Wenn derzeit viel über die Beseitigung der Engstelle auf der Staatsstraße 2182 zwischen Kauerndorf und Fölschnitz diskutiert wird, bräuchte das Jürgen Tesarczyk eigentlich nicht zu kümmern: Der Kulmbacher besitzt seit Jahren gar kein Auto mehr. Dennoch ärgert es ihn, wie die Beratungen laufen: "Der Radverkehr bleibt wieder einmal außen vor."

Und das - ein weiteres Ärgernis - bereits seit Jahren. Zwischen Trebgast und Kauerndorf präsentiert sich das Tal des Weißen Mains besonders idyllisch. Radfahrer allerdings können es kaum genießen, denn sie müssen sich hier eine enge, kurvenreiche Straße mit den Autofahrern teilen - was nicht immer ungefährlich ist. Eine Lösung muss her. Aus Sicherheitsgründen. Und damit der Main-Radweg seinen Namen auch wirklich verdient.

Fluss-Radweg ohne Fluss

Jürgen Tesarczyk ist in Kulmbach aufgewachsen und zur Schule gegangen, bevor er die Stadt verließ. Seit elf Jahren lebt er wieder hier - und setzt sich seitdem im Rahmen der Aktivitäten des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) dafür ein, die Bedingungen fürRadfahrer zu verbessern. Der Main-Radweg stand dabei früh auf seiner Agenda. Ein zertifizierter Fluss-Radweg, der eigentlich gar keiner ist: Auf der Etappe von der Quelle des Weißen Mains im Fichtelgebirge bis zum Mainzusammenfluss westlich von Kulmbach verlässt die Route das Maintal. Mehr als 17 Kilometer lang fahren die Radler nicht am Main entlang - sondern vorwiegend an der Schorgast.Schade, findet Tesarczyk. Hat doch die Strecke entlang der Muschelkalkhänge von Trebgast bis Kauerndorf einen ganz besonderen Reiz.

Zweierlei ist dem Kulmbacher deshalb ein Anliegen: Das Maintal auf dieser Etappe für Radwanderer erlebbar zu machen - und für die sogenannten Alltagsradler eine Möglichkeit zu schaffen, tägliche Wege schnell, sicher und leidlich komfortabel abseits der gefährlichen Straße zurückzulegen.

Radwege-Knoten

Die Orte Kauerndorf und Trebgast sind für Tesarczyk sogenannte Radwege-Knoten. Dort wäre eine Anbindung an den Radweg von Kulmbach nach Untersteinach einerseits und von Trebgast nach Bayreuth andererseits möglich. Tesarczyk könnte sich einen Radweg vorstellen, der zwischen Kauerndorf und Ebersbach direkt am Main verläuft (anders als die von der Gemeinde Ködnitz angedachte Trasse in der "Kengst-Gasse" auf halber Höhe). Bis Waizendorf könnten die Radler auf der Staatsstraße fahren, die dort übersichtlich ist. Die letzte Etappe bis Trebgast würde dann über Feuln durch die Mainwiesen führen.

Bislang hat sich dieser Wunsch, der so schon lange existiert, auch wenn Tesarczyk seither einige Varianten in seine Pläne eingearbeitet hat, noch nicht realisieren lassen. Der Kulmbacher setzt nun große Hoffnungen auf das Radwegekonzept für den Landkreis Kulmbach, das derzeit vom Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen aus Aachen und München erarbeitet wird. Derzeit findet eine Grundlagenermittlung statt.

Konzept bis 2021

Wann das Konzept der Öffentlichkeit vorgestellt werden kann, hänge natürlich von der weiteren Corona-Situation ab, so Andreas Schülein, Leiter der Hoch- und Tiefbauabteilung im Kulmbacher Landratsamt. Das Konzept sollte Ende 2021 fertig sein.

Schülein zufolge ist dieses Konzept zunächst eine Zustandserfassung, die vor allem zeigen soll, wo bauliche Maßnahmen nötig sind. Ob und wie die umgesetzt werden, sei dann Sache des jeweiligen Straßenbaulastträgers. Der Landkreis könne dabei nur bedingt eingreifen.

Radeln am Main - eine Chron ologie

Radfahren entlang des Mains: Das ist seit beinahe 20 Jahren ein immer wiederkehrendes Thema. Um das Jahr 2000 Der Main-Radweg wird zum Premium-Radweg entwickelt; die Zertifizierung erfolgt 2008. Allerdings sehen Radfahrer zwischen der Forstlasmühle (Gemeinde Ködnitz) und Lanzendorf (Gemeinde Himmelkron) nichts vom Weißen Main. Vielmehr verläuft der Weg überwiegend im Schorgasttal. Ab 2010 Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) bezeichnet einen Radweg durch das Tal des Weißen Mains als wünschenswert und informiert regelmäßig, unter anderem bei den alle zwei Jahre stattfindenden autofreien Sonntagen im Weißmaintal. 2015 Der ADFC legt einen detaillierten Vorschlag für einen solchen Radweg vor. Januar 2017 Der Vorschlag wird im Ködnitzer Gemeinderat vorgestellt. 2017 Beim 6. autofreien Sonntag sammelt der ADFC 282 Unterschriften für den Bau eines Radwegs. Die Unterschriften werden im Oktober 2017 in Anwesenheit der Bürgermeister von Trebgast und Ködnitz an Landrat Klaus Peter Söllner übergeben. November 2019 Der Ködnitzer Gemeinderat fasst einen Beschluss zum Verlauf des Radwegs auf Gemeindegebiet. Angedacht ist, den Weg am Hang über die sogenannte "Kengst-Gasse" zu führen. Der ADFC hingegen befürwortet eine Trasse im Tal.