Spektakuläre Pläne stellten BRK-Kreisvorsitzender Klaus Peter Söllner und Kreisgeschäftsführer Jürgen Dippold einem sichtlich überraschten Stadtsteinacher Stadtrat am Montagabend vor. Demnach soll die Berufsfachschule für Altenpflege des BRK nicht nur in Stadtsteinach bleiben, sondern mit einem Neubau am Rotkreuzplatz sogar zu einer "Akademie für Pflege und Gesundheit" aufgewertet werden. Das Rote Kreuz selbst soll von der Stadtmitte ins Industriegebiet umziehen. Söllner und Dippold wollten nun am Montag wissen, ob die Stadt bereit wäre, für das entsprechende Umfeld zu sorgen.

Schule muss dringend renoviert werden

Die neue Rettungswache solle in einem Neubau im Industriegebiet im zweiten Quartal 2021 den Dienst aufnehmen, erläuterte Söllner. Das BRK-Haus am Rotkreuzplatz hinter der Sparkasse werde für diese Zwecke dann nicht mehr gebraucht. Andererseits müsste das Gebäude der jetzigen Berufsfachschule für Altenpflege an der Alten Pressecker Straße dringend renoviert werden.

Der neue Plan sieht vor, dass das BRK sein Grundstück am Rotkreuzplatz samt seinen dann leerstehenden Gebäuden an die Stadt verkauft. Die wiederum wird die Gebäude abreißen und das Gelände für einen Neubau der Akademie vorbereiten lassen. Die Kosten - geschätzt eine Million Euro - würden durch die Förderinitiative Nordostbayern zu 90 Prozent bezuschusst.

Damit wären zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Für einen Eigenanteil von gut 100 000 Euro würde die Stadt eine höhere Anstalt der Erwachsenenbildung bekommen; für den BRK-Kreisverband wäre ein Schulneubau ohne Belastungen für das Gelände schulterbar, rechnete Klaus Bodenschlägel, Projektleiter im Landratsamt, vor.

Umzug an die Umgehungsstraße

Zwar wurde das BRK-Haus am Rotkreuzplatz seit etwa 1960 in verschiedenen Bauabschnitten für die bisherigen Zwecke bedarfsgerecht erweitert und diente als Rettungswache mit den Rettungsfahrzeugen für Notfallrettung, Krankentransport und Notarzt. Nach Umsetzung mehrerer Straßenbauprojekte in Stadtsteinach, Zeyern, Untersteinach und Kauerndorf wären die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfristen für Notfalleinsätze vom bisherigen Standort aus allerdings nicht mehr erfüllbar gewesen.

Deshalb wird die neue Rettungswache an den Stadtrand mit direkter Auffahrt auf die künftige Umgehungsstraße verlegt. In das demnächst ungenutzte Gebäude am Rotkreuzplatz könnte dann die Altenpflegeschule umziehen. Damit würde sich auch die Umfeldsituation im Wohngebiet an der Alten Pressecker Straße verbessern.

Vom Rotkreuzplatz aus wäre für die Pflegeschüler auch die Fachklinik für die Ausbildungspraktika auf kurzem Weg zu erreichen. Die Auszubildenden könnten zudem die dortige Infrastruktur mit Bank, Bäcker und Metzger nutzen, wodurch dieser Stadtteil gestärkt würde, den das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (Isek) als zweites städtisches Zentrum von Stadtsteinach betrachtet.

Durch einen konsequenten Ausbau des Bildungsangebots am Standort Rotkreuzplatz und entsprechend neuwertigen Ausbildungsräumen würde Stadtsteinach außerdem als Standort der erweiterten Berufsfachschule attraktiver werden.

Neubau günstiger als Sanierung

Überlegungen nach einem Standortwechsel schwelen schon länger. "Konkret ist der Plan aber erst einen Monat alt", sagte Jürgen Dippold. Nach intensiven Untersuchungen habe sich herausgestellt, dass die bestehenden Gebäude nur mit unverhältnismäßig großem Aufwand in einen dann immer noch nicht zukunftsträchtigen Zustand zu bringen wären. Ein Neubau sei deshalb aus baulicher,?wirtschaftlicher und energetischer Sicht gegenüber einer Sanierung deutlich im Vorteil.

Ein neues Gebäude würde auf Grundlage aktueller Erfordernisse von Methoden-? und Bildungsstrategien konzipiert und soll voraussichtlich weitgehend als "Modulbau" errichtet werden. Es soll in einer offenen Bauweise konzipiert und barrierefrei gestaltet sein und möglicherweise, wie jetzt die neue Rettungswache, auch über ein "Investorenmodell" umgesetzt werden.

Alles unter einem Dach

Das Erdgeschoss könnte auch für öffentliche Veranstaltungen der Stadt oder von weiteren Vereinen und Verbänden genutzt werden, umriss Dippold das räumliche Angebot der neuen Akademie. Gleichzeitig würde die neue Ausbildungsstätte dem Konzept der künftigen Ausbildung von Pflegekräften Rechnung tragen, die grob gesagt eine Akademisierung von Kranken- und Altenpflege unter einem gemeinsamen Dach vorsieht.

Zugleich werde die Stadtsteinacher Akademie mit der 7. Fakultät der Universität Bayreuth in Kulmbach mit dem Schwerpunkt Ernährung kooperieren und auch auf dem Gebiet geriatrischer Ernährung forschen. Der Pflegestandort Stadtsteinach jedenfalls soll bestehen bleiben - laut Klaus Peter Söllner schon aus historischen Gründen, denn Stadtsteinach sei einst Sitz der ersten Pflegeschule in Nordbayerm gewesen. Dippold nannte zudem Gründen der qualifizierten Lehre: Die Schule habe mit 38 Schülern und drei Lehrkräften begonnen; im vergangenen Jahr seien in Stadtsteinach 360 Pflegekräfte ausgebildet worden.

Stadträte sichtlich überrascht

Die Stadträte zeigten sich am Montagabend einigermaßen überrascht von den Plänen des BRK. Zum einen wegen der kurzfristigen Entwicklung und dem zeitlichen Druck, hier eine Entscheidung treffen zu müssen; zum anderen wegen der noch nicht konkreten Planungen am neuen Standort mitten in der Stadt.

Dem Stadtrat lag lediglich ein Grundriss mit Datum vom 5. Oktober für ein langgezogenes Gebäude auf dem Rotkreuzplatz vor. BRK-Kreisgeschäftsführer Jürgen Dippold erläuterte, dass der angedachte Bau zunächst prinzipiell mit den übergeordneten Behörden besprochen sei. In ihrer konkreten Ausführung sei die neue Schule noch ein "dynamischer Prozess", in dem die neue Lehranstalt entwickelt werde.

Gegen Schnellschuss

Für Wolfgang Martin (BLS) "hat das Projekt einen gewissen Charme"; er blieb aber wegen des Standorts ("Wollen wir dort wirklich so einen Klotz bauen?") skeptisch. Klaus Witzgall (CSU) wollte wie auch Andi Sesselmann (FW) wegen des schmalen und langen Grundstücks zuerst eine detailliertere Planung sehen und "keine Entscheidung im Schnellschuss" treffen.

Wolfgang Hoderlein (SPD) plädierte dagegen an die Stadträte, das Wesentliche im Angebot des BRK-Kreisverbands zu sehen: "Jetzt geht es nicht darum, ob die Fliesen blau oder grün sein sollen, wir entscheiden nicht über einen Bauantrag. Das BRK bietet uns eine weiterführende Schule an, nach der sich andere Kommunen im Landkreis die Finger lecken würden! Uns trifft jetzt lediglich die Entscheidung Ja oder Nein," die der Stadtrat schließlich eindeutig mit Ja beantwortete.