Die SMS, die um exakt 20.22 Uhr auf den Handys landete, kam den Wehrkräften gleich Spanisch vor. Obwohl man in diesem Fall eigentlich Chinesisch sagen müsste, denn als am Sonntag, 16. Januar, ein Keller in Berndorf brannte, erhielten die Männer und Frauen der örtlichen Wehr auf dem Mobiltelefon einen Hinweis, der mit chinesischen Schriftzeichen verfasst worden war. Was das für eine Nachricht war? "Ich habe gedacht, dass es sich um eine Spam-Mail handelt. Ich habe sie ignoriert", sagt Kommandant Christian Schwarz, der mit den Zeichen, die eher Bildern als Buchstaben ähneln, nichts anfangen konnte. Dass etwas passiert war, war allen aber schnell bewusst. "Denn die Sirene ist ja losgegangen."

Zusätzliche Informationsquelle

Die Alarmierung der Wehren erfolgt generell über Sirenen und Funkmelder. Die SMS-Benachrichtigung ist lediglich eine zusätzliche Informationsquelle, die sich der Markt Thurnau einiges kosten lässt. Die kann hilfreich sein, war es an dem Sonntag aber nicht. Schwarz und seine Kameraden waren trotzdem schnell am Einsatzort. Starker Rauch drang aus den Kellerfenstern, als sie an einem dreistöckigen Gebäude in dem Thurnauer Ortsteil eintrafen. Im Heizraum war Feuer ausgebrochen. Mithilfe mehrerer Atemschutztrupps konnten die Flammen gelöscht, das Brandgut entfernt und die Gebäude mit Lüftern entraucht werden. Die Bewohner blieben unverletzt und kamen über Nacht in einem Ausweichquartier unter.

Gegen 23 Uhr konnten die Kräfte, die nicht mit der Brandwache beauftragt wurden, wieder abrücken. Nach dem Einsatz blieben aber offene Fragen. Warum kam die Nachricht auf Chinesisch? Was sollten die Schriftzeichen bedeuten? Der Inhalt hat, wie wir herausgefunden haben, mit einem Feuerwehreinsatz nichts zu tun. Der Text sei unlesbar und bedeutungslos, sagt eine junge Chinesin, die am Campus Kulmbach der Uni Bayreuth studiert und die wir um eine Übersetzung gebeten haben.

Dass eine solche "chinesische Alarmierung" im Gemeindegebiet in jüngster Zeit schon mal vorgekommen sei, sagt der Thurnauer Verwaltungsleiter Benjamin Wich. Der Markt habe sich auch schon an die Telekom gewandt, die offenbar technische Probleme habe. "Man hat uns versprochen, schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen."

Das sagt die Telekom zur Panne

Wie es zu einer chinesischen SMS kommen kann? Wir haben bei der Telekom nachgefragt. "Unsere Recherchen haben ergeben, dass der abzusetzende Alarmierungstext, vermutlich von der Einsatzkoordination, in einem veralteten Format an die Leitstelle Bayreuth geschickt und dann in der automatisierten Abfolge nicht im korrekten SMS-Format an den Alarmruf weitergegeben wurde. Der Empfänger erhält daraufhin eine SMS mit chinesischen Schriftzeichen", sagt die Telekom-Pressesprecherin Karina Unruh und führt weiter an: "Nach aktuellen Erkenntnissen sind eine Handvoll Alarmrufkunden betroffen. Wir stehen mit der Leitstelle seit Beginn letzter Woche im Austausch, um bei der Fehlerbehebung zu unterstützen."

Einsatzbereitschaft ist sichergestellt

Wie der Pressesprecher der Landkreiswehren, Yves Wächter, mitteilt, wird die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren dadurch nicht geschwächt. Denn die Alarmierung erfolge grundsätzlich über Sirenen und die Funkmelder und sei so zu jeder Zeit gewährleistet. Die SMS-Benachrichtigungen stellten lediglich eine mögliche zusätzliche Informationsquelle dar, so Yves Wächter.

Wie es im Thurnauer Ortsteil Berndorf der Fall ist, wo die Wehr zusätzlich auf die Handy-Mitteilung setzt. Hilfreich ist die - aber nur dann, wenn sie auf Deutsch und nicht wie beim Kellerbrand in chinesischer Sprache verfasst ist.