Im Landkreis Lichtenfels hat sich heute hoher Besuch angekündigt: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann wird ab 9.15 Uhr den symbolischen Spatenstich für das Projekt "Ortsumgehung Weismain" vornehmen.

Knapp ein Kilometer südlich des historischen Stadtkerns fällt damit der Startschuss für ein Bauvorhaben, über das schon seit 1922 diskutiert und bis zuletzt gestritten wurde. Neben Protesten des Bundes Naturschutz hatten sich zuletzt fünf Anwohner durch mehrere Instanzen geklagt und waren im Mai 2016 sogar bis vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) in München gezogen. Wie ein BayVGH-Sprecher erklärte, einigte man sich auf einen Vergleich, bei dem man "der Klägerseite entgegen gekommen ist". Unter anderem wurden Schall- und Sichtschutzmaßnahmen zugesichert.


Bogen um die Innenstadt

Zuständig für das Projekt ist das Staatliche Bauamt Bamberg. Laut Norbert Schmitt wurde eine Verlegung der bestehenden Staatsstraße mehrfach umgeplant. "Mit diesem Thema haben wir schon länger zu tun", sagt der Abteilungsleiter für Straßenbau. Letztlich entschied man sich auch aufgrund eines Bürgerentscheids im Jahr 1998 für die jetzt geplante Trasse.

Mit dem Projekt werde eines der "drängendsten Verkehrsprobleme" der Innenstadt angegangen. Immer wieder käme es vor, dass ortsunkundige Lkw-Fahrer versuchen, sich erfolglos durch das Weismainer Stadttor zu zwängen. "Sie müssen dann aufwendig umdrehen." Mit der Ortsumgehung würden die Brummis endlich einen Bogen um die Innenstadt machen.


Strecke für westlich an Weismain vorbei

Weismains Bürgermeister Udo Dauer freut sich, dass die beiden Engstellen im Bereich der Burgkunstadter Straße und des Oberen Tores insbesondere vom Schwerlastverkehr entlastet werden. "Das Verkehrschaos ist weder für die unmittelbaren Anlieger hinnehmbar, noch der Stadtentwicklung dienlich." Der atypische Weg eines Bebauungsplanes sei gewählt worden, um gegenüber dem Freistaat Bayern ein Bekenntnis zu manifestieren: Die Stadt Weismain will die Straße und schafft dem Freistaat ein Baurecht, im Gegenzug muss das Projekt zeitnah umsetzt werden.

Die Umgehung wird westlich an Weismain vorbei führen. Gebaut wird von Süden aus in Richtung Altenkunstadt, heuer sollen der Kreisverkehrspunkt Süd bis zum Hutzelbrunnen und zwei Brückenbauwerke über die Weismain fertiggestellt werden.

Spätestens 2019 soll die 2,3 Kilometer lange Strecke fertig sein. Wenn alles optimal läuft, so Schmitt, könnte der Verkehr schon Ende 2018 rollen. Parallel würden die nötigen Restarbeiten, wie zum Beispiel Strauch- und Baumpflanzungen oder das Anbringen von Schutzvorrichtungen, vollzogen.

7,246 Millionen Euro wird die Maßnahme kosten, der Freistaat übernimmt mit 7,2 Millionen Euro den Löwenanteil. Für die Baumaßnahmen werden knapp 5,9 Millionen Euro veranschlagt, etwas mehr als 1,3 Millionen fallen in den Bereich Grunderwerb.


Leistungsstarke Verbindung

Aus Sicht von Bürgermeister Udo Dauer könne man aus vielerlei Gründen auf das Projekt stolz sein. Neben der Entlastung vom Schwerlastverkehr werde die Staatsstraßenverlegung in Verbindung mit der Entlastungsstraße des "Kleinziegenfelder-Tals" über den Jura " eine leistungsstarke Verbindung zwischen der B 289 in Burgkunstadt und der A 70 bei Stadelhofen darstellen". Diese werde das gemeinsame Mittelzentrum Altenkunstadt/Burgkunstadt/Weismain aufwerten, indem es optimal an die Fernverkehrsachsen angebunden wird. "Dies wiederum ist unumgänglich für die heimische Wirtschaft."

Zusammenfassend, so der Bürgermeister, würde die Staatsstraßenverlegung einen wesentlichen Mosaikstein im oben dargestellten Gesamtverkehrskonzept der Stadt Weismain darstellen. "Dies dient nicht zuletzt der wirtschaftlichen Stärkung der gesamten Region am Obermain und damit auch der Aufwertung des Landkreises Lichtenfels."