"Ich gehe mit einer anderen Meinung hier raus, als ich reingekommen bin" - der Leiter des Kreisverbindungskommandos Kulmbach der Bundeswehr, Stefan Brütting, und seine Kollegen sind tief beeindruckt von der Arbeit, die das BRK Kulmbach in der Asyl-Notunterkunft in Kulmbach leistet. Sie haben sich umfassend über die Arbeit und auch über die ankommenden Menschen informiert. Dabei konnten auch viele Vorurteile ausgeräumt werden.

"Immer wieder hört man, es kämen so viele alleinreisende Männer", so Brütting, "könnt Ihr das bestätigen?". Ein anderer Bundeswehrvertreter fragt, aus welchen sozialen Schichten die Menschen kommen, die nach Deutschland fliehen, und vieles mehr. Julia Brückner, die beim BRK für die Asylarbeit verantwortlich ist, beantwortet geduldig alle Fragen.


Besonders viele Familien

Sie erzählt davon, dass besonders viele Familien nach Kulmbach in die Notunterkunft kommen, davon, dass es vor allem Syrer und Afghanen sind und davon, wie man sich untereinander mit Hilfe von Dolmetschern und von vorgeschrieben Zetteln in verschiedenen Sprachen verständigen kann.

Seit Mitte August hat das Bayerische Rote Kreuz im ehemaligen Post-Gebäude in der Heinrich von Stephan Straße die Unterkunft eingerichtet. Seither kommen fast jeden Sonntag Busse mit Flüchtlingen, die hier erstversorgt werden. Insgesamt waren es bisher zehn Busse mit 490 Menschen. In den Monaten davor kamen schon an die 300 Menschen, ein ganzer Bus davon unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Tausende ehrenamtliche Einsatzstunden waren erforderlich. Alle ankommenden Flüchtlinge haben eine weite Reise hinter sich und sind erschöpft.


Nur im Katastrophenfall

Die Abordnung der Bundeswehr ist am Samstag in das Gebäude gekommen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. "Die Bundeswehr kann von Gesetzes wegen nur eingesetzt werden, wenn der Katastrophenfall eintritt - bisher ist das in Kulmbach zum Glück noch nicht der Fall und das ist auch der guten Arbeit des BRK zu verdanken", betont Stefan Brütting beim Besuch.

In der Unterkunft stehen 162 Betten zur Verfügung. Die Flüchtlinge bleiben jeweils von Sonntag bis Donnerstag hier. Danach werden sie in Erstaufnahmelager verteilt. Viele reisen aber auch selbstständig weiter. 40 bis 50 Helfer sind jeden Sonntag bei der Ankunft der Flüchtlinge eingesetzt. Die meisten von ihnen sind immer dabei. Ein paar Ehrenamtliche wechseln durch. "Wir haben mittlerweile eine große Routine - wir werden immer besser." So Maximilian Türk, Katastrophenschutzbeauftragter und kaufmännischer Leiter beim BRK in Kulmbach.

Bei der Ankunft der Busse sind Rettungswagen, Ärzte, Sanitäter und zahlreiche weitere Freiwillige vor Ort, um die Ankommenden zu registrieren, zu untersuchen, Medikamente zu verteilen, Essen auszugeben und Betten zuzuweisen. Auch mit neuen Kleidern können sich die Menschen hier eindecken. Kleiderspenden hierfür werden gerne angenommen. Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf ist Julia Brückner. Die studierte Völkerrechtlerin ist seit diesem Sommer beim BRK.

Sie führt die Bundeswehrsoldaten durch das Haus und erklärt die Abläufe. Sie beschreibt, wie sehr die Arbeit alle Helfer zusammenschweißt und auch wie gut die Stimmung hier in der Regel ist. "Jeder Bus ist anders, und es ist immer wieder eine Überraschung für uns, wer da eigentlich ankommt. Aber die positive Stimmung überträgt sich einfach", ist sie überzeugt. Konflikte gäbe es vor allem in Einrichtungen, die überfüllt sind, so ihr Eindruck. In Kulmbach jedenfalls habe es noch keine Konflikte gegeben.


Besuch von den Nachbarn

Sie freut sich über das Interesse an der Notunterkunft und auch darüber, dass sich schon Schulklassen und auch Nachbarn im Gebäude umgesehen haben, das von Donnerstag bis Sonntag ja leer steht. Dann wird schon wieder alles für die Ankunft neuer Flüchtlinge vorbereitet. Freiwillige gibt es derzeit genug, allerdings kommen auch die irgendwann an ihre Grenzen. Wer helfen will und kann, ist herzlich willkommen.

Auch wenn die Bundeswehr derzeit nicht offiziell beteiligt werden kann. Als Zivilist hat Stefan Brütting nach dem Rundgang zugesichert: "Wenn Euch mal die Helfer ausgehen: Ihr habt ja meine Telefonnummer - ich springe gerne ein."