Gespräche, ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht und eine Unterschriftenaktion - alles hat nichts gebracht. In der arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung treffen sich die katholische Pfarrgemeinde St. Michael Stadtsteinach und ihr gekündigter Mesner und Hausmeister Andreas Dremer nächsten Dienstag vor dem Bayreuther Arbeitsgericht. "Ja, die Verhandlung findet statt", bestätigt Dremer auf Anfrage von infranken.de.

Mit seiner Klage widerspricht er der Kündigung, die er kurz nach Weihnachten bekommen hat - nach 16 Dienstjahren. In dem Schreiben der Pfarrgemeinde heißt es, dass er aus finanziellen Gründen nur noch bis 30. Juni 2017 beschäftigt werden kann - danach nicht mehr. So wurde es auch der Pfarrgemeinde im Jahresschlussgottesdienst mitgeteilt.


Defizit 23.000 Euro

Laut Pfarrer Wolfgang Eßel und Kirchenpfleger Klaus Geier ist für einen hauptamtlichen Mesner kein Geld mehr da. Beide bedauern die Kündigung, sie sei aber unabdingbar. Die Pfarrei habe aktuell ein jährliches Defizit von 23.000 Euro - mit steigender Tendenz. Die Zuschüsse des Erzbistums Bamberg reichen nicht aus, um die Gehaltskosten tragen zu können. Die Finanzierungslücke sei dadurch noch größer geworden, dass der Mieterlös des Benefiziatenhauses zurückgegangen ist.

Einen Vorschlag Dremels, in Stadtsteinach weniger Stunden zu machen und auf Gehalt zu verzichten sowie auch in Untersteinach zu arbeiten, lehnte der Arbeitgeber ab. Ein Teilzeitmodell mit Untersteinach sei nicht praktikabel, so Kirchenpfleger Geier.


Gütetermin ergebnislos

Dremer wird von Rechtsanwalt Jürgen Schmidt aus Kulmbach vertreten. Ziel des Klägers: Er möchte weiterbeschäftigt werden. Im Februar fand ein Gütetermin beim Arbeitsgericht Bayreuth statt, der ergebnislos verlief.

Deshalb verfolgt Dremer weiter den Rechtsweg. Sein Anwalt hält die Kündigung für sozial nicht gerechtfertigt: "Ich habe da erhebliche Zweifel, weil die Aufgaben eines Mesners und Hausmeisters künftig in Stadtsteinach sicher nicht entfallen werden." Der Kulmbacher Jurist bezweifelt, dass die Aufgaben seines Mandanten künftig - wie es die Pfarrgemeinde will - von ehrenamtlichen Kräften erledigt werden können: "Wer soll das denn alles leisten?"


501 Unterschriften für Dremer

Die Verantwortlichen der Pfarrgemeinde ließen sich auch durch eine Unterschriftenaktion nicht umstimmen. Ingrid Kreisel und ihre Helfer warben dafür, den Mesner zu unterstützen. Sie konnten 501 Stadtsteinacher mobilisieren, die sich für Dremers Weiterbeschäftigung aussprachen. "Ich kann Sie verstehen, sehe aber keine langfristige Lösung", meinte Pfarrer Eßel und leitete die Unterschriften nach Bamberg weiter.