Welche Rolle hat Oberfranken in Kriegs- und in Friedensprozessen gespielt? Im Gespräch mit Bezirksheimatpfleger Günter Dippold haben wir uns dem Thema angenähert.

Der letzte große innerfränkische Krieg

Albrecht II. Alcibiades, Markgraf von Brandenburg-Kulmbach, zettelt den letzten großen innerfränklischen Krieg an (1552 - 54). So versucht er, seinen Einflussbereich auf Kosten unter anderem des Bamberger Bischofs auszuweiten. Im zweiten Markgrafen- oder Bundesständischen Krieg unterliegt er dann - in der Folge gehen Hof, Bayreuth und Kulmbach in Flammen auf, die Plassenburg wird erst belagert und dann zerstört.

Die Stellvertreterkriege

Danach werden alle anderen Kriege - der Dreißigjährige, der spanische Erbfolgekrieg, der Siebenjährige Krieg oder die napoleonischen Kriege - von außen nach Franken getragen. Im Siebenjährigen Krieg (1756 - 63) etwa stehen sich Kaiserin Maria Theresia und Friedrich II., König in Preußen und Markgraf von Brandenburg, gegenüber. Bamberg ist kaisertreu, Bayreuth im Grunde auch - allerdings ist "der alte Fritz" Schwager von Erbprinz Friedrich von Bayreuth. Am Ende schießen dann Preußische Freicorps auf Bamberger Soldaten.

Gute regionale Beziehungen

Impulse für den Frieden in der Region kommen ebenfalls von außen - wenn die großen Kriegsparteien sich geeinigt haben, rücken externe Angreifer ab und es herrscht wieder Frieden. Bayreuth und Bamberg vertragen sich eigentlich gut - das Markgrafenpaar ist sogar beim Bamberger Fürstbischof zu Gast. Andererseits streitet man sich bis aufs Blut über Kleinigkeiten wie Gerichtsrechte oder Gebühren - aber ganz selten werden diese Konflikte militärisch ausgetragen. Als zum Beispiel Bamberger Militär das Hochgericht in Thurnau zerschlägt, geht es eher darum, etwas durchzusetzen.  

Oberfränkische Orte, für die Krieg und Frieden eine besondere Rolle gespielt haben

Der Friede von Langenstadt (heute ein Ortsteil von Neudrossenfeld) beendet einen sich über zwölf Jahre hinziehenden Konflikt. Als die Andechs-Meranier 1248 aussterben, wollen drei Schwager, der Bamberger Bischof und der Graf von Henneberg einen Teil des Erbes. Sie streiten sich in unterschiedlichen Konstellationen, befehden und bekriegen sich. Erst mit dem Langenstädter Frieden sind die Streitigkeiten vorbei.  

Die Kronacher Bürger und Bürgersfrauen haben ihre Stadt so tapfer gegen die Schweden verteidigt, dass der Bamberger Bischof nicht nur das Stadtwappen mehrt, sondern auch eine Ehrensäule stiftet. Die Ratsherren dürfen spanische Hoftracht tragen, während der alljährlichen Schwedenprozession die Frauen vor den Männern gehen.

Im Dreißigjährigen Krieg wird die Bevölkerung von Zedersitz (heute ein Ortsteil von Wonsees) hingemetzelt.

Die Vorstadt Weismains geht im Siebenjährigen Krieg in Flammen auf, wird wiederaufgebaut und erinnert daran.

Welche Oberfranken haben für den Frieden gekämpft?

Anna Bernhardine Eckstein (1868 - 1947), ein Kind des Coburger Landes, ist eine große Friedenskämpferin in der Zeit um den Ersten Weltkrieg. Sie ist international berühmt und sammelt sechs Millionen Unterschriften für eine Petition gegen den Krieg. 1913 ist sie sogar für den Friedensnobelpreis nominiert.

Claus Schenk von Stauffenberg (15. November 1907 - 21. Juli 1944): Er begrüßt zwar die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, wird jedoch während des Zweiten Weltkriegs eine der zentralen Persönlichkeiten des militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Er ist Hauptakteur beim Attentat vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler. 1926 ist er als Fahnenjunker in das traditionsreiche 17. Bayerische Reiterregiment in Bamberg eingetreten, wo er 1930 als Offizier den Befehl über den dortigen Minenwerfer-Zug führt. Nach seiner Verhaftung werden seine weitläufigen Verwandten auf Schloss Greifenstein in Sippenhaft genommen.

Georg-Alexander Hansen (5. Juli 1904 - 8. September 1944): Der gebürtige Sonnefelder, ein Freund Stauffenbergs, wandelt sich ab 1938 langsam zum Gegner des Nationalsozialismus. Er ist bei allen wichtigen Besprechungen der Verschwörer dabei. Weil er aber starke Meinungsverschiedenheiten mit Stauffenberg über die politischen Pläne hat, nimmt er ab 18. Juli an der Taufe seiner jüngsten Tochter in Michelau statt am Attentat teil.

Fabian von Schlabrendorff (1. Juli 1907 - 3. September 1980): Er gehört zu den konservativen Gegnern des Nationalsozialismus. Am 13. März 1943 schmuggelt er eine Bombe in Hitlers Flugzeug, die aber nicht zündet. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wird er verhaftet. Er überlebt den Krieg und wohnt zeitweise in Oberfranken. Beziehungen hierher hat er durch seine Mutter, die der Familie von Stockmar im Coburger Land entstammt. Von 1967 bis 1975 ist er Richter am Bundesverfassungsgericht.

Alfred Andreas Heiß (18. April 1904 - 24. September 1940) aus Triebenreuth bei Stadtsteinach verweigert aufgrund seiner christlichen Gesinnung und der daraus resultierenden Ablehnung des Nationalsozialismus den Kriegsdienst kategorisch und wird wegen "Wehrkraftzersetzung" zum Tod verurteilt.