, Barbesitzer oder Discothekenbetreiber. Und auch sie müssen sich weiter gedulden - zum Schutz der Allgemeinheit.

Fest steht: Bei Ansammlungen von tausenden Menschen sind Abstands- und Hygienevorschriften einfach schwer kontrollierbar. Da können die Konzepte noch so ausgeklügelt sein. Großveranstaltungen bleiben Feste für das Virus. Erst ein Impfstoff wird die Sicherheit zurückbringen.

Nein, Profi-Sport hat in Zeiten wie diesen keine Priorität. Auf Besuche im Handball-, Fußball- oder Eishockey-Stadion sollte man aktuell verzichten können. Es gibt Wichtigeres. Und mal ehrlich: Macht ein Stadionbesuch wirklich Spaß, wenn man mit Maske und ohne Sitznachbar auf der Tribüne hockt? Am Ende ohne Bier und Bratwürste?