Erwartungsvolle Augenpaare richten sich auf den Inhalt eines großen Briefumschlags, den Lehrerin Marga Passing vor den Siebtklässlern der Grund- und Mittelschule Mainleus ausgebreitet hat. Darin stecken zwölf kleine Tütchen, in denen sich jeweils 50 Soja-bohnensamen befinden. Das ist das Startmaterial für ein ganz besonderes Projekt: einen wissenschaftlichen Versuch, mit dem die Schüler die Forschungsarbeit der Universität Hohenheim unterstützen.


Von Anfang an dabei

Es geht um das Soja-Experiment "1000 Gärten", das die Landessaatzuchtanstalt der Uni gemeinsam mit dem Bio-Tofuhersteller Taifun auf die Beine gestellt hat. Das deutschlandweite Projekt mit hilfsbereiten Hobbygärtnern startete 2016. Schon damals waren Mainleuser Schüler beteiligt, und jetzt sind sie wieder dabei. Von den Alpen bis zur Nordsee wird gesät, gepflegt, jeder Entwicklungsschritt von der Keimung bis zur Ernte dokumentiert.
Am Ende werden Proben aller Sorten zur Analyse nach Hohenheim geschickt. Dort prüfen die Forscher den Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen wie Eiweiß und Öl. Parallel dazu werten sie die Daten aus, die die Gärtner zum Vegetationsverlauf gesammelt haben.
Zwei Beete im Schulgarten mit insgesamt sechs Quadratmetern Fläche haben die Schüler dem Projekt gewidmet. Im Mai legten sie die Bohnen in die vorbereiteten, jeweils einen Meter langen Saatrillen. Dabei zählten sie die kleinen Kügelchen, damit wirklich in jeder der zwölf Reihen exakt 50 Bohnen landeten. Der Abstand zwischen den Reihen beträgt 50 Zentimeter, der Abstand zwischen den einzelnen Bohnen zwei Zentimeter. Genauigkeit ist wichtig in der Wissenschaft.


Das Unkraut muss weg!

Die jungen Gärtner bedeckten die Saatrillen mit Erde und traten diese vorsichtig fest. Sie wollten ja nicht, dass Vögel die kleinen Körnchen aus der Erde pickten. Inzwischen ist die Saat aufgegangen - und dazwischen natürlich auch jede Menge Unkraut. Dieses zu jäten und damit dafür zu sorgen, dass sich die Sojapflanzen gut entwickeln können, ist Aufgabe der Schüler, der sie gewissenhaft nachkommen.
Simon Zeitler ist einer der Schüler, die fast jeden Tag nach den jungen Pflanzen sehen, und gerade die ersten Blüten entdeckt hat. Die sind gar nicht so leicht zu finden, da sie sich nicht oben an der Spitze, sondern unscheinbar in den Blattachseln ausbilden. Für jede Sorte werden der Zeitpunkt der Blüte und die Blütenfarbe genau notiert.
Marga Passing ist zufrieden mit den Schülern: "Sie haben sich gründlich mit dem Thema beschäftigt und wissen, worauf es ankommt." Sojabohnen enthalten viel Eiweiß und spielen nicht nur für die menschliche Ernährung eine Rolle, sondern vor allem als Viehfutter. Weltweit werden enorme Mengen verbraucht.
Gegossen werden die Beete übrigens nur ausnahmsweise, wenn es sehr lange nicht geregnet hat, so die Lehrerin. "Wir wollen die Ergebnisse nicht verfälschen, denn auf den Feldern gibt's ja auch keine Gießkanne."


Suche nach frühreifen Stämmen

"Eines der wichtigsten Studienziele ist für uns, frühreife Sojastämme zu identifizieren", erklärt Volker Hahn von der Landessaatzuchtanstalt der Uni Hohenheim. Die Wissenschaftler suchen also nach Pflanzen, die schneller reifen und somit auch für den Anbau in Regionen Deutschlands geeignet sind, in denen der Sommer kürzer und kühler ausfällt. Der Grund: In den derzeitigen Hauptanbaugebieten werden Regenwälder gerodet und Böden ausgebeutet, da Soja großflächig in Monokulturen angebaut wird. Durch den Anbau in Deutschland könnte man unabhängiger von Importen werden.
Leonie Müller und Elena Poghosyan aus der siebten Klasse finden die Initiative der Wissenschaftler deshalb sehr gut. Sie und ihre Mitschüler sind stolz auf ihren Beitrag zum Projekt: "Mit unserem Versuch helfen wir, neue Sorten zu züchten, die auch bei uns angebaut werden können. Wenn das klappt, werden auch die Transportwege kürzer, es wird weniger Benzin verbraucht. Das ist gut für den Klimaschutz. Und wir unterstützen die deutschen Bauern und sichern Arbeitsplätze in der Landwirtschaft."
Dass sie dadurch selbst lernen, wie man wissenschaftlich arbeitet, gefällt den Schülern natürlich auch. Und alle sind gemeinsam mit Lehrerin Marga Passing neugierig, wie sich ihre Mini-Felder entwickeln und welche Sorte letztlich die meisten und hochwertigsten Bohnen bringt. Am Ende des Projekts haben sie das Schwarz auf Weiß, denn natürlich bekommt die Schule auch eine Auswertung des Versuchs.