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Trebgast
Brauchtum

Strohberta in Trebgast: Eine wahrscheinlich einmalige Tradition in Oberfranken

Eine seltsame Truppe zieht jedes Jahr an Heiligabend durch den Ort Trebgast im Landkreis Kulmbach. Wir haben die merkwürdigen Gestalten beim Strohberta-Umzug begleitet. Was steckt hinter dem Brauch?
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Die Strohberta macht sich auf den Weg . Foto: Dieter Hübner
Die Strohberta macht sich auf den Weg . Foto: Dieter Hübner
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Wer der Strohberta einen Strohhalm aus dem Gewand zupft und diesen in seinen Geldbeutel legt, dem geht das ganze Jahr das Geld nicht aus. Und die Erbsen, die einem das Christkindla in die Hand drückt oder in den Hausflur streut, bringen Glück ins Haus. "Glaubt man diesen jahrhundertealten Bräuchen des Strohberta-Umzugs am Heiligen Abend, müssten alle Trebgaster Bürger zu den glücklichen Menschen gehören", erklärt Altbürgermeister Siegfried Küspert den Reiz dieser Tradition.

"Selbst wenn alle Wünsche nicht immer für alle in Erfüllung gehen, kann sich die Gemeinde glücklich schätzen, dass immer wieder junge Kerle bereit sind, dieses vermutlich heidnische Spektakel - in dieser Form wahrscheinlich einmalig in Oberfranken - in Trebgast aufrechtzuerhalten.

Trotzdem hatte "Teamchef" Christian Kauper dieses Jahr im Vorfeld schon einige Bauchschmerzen. Die Kandidaten, die sich für dieses Ritual zur Verfügung stellen, das aus Trebgast eigentlich nicht mehr wegzudenken ist, stehen nicht mehr Schlange.

Anforderung für Strohberta-Kandidaten: Kondition und Trinkfestigkeit

Denn obwohl ihre Anwesenheit nur einmal im Jahr gefragt ist, werden an die Jungs schon einige Anforderungen gestellt. Für diesen Ein-Tages-Job brauchen sie zu allererst eine sehr solide Kondition. Von Vorteil ist auch eine gewisse Trinkfestigkeit, denn die Trebgast überbieten sich mittlerweile dabei, die Jungs vor allem mit flüssiger Nahrung bei Kräften zu halten.

Bereits um 6 Uhr trifft sich die Gruppe. Eine warme Suppe hilft beim Wachwerden und Aufwärmen. Am Treffpunkt liegen Unmengen von meterlangen Zöpfen, aus Erbsenstroh geflochten. Das Hauptaugenmerk aller gilt zunächst der Hauptperson, der "Berta". Sechs bis acht Burschen stehen um sie herum und schnüren sie, beziehungsweise ihn, von den Beinen angefangen, mit diesen Zöpfen komplett ein.

Drei Stunden lang steht Markus Schoberth bereits zum vierten Mal drei Stunden lang fast regungslos mitten im Raum. Was ihm am meisten zu schaffen macht? "Das Gewicht des Strohkleids, die Wärme und der Toilettengang", gibt er bereitwillig Auskunft. Eine Stimme im Hintergrund: "Nächstes Jahr probieren wir es mal mit einem Katheder."

Mit neun Einsätzen ist Christopher Grampp jetzt "Dienstältester". Trotzdem ist auch bei ihm noch eine gewisse Anspannung da, bevor es losgeht. "Wenn bis 10 Uhr alles klappt, dann läuft es auch", ist seine Erfahrung. Er hat fast alle Rollen schon durch. Nur zur Strohberta hat es ihn noch nicht hingezogen, verrät er. Dieses Jahr läuft er als Polizist mit.

Zwei Mann müssen in die Maske. Der "Schlotfeger" kommt alleine zurecht. Er braucht nur einen Spiegel und eine Dose Nivea-Creme als Unterlage für sein wichtigstes Utensil: echten, durchgesiebten Ruß. Die Prozedur beim "Christkindla" ist schon etwas aufwendiger. Zwei Girls kümmern sich um den richtigen Sitz der Perücke, das perfekte Make-up und den goldenen Gürtel um das weiße Kleid.

Dann sind da noch drei "Neulinge": Andreas Popp als "Fraala", Patrick Sperling und Moritz Weinmann als Sackträger. Alle sind kurz vor dem Abmarsch noch guter Dinge. "Ich habe ein gutes Gefühl. Es gehört einfach dazu, dass man da mal mitmacht", ist Moritz optimistisch.

10 Uhr: Jetzt wird es langsam Ernst. "Ersatzstroh, Ersatzschnüre?", fragt einer. "Alles eingepackt", kommt die Antwort. Sie bilden einen Kreis und schwören sich auf den bevorstehenden Tag ein. Sie wissen: Es wird lang und anstrengend. Dann gibt es kein Halten mehr. Mit einem lauten, vielstimmigen "Struuhberta, Christkindla" stürmen sie auf die Straße, wo sie schon erwartet werden.