Für die Anwohner im Ängerlein gibt es berechtigte Hoffnung, dass es in ihren Gärten bald deutlich ruhiger wird: Die Stadt Kulmbach wird in Eigenregie dafür sorgen, dass die Lücken in der Bepflanzung entlang der Nordumgehung geschlossen werden, um den Lärmschutz zu verbessern.

Das hat Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) den Initiatoren einer Unterschriftensammlung bei der Übergabe der Unterschriften im Rathaus zugesichert. Wie berichtet, hatte sich im Frühling diesen Jahres Gisela Türk Pereira, die seit kurzem wieder in ihrer früheren Heimatstadt Kulmbach wohnt, an das Staatliche Bauamt in Bayreuth gewandt und um Lärmschutzmaßnahmen entlang der Nordumgehung gebeten.

Dort hatte man sie auf eine Lärm-Messung im nächsten Jahr verwiesen, nach der gegebenenfalls eine Entscheidung getroffen werden könne.

Einen Antrag von Stadtrat Hans Werther (SPD), der in die gleiche Richtung zielte, lehnte der Kulmbacher Stadtrat im Juli dann ab: Mit einer Begrünung hätten sich wohl viele der Räte abfinden können, nicht aber mit der Forderung nach einem Tempolimit.

Gisela Türk Pereira und ihre Nachbarn Alexander Feulner und Günter Wiesel hatten daraufhin eine Unterschriften-Aktion gestartet und sowohl in Blaicher Geschäften als auch bei Hausbesuchen für ihr Anliegen geworben. Weit mehr als 600 Unterschriften sind dabei in kurzer Zeit zusammengekommen. "Aus der Blaich, aber auch aus anderen Wohngebieten entlang der Umgehung von Kauernburg bis Burghaig", wie Günter Wiesel erläuterte.

"Ein Mosaikstein"

Wie Oberbürgermeister Ingo Lehmann bei der Übergabe der Unterschriftenlisten erläuterte, hat er bereits Kontakt zum Staatlichen Bauamt aufgenomen. Dort bestehen keine Einwände dagegen, dass die Stadt in Eigenregie die Bepflanzung komplettiert. Das sei, so Lehmann, "immerhin ein Mosaikstein" in einer ganzen Reihe von Möglichkeiten, von dem man sich eine Verringerung der Lärmbelastung verspreche.

Stadtbaudirektor Belke zufolge soll ein Fachbüro nun ein Konzept erarbeiten, welche Pflanzen geeignet sind, wie dicht sie stehen müssen und wie man Leitungen, die an der Straßenböschung liegen, in den Pflanzplan integrieren kann.

Bürgermeister Frank Wilzok (CSU), der im Juli im Stadtrat gegen den Antrag gestimmt hatte, begründete seine damalige Entscheidung damit, dass ein Tempolimit wenig Erfolg verspreche. "Wenn ich die Höchstgeschwindigkeit von 100 auf 80 Stundenkilometer senke, verringert sich die Geräuschbelastung gerade mal um 1,5 Dezibel." Zielführender sei es, sogenannten Flüsterasphalt aufzubringen. "Aber das macht man nicht bei einer Straße, die noch in gutem Zustand ist." Einer Bepflanzung könne er jedoch im vollen Umfang zustimmen.

Wilzok ist allerdings auch davon überzeugt, dass die Nordumgehung nicht das einzige und nicht das bedeutendste Problem für die Anwohner in der Blaich ist. "Die Blaich muss, was den Verkehr angeht, neu durchgeplant werden", sagte er. Die Zahl der Fahrzeuge, die in den Straßen in der Blaich am Fahrbahnrand parkten, habe in den letzten Jahren so stark zugenommen, dass ein zweispuriger Verkehr vielerorts nicht mehr möglich sei.

Auf den Prüfstand stellen

Auch den Stop-and-go-Verkehr im Ängerlein, wo wechselseitig Parkbuchten am Straßenrand eingezeichnet sind, bezeichnete er als "nicht mehr tragbar". Durch das ständige erneute Anfahren der Autos werde auch Lärm erzeugt.

Ein ganz großes Problem ist nach Wilzoks Einschätzung der Durchgangsverkehr. Viele Autofahrer, die aus Richtung Untersteinach kommen und zu den Märkten in der Albert-Ruckdeschel-Straße wollen, fahren nicht über die Nordumgehung bis zur Abfahrt in der Saalfelder Straße, sondern nutzen ab Kauernburg den Weg durch die Blaich und den Pörbitscher Weg.

"Das alles müssen wir mal auf den Prüfstand stellen", sagte Wilzok. Gemeinsam mit seinen Stadtratskollegen Hans Werther und Jörg Kunstmann (CSU) habe er bereits einen Plan erarbeitet, den man demnächst der Öffentlichkeit vorstellen wolle. "Die ersten Schritte sind also schon gemacht."