Horror-Aufnahmen sorgen für Entsetzen bei Tierschützern - Offenbar Verstöße bei der Schweinebetäubung im Kulmbacher Schlachthof aufgedeckt: Videoaufnahmen der Soko Tierschutz decken den "entsetzlichen Todeskampf" von Schweinen in den Schlachthöfen Kulmbach und Landshut auf. Die Tierschützer fordern ein Verbot der "Erstickungsbetäubung". 

Die Soko Tierschutz berichtet in einer Pressemitteilung, dass aktuelles Bildmaterial aus den Schlachthöfen Kulmbach und Landshut das volle Ausmaß des "entsetzlichen Todeskampfes" zeige, den etwa 40 Millionen Schweine in Deutschland jedes Jahr erlebten. Das Videomaterial wurde am Dienstagabend (1. Juni 2021) in der Sendung "Report Mainz" ausgestrahlt. "Die Tiere schlagen ihre Köpfe panisch gegen die Gitter bis sie bluten, schnappen nach Luft und schreien entsetzlich und dann ist nicht einmal die Betäubung sicher", beschreibt Soko-Sprecher Friedrich Mülln die Undercover-Videos.

Kulmbach: Videomaterial aus Schlachthof zeigt "entsetzlichen Todeskampf"

Besonders unangenehm seien die Bilder aus dem Schlachthof Kulmbach. Und das, obwohl der Betrieb als "Vorzeigeschlachthof mit hohem Bio-Anteil" gelte und auch noch als Forschungsschlachthof der Bundesrepublik fungiere. Im Schlachthof herrsche zusätzlich zum grausamen Ende im CO2 auch pure Gewalt, berichten die Tierschützer. Die Schweine würden laut Soko Tierschutz mit dem Elektroschocker regelrecht "in den Vergasungsapparat geprügelt" und ins Gesicht getreten. "Es ist mal wieder kein amtlicher Tierarzt zu sehen, es kommt zu Tierquälerei und auch das Leben vieler Bioschweine endet in Gewalt und Qual", so Mülln.

Im Rahmen ihrer Recherchen konfrontierte das TV-Informationsmagazin "Report Mainz" und die Süddeutsche Zeitung" href="https://www.tagesschau.de/investigativ/report-mainz/tierschutz-betaeubung-schweine-101.html" target="_blank" rel="noopener" %> den Schlachthofleiter Dirk Grühn mit den Bildern. Sie berichten, dass Grühn daraufhin Probleme bei der Schweinebetäubung eingeräumt habe: "Die CO2-Betäubung an sich ist eine suboptimale Betäubung, hat Vorteile und auch Nachteile. Die Nachteile sind mit Sicherheit diese Abwehrreaktionen der Tiere in der Gondel. Diese Methode ist rechtlich zugelassen, obwohl sie eigentlich nicht den Tierschutz in diesem Sinne widerspiegelt." So wird der Schlachthofleiter zitiert.

Die Stadt Kulmbach äußerte sich gegenüber der Bayerischen Rundschau zu den Aufnahmen und verweist darauf: "Die CO2-Betäubung ist ein durch die EU-Verordnung 1099/2009 zugelassenes und im Kulmbacher Schlachthof angewendetes Verfahren zur Betäubung von Tieren." Für den unerlaubten Gebrauch eines "Elektrotreibers" durch einen Mitarbeiter entschuldigt sich die Stadt gegenüber der Bayerischen Rundschau bereits und versichert: "An oberster Stelle steht bei allen Arbeitsvorgängen das Tierwohl." 

Wegen "Tierquälerei": Soko Tierschutz fordert Verbot der CO2-Betäubung

Die SOKO Tierschutz kritisiert, dass das Versprechen der Industrie ein "sicheres, natürliches und qualfreies Einschlafen in den Gasgondeln" gewesen sei. "So wurden die heutigen Mega-Schweineschlachthöfe erst möglich", schreiben die Tierschützer. Schließlich könne man nur mit CO2 solche Mengen an Lebewesen betäuben und töten. Das Problem laut Tierschutzverein: "CO2 ist ein Reizgas. Das Gas wird auf den Augen und Schleimhäuten zur Säure und die Tiere empfinden durchschnittlich 40 Sekunden Höllenqualen."

Die Tierschützer fordern deshalb ein Verbot der CO2-Betäubung. Industrie und Forschung handeln gleichzeitig die Betäubung mit Helium als Alternative. Im Kulmbacher Schlachthof soll dazu demnächst sogar ein Pilotprojekt starten, erklärte Martin Schöffel (CSU), Mitglied des Agrarausschusses im Bayerischen Landtag, der Bayerischen Rundschau. Dazu hat die Soko Tierschutz eine klare Meinung: "Das ist leider ein reines Ablenkungsmanöver um Kritiker zu beschwichtigen. Auf dem ganzen Planeten gibt es nicht genügend Helium, um die Schweine zu betäuben. Sparsamkeit mit dem 4-mal teureren Edelgas und Mixturen mit anderen Gasen führen wieder zu neuen Tierschutzproblemen. Nur ein Ende des Massenschlachtens und ein Umdenken zu einer pflanzlichen Ernährung werden die Gräuel beenden", so Mülln.

Die Qualen, die in Landshut und Kulmbach dokumentiert wurden, seien keine Einzelfälle. Sie seien Alltag in jedem Betrieb, der diese Methode einsetzt. "Das Landwirtschaftsministerium hat hier mal wieder ein perfektes Beispiel von legalisierter Tierquälerei geschaffen, um den großen Schlachtkonzernen ihr Geschäft zu ermöglichen", kritisiert der Soko-Sprecher. Die Tierrechtsgruppe fordert deshalb die Politik auf, die CO2-Betäubung zu verbieten. Großbritannien bereite ein solches Verbot bereits vor.

Mehr Informationen zu den Vorwürfen gegen den Kulmbacher Schlachthof: In der Sendung "Report Mainz" waren am Dienstagabend heimlich gedrehte Aufnahmen der Soko Tierschutz aus dem Kulmbacher Schlachthof zu sehen. Sie zeigen massive Tierschutzverstöße bei der Betäubung und Schlachtung von Schweinen. Die Stadt Kulmbach sagt: "Das ist so zugelassen".

Vorschaubild: © Soko Tierschutz