Stellen Sie sich vor, Ihr Sohn ist Leichtathlet und tritt bei einem Wettkampf im 100-Meter-Lauf an. Er rennt als Erster durchs Ziel und jubelt. Welche Laufzeit er hat, erfahren aber nur er und sein Trainer. Gegner wie Zuschauer lässt der Verband im Ungewissen. Auch im Pressebericht wird Stillschweigen gewahrt.

Was in der Leichtathletik undenkbar ist, macht der Bayerische Fußballverband möglich. Der setzt bei den Kleinsten auf Fairplay. Der Spaß am Sport soll im Mittelpunkt stehen, sagen die Funktionäre, die nicht wollen, dass der Wettbewerbsgedanke schon die F-Junioren prägt.

Tabellen gibt es nicht, wofür die meisten Übungsleiter ja noch Verständnis haben. Dass Trainer, die kurz nach dem Schlusspfiff dem Verband das Endergebnis melden müssen, den Ausgang anderer Gruppenspiele nicht erfahren, versetzt aber doch so manchen Sportler ins Staunen. "o. E." lautet der kurze Vermerk, der in der Gruppenstatistik auf der BFV-Homepage hinter jeder Paarung steht. "Ohne Ergebnis" soll das heißen.

Ohne Tabelle, ohne Ergebnis - ich frage mich, wann der Verband den Kindern untersagt, bei den Spielen die Tore zu zählen. Es muss ja auch wirklich nicht sein, dass sich ein Team als Sieger, das andere als Verlierer fühlt, werden sich die Fairplay-Funktionäre wohl denken, die mit ihrer Anti-Konkurrenz-Kampagne den Fußball leider ins Abseits stellen.