Lassen Sie uns ein wenig Zukunftsmusik anstimmen. Irgendwann einmal steht in Kulmbach der Campus und auf dem ehemaligen Kaufplatz-Gelände befindet sich der "Stadtgarten", eine kleine Grünanlage mit Wasserspielplatz, Musik-Pavillon, einem Biergarten - und einer Seilbahn-Station. Jawohl: eine Selbahn-Station. In wenigen Minuten bringt sie Touristen und Einheimische rund 100 Höhenmeter nach oben zur Bergstation auf dem ehemaligen Schatz-Gelände unterhalb der Plassenburg. Eine Fahrt mit einem herrlichen Blick auf die Altstadt und weit hinaus auf Frankenwald und Jura!

Was sich liest wie eine fixe Idee, kann sich mancher gut vorstellen. Peter Weith zum Beispiel, der Vorsitzende der "Freunde der Plassenburg". So eine Bahn wäre "eine coole Nummer, eine Attraktion an sich", sagt er.

Auch stellvertretender Landrat Jörg Kunstmann findet Gefallen am Gedanken an eine Seilschwebebahn hinauf zur Burg. Schon vor Jahren - Kunstmann war damals Weiths Vorgänger im Amt des Vorsitzenden der "Freunde der Plassenburg" - sei ihm diese Idee reizvoll erschienen, sagt er.

Leute in die Stadt holen

"Und zwar nicht vom Grünwehr aus oder vom Mönchshof, wie es mal in der Diskussion war. Sondern von der Innenstadt aus. Nur so holt man die Leute auch in die Stadt."

Von einem solchen Projekt könnte Kulmbach nur profitieren, meint Kunstmann. "Historische Altstädte gibt es viele. Aber so eine Bahn wäre für uns ein Alleinstellungsmerkmal."

Dass eine solche Seilbahn ein Gewinn für Kulmbach wäre, davon ist auch Stefan Schaffranek überzeugt. Schaffranek war nicht nur lange Jahr zweiter Bürgermeister der Stadt Kulmbach, sondern kennt als Reisebüro-Chef und Tourismus-Experte auch viele andere Schlösser und Burgen, die mit Seilbahnen erschlossen werden (siehe nebenstehenden Kasten "Burgen mit Bahnen"). "Das wäre eine attraktive Lösung zur Erschließung der Burg und sicherlich eine Aufwertung".

Schaffranek ist freilich auch Pragmatiker: Man müsse schon genau hinschauen, welche Eingriffe in Natur und Bausubstanz für eine solche Bahn nötig wären, sagt er. Und natürlich müsse die Finanzierung gesichert sein.

Was das betrifft, bedauert es Stefan Schaffranek nach wie vor sehr, dass Anfang der neunziger Jahre die Pläne für eine Standseilbahn zur Burg nicht weiterverfolgt worden waren. Ein solches Projekt wäre heute sicher um vieles teurer.

Seinerzeit (in der Ära von Oberbürgermeister Erich Stammberger) hatte man in Kulmbach mit dem Gedanken geliebäugelt, vom Grünwehr aus eine Standseilbahn den nördlichen Burgberg hinauffahren zu lassen. Das Ansinnen hatte in der Kulmbacher Bevölkerung laute Proteste ausgelöst. 1994, als Inge Aures Oberbürgermeisterin wurde, ließ man die Pläne fallen.

Ebenso wenig wurde der Vorschlag weiterverfolgt, Besucher mittels einer Schwebebahn vom Mönchshof zur Burg und zurück zu befördern und damit zwei Museums-Standorte miteinander zu verbinden.

Mehr Besucher holen

2011 ploppte das Thema noch einmal auf. Damals wollte ein Kulmbacher Unternehmen im ehemaligen KDM investieren und unter anderem ein Hotel bauen. Man könne sich vorstellen, sich in dem Zusammenhang auch an einer Bahn zur Burg zu beteiligen, hieß es seinerzeit. Das Vorhaben scheiterte an - vermutlich - mangelnder Kreditwürdigkeit, und damit war auch die Bahn wieder Geschichte.

Seither diskutiert man in Kulmbach immer wieder über Möglichkeiten, die Plassenburg besser zu erschließen. Ohne neue Zugangs- oder Zufahrtswege, so heißt es, keine Besucher. Und ohne Besucher keine Chance, die in die Jahre gekommenen städtischen Museen zeitgemäßer zu gestalten.

Keine Autos im Kasernenhof

Die Idee, einfach jedermann mit dem eigenen Auto den Burgberg hinaufzuschicken und dafür das ehemalige Reitgelände hinter der Plassenburg zum Parkplatz umzubauen, stieß bei Denkmalschützern auf wenig Gegenliebe. Sie hatten nichts gegen den Parkplatz an sich, aber die Durchfahrt durch den Kasernenhof wollten sie nicht gutheißen. Seither liegt das Projekt "Erschließung" auf Eis. Ein Fachgutachten, das der damalige Heimatminister und heutige bayerische Ministerpräsident Markus Söder schon im Jahr 2017 angekündigt hat, soll verschiedene Möglichkeiten aufzeigen und bewerten.

Wann kommt das Gutachten?

Wann dieses Gutachten kommt? Das kann niemand sagen. Nicht einmal das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat, das ja Auftraggeber des Gutachtens ist. "Die möglichen technischen Lösungen werden derzeit mit allen Projektbeteiligten auf ihre Umsetzbarkeit hin geprüft", hieß es auf unsere Anfrage. Eine nahezu identische Antwort haben wir in den letzten Monaten schon mehrfach erhalten.

Viel mehr als die Bayerische Rundschau erfährt übrigens auch die Grünen-Landtagsabgeordnete und Plassenburg-Spezialistin Sabine Weigand nicht, die immerhin Mitglied im Landesdenkmalrat ist. "Wir wissen auch nichts weiter", hieß es letzte Woche aus ihrem Büro. Und selbst im Kulmbacher Rathaus wird man aus dem Ministerium offensichtlich nicht mit einschlägigen Informationen besorgt.

"Im negativen Sinn"

Gleichwohl ist eine Seilbahn, die im Zuge der Diskussion über die Zukunft des Kaufplatz-Geländes wieder ins Gespräch gebracht wurde, auch dort ein Thema. Eines, zu dem sich Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD), allerdings schon in seiner Rede zum politischen Aschermittwoch im Februar klar geäußert hat. Ablehnend.

Das wiederholte er auf unsere Anfrage in dieser Woche: "Eine Seilbahn wäre definitiv stadtbildprägend, für mich aber eher im negativen Sinne", sagt er. Die Eingriffe in die Natur wären beträchtlich. "Zudem glaube ich nicht, dass die Bewohner der Innen- und Altstadt glücklich sind, wenn tagtäglich Gondeln über ihre Häuser und Grundstücke fahren."

Auch eine wirkliche Einsparung im Bereich des ÖPNV und des Individualverkehrs erkenne er nicht, so Lehmann weiter. "Sollte es eine Einstiegsstation in der Innenstadt geben, so werden die Menschen auch weiterhin in die Stadt fahren und am Schwedensteg, auf dem Eku-Platz oder in der Tiefgarage parken. Und wer von außerhalb ohne eigenen Pkw in die Stadt möchte, ist nach wie vor auf den ÖPNV angewiesen".

Seilbahnen anderswo

Seilbahnen gibt es keineswegs nur in den Skigebieten in den Alpen. Auch eine Reihe von Sehenswürdigkeiten in deutschen Städten werden so erschlossen. Schloss Burg/Solingen Seit 1952 führt eine Seilbahn aus dem Tal der Wupper hinauf in die unterirdisch gelegenen Bergstation nahe der bergischen Grafenresidenz Schloss Burg. Festung Ehrenbreitstein, Koblenz Die Seilbahn Koblenz ist eine Luftseilbahn über den Rhein. Sie wurde als Attraktion und umweltfreundliche Verkehrsverbindung zur Bundesgartenschau 2011 gebaut. Die Seilbahn verbindet die Rheinanlagen mit dem Plateau vor der Festung Ehrenbreitstein. Rietburg Auch die um 1200 erbaute Rietburg in Edenkoben in der Pfalz, heute eine Ruine, wird von einer Seilbahn erschlossen.

KOMMENTAR von Katrin Geyer

Ihr spinnt doch! Mit solchen Reaktionen muss rechnen, wer laut über eine Seilbahn zur Plassenburg nachdenkt. Aber was soll man denn machen, außer ein bisschen herumzuspinnen? Auf konkrete Fakten, die die Basis sein könnten für Planungen zur besseren Erschließung der Burg, warten wir ja immer noch.

Seit fast drei Jahren. Solange ist es her, dass der damalige Heimatminister und jetzige Ministerpräsident Markus Söder ein Gutachten ankündigte. Wann das kommt? Die Frage beantwortet das Ministerium der Finanzen und für Heimat seit Monaten mit der immergleichen Floskel von der notwendigen Abstimmung der Beteiligten.

Sorry, liebes Ministerium, aber da stellen sich nun doch einige andere Fragen: Habt Ihr für das Gutachten eine Firma ausgesucht, die nichts kann? Gibt es das Gutachten schon und jemand mauert und hält es unter Verschluss, weil der Inhalt nicht genehm ist? Oder paart sich hier Planlosigkeit mit mangelnder Motivation?

Wir gehen davon aus, dass wir auch auf diese Fragen keine wirkliche Antwort bekommen werden.