Wer mit offenen Augen durch die fränkischen Lande fährt, der merkt: Die Dachlandschaft verändert sich. Nicht nur, dass Toskana- Häuser und Schuhschachteln mit Flach- oder Pultdächern die neueste Mode sind. Und wenn doch noch einer ein landestypisches Satteldach baut, dann meist nicht ein steiles fränkisches Dach gemäß dem Goldenen Schnitt, sondern in irgendeinem Winkel frei Schnauze. Ganz Deutschland ist ja nicht nur Fußball-Bundestrainer, sondern auch Architekt. Erlaubt ist, was gefällt, die Kommunen genehmigen ja inzwischen alles, Bebauungspläne waren gestern, pfeif' auf regionaltypisches Bauen.

Schade ist es vor allem um den roten fränkischen Ziegel, der längst auf der roten Liste der bedrohten Bau-Traditionen steht. Er verschwindet zum einen immer häufiger unter den dunklen Photovoltaik-Anlagen, die optisch ein Graus sind, aber wenigstens zur Energiewende beitragen. Zum anderen scheint der Siegeszug des anthrazitfarbenen Ziegels nicht mehr zu stoppen. Dunkle Dächer gab es früher in Franken auch. Aber nur im nördlichen Franken, wo die Schieferbrüche nicht weit waren. Oder man setzte auf die unverwüstlichen dunklen Schamottziegel aus Oeslau bei Coburg.

Machen die neumodischen dunklen Dächer in den meist eh gesichtslosen Neubaugebieten das Kraut auch nicht mehr fett, so schmerzt das Auge umso mehr, wenn sie sich im alten Dorfkern unter rot gedeckte Bauernhäuser einschleichen.

Kühl, steril, abweisend - da passt ja dann der schicke Steingarten vor dem Haus gut dazu.