Doch "nur" einen Konzertabend mit sehnsuchtsvoller Musik - das war nicht das Anliegen des Pianisten. Waldemar Grab ist inzwischen Musikevangelist. Aus diesem Grund stellte vor allem seine eigene Lebensgeschichte in den Mittelpunkt des Abends und erzählte seine Bekehrungsgeschichte.

Tatsächlich war der Weg zum "Missionierer" und "Verkünder" bei Waldemar Grab äußerst bunt. Er hat Verlagskaufmann gelernt, war als Journalist tätig, war bei der Bundeswehr. Er verdiente als Chef-Steward der Kanzlermaschine sein Geld, flog mit Helmut Schmidt und dem damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher um die Welt.

In den neunziger Jahren war er in Einkaufscentern tätig, spielte nebenbei als Barpianist. Und dabei lernte er André Rieu und Wolfgang Rademann kennen. Grab heuerte bei der MS Deutschland - beim Traumschiff - an und nahm in einer Welt voller Glitzer und Glamour 87 Mal an Weltreisen der Extraklasse teil. Grab spielte mit Peter Alexander, Paul Kuhn oder Helmut Zacharias - erzählte er und zeigte Bilder aus alten Zeiten.

Manchmal nimmt sich Waldemar Grab bei seinen Erzählungen auch ein bisschen selbst auf die Schippe - wenn er zum Beispiel von seinem Klavierunterricht berichtet. "Mit elf Jahren habe ich meinem Klavierlehrer gekündigt. Auch wenn das meine Mutter immer anders erzählt. Aber so klingt es eben besser."

Zwischen all den bunten Storys greift er in die Tasten. Er spielt 21 Kirchenlieder - oder vielmehr Titel von Kirchenliedern auf die Melodie von "Geh aus mein Herz".

Grab ließ aber auch die alten Jazz-Superhits wie "Stompin" at the Savoy", "Ain"t Misbehavin", "Satin doll" oder Evergreens wie "Maple Leaf" oder den "Entertainer" aufleben. Er spielte und witzelte, und legte eine tolle Show hin. Und natürlich durften auch Glenn Miller und die legendäre Traumschiffmelodie nicht fehlen.

Zentrales Anliegen bei der evangelischen freien Gemeinde Stadtsteinach war für Grab die Botschaft, warum er jetzt Musikevangelist sei. Als Kostprobe interpretierte er altbekannte Superhits - mit neuem Text.

Im Jahr 2000 ist Grab knapp dem Tod entkommen. Er hatte einen Concorde-Flug gebucht: Genau den Flug, der in Paris abgestürzt ist. Und das war nicht das einzige Erlebnis der besonderen Art. Auf Samoa verpasste er haarscharf ein Taxi - ein Taxi, das verunglückte. "Solche Erlebnisse machen doch etwas mit einem", erklärte Grab seine Wandlung zum Musikevanglisten. Zwar war er noch bis 2004 auf dem Traumschiff. Doch dann stieg er aus. Er kehrte der Luxuswelt den Rücken.

2006 gründete Waldemar Grab das Missions- und Sozialwerk Hoffnungsträger. Seitdem verkündet er seinen Glauben, er engagiert sich für arme Menschen auf Haiti. 200 Tage pro Jahr ist Grab mit seiner Lebensgeschichte unterwegs und will vor allem eins: andere Menschen daran teilhaben lassen.