Die Omikron-Welle flutet das Land und bringt Gesundheitsämter in Not, die vielerorts ihre Aufgaben nicht mehr stemmen können. Etwa in Nürnberg, wo die Inzidenz zuletzt wohl tatsächlich viel höher war, als es die täglich erscheinende Statistik ausgesagt hat. Die Mitarbeiter haben es angesichts der hohen Zahl neuer Fälle nicht mehr geschafft, alle Meldungen zu übermitteln, wie das dortige Amt eingeräumt hat.

Noch Herr der Lage?

Auch in Kulmbach erreicht die Sieben-Tage-Inzidenz Tag Rekordwerte. Gestern lag sie bei 922,6. Ob das Gesundheitsamt angesichts der hohen Fallzahl noch Herr der Lage ist? "Wir können alles noch stemmen. Bei uns sind die Fallmeldungen nach wie vor tagesaktuell und bilden somit das tatsächliche Infektionsgeschehen ab", lautet die Antwort, die der Leiter des Corona-Krisenstabs, Oliver Hempfling, gibt.

Richtung 1000er-Marke

Auch in Kulmbach sei die Belastung für das Team des Gesundheitsamtes groß. Mit der steigenden Inzidenz, die sich der 1000er-Marke nähert, komme man mehr und mehr an die Grenzen, sagt Hempfling, der den Einsatz der Mitarbeiter lobt. Die Mannschaft wachse mit der steigenden Herausforderung. "Alle sind davon überzeugt, dass sie nach wie vor einen wichtigen Beitrag leisten, um der ungehinderten Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken."

"Müssen immer auf aktuellem Stand sein"

Von einer eingespielten Mannschaft, die mit optimierten Arbeitsprozessen auch die derzeit hohen Anforderungen bewältigen könne, spricht Mitarbeiterin Nina Ruckdäschel. "Vor einem Jahr hatten wir mal den Spitzenwert von 96, heute liegt die Inzidenz Tag für Tag weit darüber. Wir haben viel zu tun, aber die Arbeit macht mir immer noch Spaß", sagt die 27-Jährige, die über viele Stunden mit Infizierten und Kontaktpersonen telefoniert. Die ständig veränderten Regelungen, mit denen etwa die Quarantäne-Zeit angepasst werde, seien eine Herausforderung. "Man muss da natürlich immer auf dem aktuellsten Stand sein."

"Der Zeitpunkt kann kommen"

Ob die Grenze der Belastbarkeit nicht doch irgendwann überschritten sein wird, sollten die Infektionszahlen weiter steigen. "Sicherlich kann der Zeitpunkt kommen, an dem man sich die Frage stellen muss, ob die Arbeit ihre Sinnhaftigkeit verliert, ob sie noch Relevanz hat", räumt Oliver Hempfling ein.

Noch zeitgemäß?

Ist die jetzige Form der Pandemiebekämpfung überhaupt noch zeitgemäß? "Die Entscheidung, ob es noch Sinn macht oder nicht, treffen nicht wir hier in Kulmbach. Die müssen andere treffen."

Bis dahin werde man weiter mit aller Kraft versuchen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Das Gesundheitsamt sei für diese Herausforderung gerüstet, so der Leiter des Krisenstabs. Er verweist auf einen Stufenplan, der ausgearbeitet worden sei. Je mehr Fälle auftreten, desto mehr Personal werde akquiriert. In dieser Woche wurde die höchste Stufe erreicht. 48 Frauen und Männer sind im Einsatz, darunter auch Mitarbeiter des Kulmbacher Landratsamtes, Polizei- und Finanzbeamte, Personal des Staatlichen Bauamts sowie fünf Soldaten der Bundeswehr.

Die Regierung koordiniert

Die Koordinierung, welche Behörde wie viel Personal abstellt, läuft über die Regierung, wie die Leiterin des Gesundheitsamtes, Camelia Fiedler, erläutert. Viele, die das Gesundheitsamt unterstützen, seien im Homeoffice: "Denn unsere räumlichen Gegebenheiten sind begrenzt."

226 neue Fälle sind beispielsweise am Dienstag gemeldet worden. "Bis Dienstschluss wurden 217 abgearbeitet, die restlichen 9 Infizierten wurden tags darauf zwischen 7 und 7.15 Uhr kontaktiert", teilt Oliver Hempfling mit, der dem Personal dankt, das sich aufopfere. "Nicht wenige machen das seit fast zwei Jahren." Die Aufgaben sind vielfältig. Es müssen nicht nur Infizierte betreut und Kontaktpersonen ermittelt werden. Die Mitarbeiter kümmern sich auch um Reiserückkehrer und stellen Bescheide aus.

Kein "Isolationsschreiben"

Während etwa im Landkreis Nürnberger Land die Kontaktaufnahme aufgrund der hohen Belastung derzeit allein über "Isolationsschreiben" erfolgt, werden in Kulmbach nach wie vor alle Infizierten abtelefoniert. "Wir gehen aktiv auf die Leute zu, auch um die Kontaktpersonen zu ermitteln", betont Camelia Fiedler, die ahnt, dass die Aufgabe für das Gesundheitsamt Tag für Tag schwerer werden wird. Denn die Omikron-Variante legt die Messlatte hoch. An den letzten Tagen lag die Inzidenz in Kulmbach schon über 900.