Der Start verlief holprig. Nun aber läuft es: Annähernd 3000 Menschen haben sich im Landkreis Kulmbach bereits gegen das Corona-Virus impfen lassen. Im Impfzentrum des Landkreises Kulmbach im "fritz"-Einkaufszentrum wird auf Hochtouren gearbeitet, damit deren Zahl schnell steigt. Eine hinreichend hohe Impfquote könnte ein Ende der Corona-Pandemie deutlich beschleunigen. Wir haben uns bei Oliver Hempfling, dem Leiter des Corona-Krisenstabs im Landratsamt, und dem Leiter des Impfzentrums, Marcel Hocquel, nach dem aktuellen Stand erkundigt.

Wie viele Impfungen wurden im Landkreis Kulmbach mittlerweile vorgenommen?

Im Impfzentrum wurden bisher 1385 Erstimpfungen durchgeführt. Mobil beziehungsweise in Heimen waren es 730, dazu noch 320 im Klinikum Kulmbach (Stand Dienstagmittag). Das ergibt eine Impfquote von 3,4 Prozent. Bayernweit sind es annähernd 39 000 Impfungen. Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) müssen 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sein, um die Corona-Pandemie wirkungsvoll bekämpfen zu können. Erst dann kann man laut WHO von einer sogenannten "Herdenimmunität" sprechen.

Wie viele Menschen warten im Landkreis Kulmbach noch auf einen Impftermin?

Über das bayerische Registrierungsportal sind bislang für das Impfzentrum in Kulmbach schon über 4200 Anmeldungen zur Impfung eingegangen.

Die Registrierung über das Online-Portal hat ihre Tücken (siehe Beitrag unten "Auf dem Weg kleinen Pieks gibt es etliche große Hürden"). Eine der größten: Viele der alten Menschen, die zuerst geimpft werden sollen, verfügen über keinen Online-Zugang, und nicht alle haben Angehörige, die ihnen in einem solchen Fall helfen können. Was sollen die tun?

Für Einwohner des Landkreises Kulmbach besteht nach wie vor die Möglichkeit, sich über eine telefonische Hotline (09221/707657, Montag bis Freitag 8 bis 12 Uhr) für einen Impftermin registrieren zu lassen. Die Mitarbeiter des Landratsamtes übernehmen dann für die Anrufer die Eingabe in das Registrierungsportal. Eine direkte Terminvergabe kann dabei allerdings nicht erfolgen.

Immer wieder berichten Menschen davon, dass sie sehr lange gebraucht haben, bis sie unter dieser Nummer wirklich durchgekommen sind. Woran liegt das?

Die Nachfrage ist offensichtlich groß. Das Landratsamt bittet deshalb darum, Rücksicht auf die Personengruppen zu nehmen, die aufgrund ihrer Priorisierung tatsächlich an der Reihe sind. Das sind zum einen alte Menschen, zum anderen aber Menschen, die aufgrund von Vorerkrankungen oder aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit auf eine rasche Impfung angewiesen sind. Diese sogenannte Priorisierung wird automatisch von der Software vorgenommen. Nachfragen nach dem Stand der Terminvergabe können von den Mitarbeitern des Landratsamtes allerdings nicht beantwortet werden. Sie führen, haben wir erfahren, zur geschilderten Überlastung der Hotline.

Bereits im letzten Jahr war angekündigt worden, dass alle Menschen über 80 Jahre, die zuerst ihre Impfung bekommen sollen, angeschrieben werden. Bislang sind solche Briefe aber bei den wenigsten Senioren angekommen. Woran liegt das?

Wie viele andere bayerische Landkreise hat auch der Landkreis Kulmbach schon vor einiger Zeit solch ein Einladungsschreiben an alle über 80-Jährigen erstellt. Es richtet sich an weit über 5000 Empfänger, wie es aus dem Landratsamt heißt. Aufgrund der hohen Anzahl der zu versendenden Briefe insgesamt - mehr als 50 Landkreise warten aktuell auf den Versand - nehme die Zustellung leider etwas Zeit in Anspruch. "Wir gehen davon aus, dass dies durch den beauftragten Dienstleister in diesen Tagen erfolgt."

Es gibt alte Menschen, die nicht in einem Heim leben, aus gesundheitlichen Gründen aber ihr Haus nicht mehr verlassen können. Wie kommen die an ihre Impfung?

Im Landratsamt wird aktuelle abgeklärt, wie auch dieser Personenkreis geimpft werden kann.

Was sollte man wissen, wenn man seinen Impftermin bekommen hat?

Das Landratsamt Kulmbach weist darauf hin, dass man gemäß der Bundes-Impfverordnung zur Impfung einen Nachweis über die Impfberechtigung mit bringen muss. Zum Nachweis des Alters genügt ein Ausweisdokument. Wenn man wegen seiner beruflichen Tätigkeit priorisiert ist (z.B. als Mitarbeiter in der Pflege) und deswegen einen Termin erhält, sollte man einen entsprechenden Nachweis des Arbeitgebers dabei haben. "Das erleichtert auch Leuten im Impfzentrum die Arbeit."

Manche Menschen vertrauen ihrem Hausarzt mehr als den für sie anonymen Mitarbeitern in einem Impfzentrum. Ist schon ein Zeitpunkt bekannt, zu dem eine Impfung auch beim Hausarzt möglich sein wird?

Diese Frage betrifft die Impfstrategie von Bund und Land. Wir haben deshalb beim bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege nachgefragt. "Die Impfungen über niedergelassene Hausärztinnen und Hausärzte im Rahmen der Regelversorgung kann ermöglicht werden, sobald geeignete Impfstoffe in ausreichender Anzahl vorhanden sind und geliefert werden können", sagt ein Ministeriumssprecher. "Ein genauer Zeitpunkt kann derzeit noch nicht genannt werden."

Mittlerweile laufen die Impfungen reibungslos. Vor wenigen Wochen, zu Beginn der Impfaktion, hatte es jedoch Lieferschwierigkeiten beim Impfstoff gegeben. Sind die mittlerweile behoben?

Auch dazu hat das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege Stellung genommen: "Wir gehen davon aus, dass vor dem Hintergrund der Zulassung weiterer Impfstoffe und dem Ausbau von Produktionskapazitäten zukünftig umfangreichere Impfstofflieferungen erfolgen werden. Der Bund und die EU sind aufgefordert, hier Verlässlichkeit und Planbarkeit sicherzustellen."

Auf dem Weg zum kleinen Pieks gibt es etliche große HürdenEs ist die erste Gruppe, die möglichst schnell gegen Covid-19 geimpft werden soll - die Gruppe der über 80 Jahre alten Menschen. Sie können sich zurzeit bevorzugt dafür anmelden - oder eben nicht. Es gibt noch einige Probleme, wie viele Leser unserer Zeitung melden. Vor allem gilt das für das Anmeldeportal des Gesundheitsministeriums.

Hier monieren vor allem Ältere, dass eine Anmeldung ohne Angabe einer Mobiltelefonnummer nicht möglich ist. Viele behelfen sich dann, indem sie die Handynummer etwa der Kinder angeben.

Doch damit ist nur ein Problem gelöst. Gerade ältere Ehepaare haben oft nur eine gemeinsame E-Mail-Adresse. Wollen sich nun beide anmelden, blockt das Programm und meldet: "Diese Adresse ist bereits belegt." Es muss also für den anderen Ehepartner zuerst noch eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet werden. Noch komplizierter wird es, wenn ältere Menschen überhaupt keinen Online-Zugang haben. Denn ist es theoretisch möglich, dass Angehörige die Registrierung über ihre E-Mail-Adresse vornehmen - die dann aber für die eigene Anmeldung nicht mehr verwendet werden kann.

Wer sich anmeldet und nach Erhalt der Anmeldebestätigung über den gleichen Zugang einfach seine Daten gegen die des Ehepartners oder eines anderen Familienmitglieds austauscht, der riskiert, dass nur der zuletzt angemeldete wirklich registriert ist und bei der Vergabe der Impftermine berücksichtigt wird.

Ganz offensichtlich gibt es derzeit auch noch keine Möglichkeit, anzumerken, wenn man mit einer zweiten Person, zum Beispiel dem Ehepartner, gerne einen gemeinsamen Termin hätte, um Zeit und Fahrtkosten zu sparen.

Und dann gibt es noch etwas, was Sabine Jaye negativ aufgefallen ist. Die Burgkunstadterin, die sich unter anderem für den Gehörlosenverein Kulmbach engagiert, wollte ihre Eltern, beide über 80 Jahre alt und wie Sabine Jaye auch gehörlos, zum Impfen anmelden. Aus den genannten Gründen war das aufwendig genug. "Muss man es so kompliziert für die Senioren gestalten?" Dazu kommt: Auf der Anmeldeseite fehlt die Möglichkeit, anzugeben, dass man einen Gebärdendolmetscher braucht. Der sei, so Sabine Jaye, wichtig für das Aufklärungsgespräch.

Das Bayerische Gesundheitsministerium verweist übrigens für die, denen das Onlineverfahren zu kompliziert ist, auf eine einheitliche Hotline mit der Nummer 116117. Über diese werde jeder dann mit dem für ihn zuständigen Impfzentrum verbunden und könne sich telefonisch anmelden. Für die Familie von Sabine Jaye freilich ist auch dieser Hinweis nicht unbedingt hilfreich.