Entweder so. Oder gar nicht. Das ist, kurz gefasst, die Botschaft von Bernd Schreiber, Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung, an den Gemeinderat Ködnitz.

Schreiber nutzte die Gemeinderatssitzung am Montag, um die Planungen seiner Behörde für eine Erschließung der Plassenburg für den Individualverkehr vorzustellen. Über diese Erschließung wird seit langem diskutiert. Die Schlösserverwaltung, so wurde in den letzten Monaten deutlich, favorisiert eine Zufahrt von der Leithen (Gemeinde Ködnitz) durch den Buchwald.

Dauerbrenner

Das Thema selbst ist alt. "Ein Dauerbrenner", wie Schreiber es nennt. Genau 25 Jahre sei es her, dass in der Stadt Kulmbach eine Standseilbahn zur Plassenburg abgelehnt worden sei, "obwohl Geld und Genehmigung da gewesen wären".

Auch ein Vierteljahrhundert später ist die Erschließung der Plassenburg Schreiber zufolge unzureichend: Insbesondere große Reisebusse könnten die Burg nicht anfahren. Planungen, auf dem ehemaligen Reitgelände östlich der Burg Parkplätze anzulegen, gebe es seit langem. Eine Durchfahrt durch den Kasernenhof sei allerdings wegen der engen Tore schwierig. Generell ist in den Augen der Schlösserverwaltung Individualverkehr am Festungsberg problematisch, weil die Pkw im Notfall ein Hindernis für Rettungsfahrzeuge darstellen.

Um weitere Zufahrtsmöglichkeiten zu ermitteln und zu prüfen, wurde vor etwa drei Jahren ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die Arbeit daran sei noch nicht abgeschlossen, wie Schreiber betont. Vielmehr habe man es mit einem Zwischenstand zu tun.

Varianten verworfen

Der allerdings ist schon recht konkret. Geprüft wurden fünf Varianten, von denen drei offensichtlich schon endgültig verworfen sind. Schreibers Worten zufolge sind der Ausbau der Oberen Buchgasse ("Nordhangstraße"), die Umfahrung des Schieferturms (links vom ersten Burgtor) und die Erschließung über einen bestehenden Forstweg am Buchwald-Nordhang von Fölschnitz aus mit Blick auf den Naturschutz sowie aus Kosten- und technischen Gründen nicht zu realisieren.

Die vierte Variante sieht eine Zufahrt über den Burgberg und den Kasernenhof zum Parkplatz vor. "Denkbar ist, das in der verkehrsarmen Zeit zu ermöglichen", so Schreiber. Dann könnte die Abfahrt vom Parkplatz "nach hinten" erfolgen.

"Nach hinten": Das ist die zum derzeitigen Stand von der Schlösserverwaltung favorisierte Zufahrtsvariante: Eine Straße auf der Trasse des "oberen Buchwaldweges", einer Forststraße, die in Ost-West-Richtung auf dem Höhenrücken verläuft. Eine solche Zufahrt wäre "jederzeit funktionsfähig", sagt Schreiber. Auch für Busse.

Der Forstweg ist derzeit im Schnitt 3,50 Meter breit und geschottert. Nötig wäre ein Ausbau auf 4,25 Meter Breite mit einer Asphaltdecke. Um Ausweichstellen für Busse und Pkw zu schaffen, müsste die Breite vereinzelt auf sechs Meter erhöht werden. Zudem wäre es aus Sicherheitsgründen nötig, einen Teil der Trasse zweistreifig auszubauen.

Noch gibt es Schreiber zufolge keine konkrete Planung, so dass auch noch keine Aussage zu Fragen des Naturschutzes gemacht werden könne. Allerdings, so der Präsident der Schlösserverwaltung, handle es sich beim Buchwald weder um ein Naturschutz- noch um ein Landschaftsschutzgebiet. "Wir haben es hier mit einem Nutzwald zu tun."

Wie die Schlösserverwaltung ermittelt hat, besuchen derzeit rund 10 000 Gäste jährlich die Staatlichen Museen auf der Plassenburg. In den städtischen Museen werden jährlich etwa 15 000 Besucher gezählt. Dabei geht man davon aus, dass etwa 20 000 Gäste mit dem Auto anreisen. "Das macht im Schnitt 55 Gäste oder etwa 20 Pkw pro Tag", so Schreiber. "Wir gehen davon aus, dass diese Zahlen steigen, wenn die Burg besser erschlossen ist." Auch was die Busgäste betrifft, verspricht sich die Schlösserverwaltung von einer besseren Erschließung viel. Bislang sei die Burg für den Gruppentourismus nicht attraktiv. "Busse müssen so ein Ziel direkt anfahren können."

Unmissverständlich machte Präsident Schreiber deutlich, dass die Schlösserverwaltung zur Straße durch den Buchwald keine Alternative sieht. "Die Frage, ob man eine Erschließung will, muss in der Gemeinde Ködnitz und in der Stadt Kulmbach getroffen werden. Wir drängen den Kommunen keine Entscheidung auf." Eine Erschließung der Burg sei allein auf diesem Weg möglich. "Es ist Aufgabe der Region, zu entscheiden, ob man die Burg zukunftsfähig macht."

"Fahrlässig und dekadent"

Nicht bei allen Ködnitzer Gemeinderäten stieß Schreibers Vorschlag auf Gegenliebe. So bezeichnete es Michael Heisinger ("Rangen") als "fahrlässig und dekadent", nur für den Tourismus den Buchwald zu zerstören. "Weder die Burg an sich noch die Museen werden durch eine Straße attraktiver. Aber der Wald wird zerstört."

Willi Kolb (SPD) verwies darauf, dass der Buspendelverkehr von Kulmbach zur Plassenburg gut funktioniert. Er könne sich schlecht vorstellen, dass Busse über die Obere Stadt, den Spiegel und die enge Wolfskehle bis Leithen fahren, um dann durch den Buchwald zur Burg zu kommen. "Diese Erschließung ist für mich die allerschlechteste."

Dritte Bürgermeisterin Melanie Schieber (CSU) äußerte Bedenken im Hinblick auf die Versiegelung großer Flächen für eine solche Straße. Und auch Bürgermeister Anita Sack (FW), die eine Erschließung der Burg durchaus für notwendig erachtet und sich als "Fan einer Seilbahn vom Mönchshof zur Burg" zu erkennen gab, machte keinen Hehl daraus, dass sie sich mit einer Straße durch den Buchwald nicht anfreunden kann. "Der Buchwald ist ein herrlicher Ort für Ruhe und Entspannung, ein Geschenk des Schöpfers. Den sollten wir erhalten - ohne Straße".

Anwohner sind dagegen

Im Vorfeld der Gemeinderatssitzung am Montag hatten sich Vertreter der Schlösserverwaltung mit Anwohnern der Leithen getroffen, um auch sie über die Planungen für eine Straße durch den Buchwald zu informieren. Wie Bürgermeisterin Anita Sack dem Gremium und den zahlreichen Zuhörern mitteilte, könne sich keiner der Anwohner für den Vorschlag erwärmen. "Alle Anwohner haben sich gegen die Trasse durch den Buchwald ausgesprochen."

Es sei ein schwieriges Thema, so Anita Sack. "Wir wollen schließlich alle, dass die Burg besser dasteht." Sie plädierte für einen "Burggipfel" mit allen Beteiligten. Den Vorschlag für eine solche Gesprächsrunde hatte im Verlauf der Diskussion der vergangenen Wochen Peter Weith, Vorsitzender des Vereins "Freunde der Plassenburg", gemacht.

Einen solchen Burggipfel hält auch der Kulmbacher Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) für eine gute Möglichkeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Er teilte gestern auf Anfrage zudem mit, dass er in Kontakt zu Präsident Schreiber stehe und man sich demnächst einmal zu einem Gespräch treffen werde.gey