"Oberfranken hat mit mehr als 200 Brauereien die höchste Brauereidichte der Welt. Oberfranken hat doppelt so viele Brauereien wie alle anderen Regionen Bayerns, mehr Brauereien als jedes Bundesland in Deutschland und als jedes Land Europas." So steht es auf der Homepage des Vereins Bierland-Oberfranken, der für die Vielfalt heute wirbt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie viele Brauereien und Kommunbrauer es einmal in Stadtsteinach gegeben hat.


Schübel gibt es seit 1872


Wenn man heute nach eine Brauerei in Stadtsteinach fragt, so hört man einhellig den Namen Schübel. 1872 meldete der Wirt, Brauer und Bürgermeister Wilhelm Schübel sein Gewerbe an und baute 1882 in der Knollenstraße seine Brauerei.

Das Brauhaus von Katharina Waas aus der Hauptstraße 10 wurde bereits 1862 in der heutigen Bahnhofstraße 6 errichtet.
Lange Kellergewölbe zeigen noch heute, dass hier riesiger Raum war, um Bier reifen zu lassen. 1875 übernahm der Schwiegersohn und Brauer Adam Feulner die Brauerei, bis er nach Amerika auswanderte. So führte 1883 der Metzger, Wirt und Brauer Kaspar Schneider die Braustätte. Dessen Bier wurde in der Gaststätte Hauptstraße 10 ausgeschenkt.


Gebräu kostete Gebühren


Bereits 1531 ist eine Communbrauerei im Kirchplatz 7, heute das Hintergebäude zur Gaststätte Weißes Röß'l, nachweisbar, das 1834 von der Stadt an Kommunbrauer vermietet wurde. Das heißt, sie mussten für die Menge an Gebräu Gebühren an die Stadt entrichten. 1888 kaufte dieses Gebäude der Bierbrauer Melchior Schneider aus Ludwigschorgast.

1864 baute die Stadt Stadtsteinach ein Kommunbrauhaus in der heutigen Bahnhofstraße 8, in dem ab 1942 nicht mehr gebraut wurde. Es gab insgesamt sieben Brauer, die dort ihr Bier abwechselnd brauten.


Reges Treiben im Kellerweg


Im Sudhaus wurde die Würze gewonnen, man schleppte diese mit Holzbutten in die Keller im sogenannten Kellerweg. Dort konnte der Gerstensaft gären und reifen. Noch im Kellerweg wurde das Bier in gepichten Fässern abgefüllt. Kaspar Will im Kellerweg 8 war für den Gärprozess verantwortlich.

Diese Kommunbrauer waren Johann Hohner (Kronacher Straße 23), Heinrich Hebentanz (Kulmbacher Straße 18), Heinrich Hümmer (Kulmbacher Straße 21), Josef Bauerschmidt (Kronacher Straße 4), Michael Kraus (Kronacher Straße 14), Adam Hohner (Kulmbacher Straße 5), Johann Spindler (Kronacher Straße 23) und Heinrich Lorber (Kronacher Straße 17).


Gaststätte Lorber hat Tradition


Die Gaststätte des zuletzt Genannten soll nun etwas genauer dargestellt werden. Im Jahre 1901 zog der Wirt Heinrich Lorber (1874 bis 1930) mit seiner Frau Wilhelmine aus der Kulmbacher Straße 20 in das neu erbaute Gebäude in die Kronacher Straße 17. Von Großvater Gottfried Lorber (geboren 1787) stammt heute noch der Hausname Gottfrieder.

Heinrich Lorbers Sohn Georg war ebenfalls Bierwirt (1905 bis 1940), die Tochter Emma ehelichte den Schotterwerksbesitzer Johann Heiß, und Tochter Margareta heiratete 1941 den Stadtamtsrat Karl Kaspar Beetz. So musste die Mutter Wilhelmine (1880 bis 1957) die Gaststätte 50 Jahre lang bis 1951 führen.


Eigene Bierdeckel


Die Brauerei Heinrich Lorber war seit 1930 offiziell angemeldet und wurde 1939 wieder geschlossen. Doch in dieser Zeit gab es, wie auch bei den Kommunbrauern Hohner und Spindler, eigene Bierdeckel und Bierkrüge, die heute einen großen Sammlerwert besitzen.

Von 1951 bis 1981 war ein reger Wechsel in der Traditionsgaststätte Lorber. Zuerst zog bis 1954 ein Feinkosthaus Heinz Schubert neben der Gaststätte ein. Für ein Jahr versuchte Richard-Gawer sein Glück, und 1956 übernahmen für 25 Jahre Josef Rupp und seine Frau Margareta die Gaststätte. Neben der Bierwirtschaft gab es Lebensmittel und Kolonialwaren. Von 1971 bis 1972 war noch ihr Sohn Heinz Rupp mit seiner Frau Anni hier tätig. Im Jahre 1972 kam Hans Wolfrum aus Rudolstadt, der mit seiner Frau Else bis 1978 die Gaststätte betrieb. Für die folgenden drei Jahre bewirtschafteten Klaus Günther und seine Frau Angelika die Mönchshofstube, bis im Jahre 1981 die Traditionsgaststätte für immer schloss.


Umbau in eine Arztpraxis


Nun folgte der Umbau zu einer Arztpraxis, in der der Enkel der tapferen Wirtin Wilhelmine, Karl-Heinz Beetz, als Arzt für Allgemeinmedizin einzog.

Zurzeit steht das Gebäude im Internet zum Verkauf. Die Stadtsteinacher sind gespannt, wer der neue Eigentümer sein wird und wie er die Nutzung gestalten will.

Wenn man Stadtsteinach vor etwa 100 Jahren mit seinen etwa 2000 Einwohnern mit der Anzahl von Brauereien und Kommunbrauern in Verhältnis setzt, so müsste die Stadt von der Brauereidichte her gesehen ziemlich weit vorne gestanden sein. Man war nicht auf Bier von auswärts angewiesen, im Gegenteil. Die Stanicher lieferten ihr Bier in viele umliegende Dörfer aus. So versorgte im Jahre 1951 die Brauerei Schübel 13 Gaststätten mit dem kühlen Trunk.