"Wow, gut voll heute die Petrikirche! Und Sie kommen alle beim nächsten Jubiläum wieder?" Mit diesen Worten und dieser Frage eröffnete Dekan Thomas Kretschmar den Dekanatsgottesdienst zum Reformationsfest in der Petrikirche. Der Dekan rief dazu auf, wieder viel mehr im Freundeskreis von Gott zu sprechen. "Reden Sie auch von Christus - und das ist viel schwieriger! Wir brauchen eine Doppelstrategie: Wir müssen Gott verkünden und wir müssen Christus weitergeben! Wir können aber nur gemeinsam die Kirche erneuern und nur wenn wir fröhlich von unserem Glauben reden, dann kann der Funke überspringen."

Unter den mächtigen Orgelklängen von Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn zog Kretschmar mit den Pfarrern des Dekanats Kulmbach und seinem katholischen Mitbruder, Dekan Hans Roppelt, in die Stadtpfarrkirche ein. Für eine festliche Musik sorgten ferner der Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Andreas Dietz sowie der Kirchenchor (Leitung Esther Heller) und Dekanatskirchenmusiker Wolfgang Trottmann, der zusammen mit Ingo Hahn nach dem Glaubensbekenntnis eine ökumenische Orgelmusik zu vier Händen erklingen ließ.


Plötzliche "Kirchenschelte"

Ganz schön überrascht waren die Besucher des Reformationsfestes, als Pfarrer Gerhard Bauer zu einem Gebet ansetzte und plötzlich jemand dazwischenrief: "Heiliger Geist, die heilige christlich Kirche, Gemeinschaft der Heilligen - also ganz ehrlich: Wenn ich mich mal so umschaue in der Kirche, dann weiß ich nicht, ob heilig der richtige Begriff ist, eher ist scheinheilig das Passende. Da gehen die Schwarzröcke, die Pfarrer vorne dran und wenn ich Sie, liebe Gottesdienstbesucher anschaue, wie Sie beim Gebet so bedächtig dastehen, da frage ich mich schon, wo ist hier die Gemeinschaft geblieben, wo der Heilige Geist? Scheinheilig oder heilig? Das ist die Frage." Dargestellt wurde die außergewöhnliche Szene von Dekanatsjugendreferent Stefan Ludwig.


2000 Jahre Kirchengeschichte

Dekan Thomas Kretschmar verwies auf 500 Jahre Reformation: "Aber eigentlich ist es nur ein Viertel von unserer Christenheitsgeschichte. Viel, viel mehr Zeit ist vorher schon vergangen und deshalb wollen wir uns mit einem Lied auf diese 2000 Jahre Kirche einstimmen." Das Gemeindelied "Komm, Gott, Schöpfer, Heiliger Geist" ist um 1000 in Latein entstanden, aber mit der Reformation wurde der Text selbstverständlich deutsch.

Und diesen Heiligen Geist benötigten die Menschen auch heute. 30 000 Christen zählt das Dekanat Kulmbach - und auch, wenn die Petrikirche nahezu bis auf den letzten Platz besetzt war, war nur ein Teil davon anwesend, die zur Kirche und damit zur Gemeinschaft gehören. Kretschmar: "Mal ganz ehrlich, ich glaube, dass Sie heute alle da sind, ist nicht nur eine Frucht der guten Medienarbeit, der vielen Zeitungsberichte, sondern die gut besuchte Kirche ist auch eine Frucht des Heiligen Geistes und eine Wirkung davon, dass uns Gott zusammenführt."
Das mit dem Heiligen Geist ist aber nach den Worten von Dekan Thomas Kretschmar nicht ganz so einfach: "Wo machen wir ihn denn fest, hier oder da? Für mich wird deutlich, Kulmbach kann große Gottesdienste mit vielen Menschen feiern, für mich ein Geschenk des Heiligen Geistes, und so möchte ich auch in der Stille um seinen Heiligen Geist beten, den Geist der Wahrhaftigkeit und der Ehrlichkeit, auch an einem solchen Jubiläum." Und die große Frage, die Dekan Thomas Kretschmar in den Raum stellte: Was nach so einem Jubiläumsjahr eigentlich übrig bleibt? Zumindest Tausende von Büchern, die die Besucher des Festgottesdienstes zum Teil auch noch kaufen konnten. Aber auch viele Zeitungsartikel und unendliche Predigten. "Für mich bleibt vor allem die Ökumene, denn das war bei den letzten Reformationsjubiläen noch nicht der Fall. 1817, 1917, da ging es um Deutsch sein, evangelisch sein, aber dass es auch noch andere Christinnen und Christen gibt, war einfach noch nicht im Blick."


Wichtige Ökumene

Dekan Kretschmar verwies auf den gemeinsamen Gottesdienst der Protestanten mit den Katholiken in der Stadtkirche "Unsere liebe Frau" unter dem Motto "Feeling of Memories": "Da haben wir versucht, all das rüberzubringen, was wir uns an Verletzungen in 500 Jahren gegenseitig angetan haben. Jetzt können wir sagen, wir feiern das Jubiläum ökumenisch, auch wenn wir noch nicht alles gemeinsam machen können."

Die andere große Frage war für Dekan Kretschmar: "Was bleibt uns eigentlich zu tun? Was können wir eigentlich machen, um die Kirche zu erneuern, damit sie wirklich neu wird und damit die Menschen neu an Gott glauben können? Wir, all die aktiven Christen, die heute da sind und noch dazu die, die nicht in die Kirche kommen und trotzdem dazugehören. Ich glaube, wir müssen ein Doppeltes machen, wir müssen von Gott reden und wir müssen von Christus reden. Das ist ein Unterschied und die Menschen heutzutage wissen ja nicht einmal, ob sie an Gott glauben sollen geschweige denn, was Christus getan hat." Wenn es aber Menschen gibt, die mit dem Gott nichts mehr anfangen können, dann fehlt etwas, was Transparenz in das Leben hineinbringt.