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Fußball

Club droht Super-GAU: Das denken Fans

Der 1. FC Nürnberg steht vor dem Saisonfinale am Scheideweg, hat den direkten Klassenerhalt in der 2. Liga aber noch in der eigenen Hand. Ex-Profi Jörg Dittwar ist enttäuscht von den Führungsspielern und hofft künftig auf mehr "Glubberer Herzblut" in der Führungsebene.
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Club-Trainer Jens Keller: die Relegation droht. Sportfoto Zink
Club-Trainer Jens Keller: die Relegation droht. Sportfoto Zink

Am Sonntag um 17.15 Uhr ist endlich alles vorbei. Darauf hoffen zumindest die Club-Fans. Denn wäre die Auswärtspartie am 34. Spieltag bei Holstein Kiel nicht das letzte Nürnberger Pflichtspiel der Saison, ist in den vorangegangen 90 Minuten irgendetwas schiefgelaufen. Der FCN müsste zweimal nachsitzen - in der Relegation. Denn holt der Club im hohen Norden keinen Dreier, ist man auf Schützenhilfe angewiesen - ausgerechnet aus Fürth, die den Nürnberger Abstiegskonkurrenten Karlsruher SC empfangen. Prognosen, wie das letzte Nürnberger Zweitliga-Spiel (der Saison) ausgeht, scheinen unmöglich - insbesondere nach den zwei denkwürdigen 6:0-Erlebnissen in den vergangen Tagen.

Noch alles in der eigenen Hand

"Der hohe Sieg bei Wehen Wiesbaden war eine Überraschung, die hohe Niederlage gegen Stuttgart auch. Mit einem Sieg in Kiel rechnet auch keiner, also gibt es ja vielleicht wieder eine Überraschung", hofft Jörg Dittwar, der zwischen 1987 und 1994 150 Bundesliga-Spiele für den Club bestritt. Auch heute ist der aus Stadtsteinach (Landkreis Kulmbach) stammende und mittlerweile in Dietersdorf (Landkreis Coburg) lebende 56-Jährige noch eng mit dem FCN verbunden, unter anderem als Fanreporter und Mitglied der Traditionsmannschaft. "Der Club hat ja immerhin noch alles in der eigenen Hand, aber der Druck ist riesig. Die Spieler müssen sich einfach mal die kompletten 90 Minuten den Arsch aufreißen."

Diese Einstellung ließen die Nürnberger Akteure über weite Teile der Spielzeit und nicht zuletzt beim ernüchternden 0:6 gegen den VfB Stuttgart vermissen und müssen dafür in den sozialen Medien harsche Kritik von den eigenen Anhängern einstecken. "Wenn ich Begrifflichkeiten wie Söldner oder Ratten lese, geht das bei aller Enttäuschung aber einfach zu weit. Da muss man vor allem die jungen Spieler auch mal etwas in Schutz nehmen, die verlieren ja nicht absichtlich", so Dittwar. Die Führungsspieler nimmt er dagegen in die Pflicht.

"Die Leistungsträger sollten vorangehen, das ist aber nicht der Fall. Johannes Geis beispielsweise ist für mich eine Enttäuschung. Ab und zu ein paar gute Freistöße zu schießen, das ist zu wenig", sagt der ehemalige Abwehrspieler und fügt augenzwinkernd hinzu: "Die Standards würde ich heute auch noch schaffen." Lichtblicke im aktuellen Club-Kader zu finden, fällt auch Markus Zipfel, Vorsitzender des Fanclubs "Korbstadt-Glubberer" in Lichtenfels, nicht leicht: "Eigentlich krankt es in allen Mannschaftsteilen, den Torwart vielleicht ausgenommen."

Die herbe Niederlage gegen Stuttgart macht den 43-Jährigen wie viele andere Club-Fans auch zwei Tage danach noch fassungslos. "Wir hatten eine super Ausgangsposition mit einem guten Torverhältnis, die wir uns durch Lustlosigkeit und Überheblichkeit selbst verbaut haben", meint Zipfel. "Es ist einfach eine bescheidene Saison, aber der Super-Gau muss am Sonntag irgendwie verhindert werden."

Wie sehr verausgabt sich das Kleeblatt?

Im Notfall mit Fürther Schützenhilfe, auch wenn das mit dem Stolz und Selbstverständnis so manches FCN-Fans gar nicht so einfach vereinbar ist. "Es gibt schon Stimmen, die sagen, bevor es Schützenhilfe aus Fürth gibt, dann lieber gar keine", sagt Zipfel. Dittwar sieht die Situation nicht ganz so brisant, wie sie in der Öffentlichkeit dargestellt wird. "Ich glaube nicht, dass den Spielern diese Rivalität heutzutage noch so wichtig ist. Die Fürther werden schon punkten wollen, um nächstes Jahr wieder ein Derby zu haben."

An Ergebnistipps wagen sich weder der Lichtenfelser Fan noch der Ex-Profi heran. Dafür nennt Zipfel eine andere Zahl: "Mein Blutdruck wird am Sonntagnachmittag die 200 übersteigen. Egal was passiert, fiebern werde ich immer mit dem Club." Und was passiert, wenn doch der Super-Gau in Form des Abstiegs eintritt? "Das wäre ein schwerer Schlag. Ich wäre für Tage nicht ansprechbar, da hätten meine Frau und meine zwei Töchter wenig zu lachen", sagt Zipfel. Der treue Fan und Dittwar sind sich jedenfalls einig, dass unabhängig vom Ausgang des letzten Spieltags ein gewisser Kurswechsel im Verein erfolgen muss.

Medienberichte: Keller muss gehen

Laut Medienberichten soll das Aus von Trainer Jens Keller bereits beschlossene Sache sein, auch der Posten von Sportvorstand Robert Palikuca wackelt erheblich. "Es muss etwas geändert werden, nur braucht es dafür auch einen Plan", so Dittwar. Für den 56-Jährigen wäre "Glubberer Herzblut" das Stichwort.

Dittwar spricht sich bereits länger dafür aus, dass ehemalige FCN-Spieler stärker in die Klubführung eingebunden werden. Dittwar könne sich ein Gremium von vier oder fünf ehemaligen Nürnberger Profis vorstellen, das in wichtige Entscheidungsprozesse, unter anderem mit einem Platz im Aufsichtsrat, involviert ist. Ein Vorschlag, der bei der Vereinsführung allerdings bislang auf keine offenen Ohren gestoßen ist.