Genauer gesagt: die Völlerei (was nix mit dem Ex-Bundes-Rudi zu tun hat). Ausgerechnet an Ostern, jenem Christfest mit der höchsten Kaloriendichte nach Weihnachten, wagte sich der TV-Sender an die Aufarbeitung der menschlichen Fresssucht. Die Vertreter unserer Spezies, die davon noch nie gehört haben, werden achselzuckend in ihre Koteletts oder wahlweise die schwere Buttercremetorte gebissen haben.

Völlerei meint ja: sich den Bauch vollschlagen, obwohl man wenig Appetit hat oder längst satt ist. Also Essen ohne Genuss und Sinn. Der Homo sapiens müsste seinem Namen nach vernunftbegabt und deshalb verständig sein - und könnte sich manchen Bissen versagen, ohne dass er körperlich degenerierte. Aber weil das Futter überall verfügbar ist und dazu bisweilen extrem billig, wird eben konsumiert. Und weggeworfen.

Für das große Fressen, das in die Tonne gekloppt wird, wird jedes Jahr der Ernteertrag von 2,4 Millionen Hektar Agrarfläche vernichtet; das hat der World Wildlife Fund ausgerechnet. Juckt es die Nation? Kaum. Es ist ja auch die Sorge um die Gesundheit, der Joghurt könnte sich einen Tag nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums in Atommüll oder Schlimmeres verwandeln. Dass dafür eine Kuh Gras brauchte, um Milch zu geben, die wiederum zur Molkerei und das Endprodukt in den Handel transportiert werden mussten - dass der Becher also zig Kilometer auf der probiotischen Haut hat? Egal.

"Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral." Der Spruch ist von Bertold Brecht, 1928. Passt immer. Nicht nur zur Osterzeit.