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Kauernburg

Noch muss abgekocht werden

In Kulmbach wurden Enterokokken im Trinkwasser gefunden. Warum die Stadtwerke auf Nummer sicher gehen.
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Im Kulmbacher Ortsteil Aichig muss immer noch das Wasser abgekocht werden.  Symbolbild: Archiv/Ronald RInkler
Im Kulmbacher Ortsteil Aichig muss immer noch das Wasser abgekocht werden. Symbolbild: Archiv/Ronald RInkler

Seit Mittwoch letzter Woche müssen etliche Haushalte im Kulmbacher Stadtteil Aichig ihr Trinkwasser abkochen. Die Abkoch-Anordnung wird wohl auch noch einige Tage bestehen bleiben. Zwar waren die aktuellen Wasserproben aus diesem Gebiet wieder einwandfrei. "Aber wir sind lieber ein bisschen zu vorsichtig als zu leichtsinnig", sagt Stephan Pröschold, Leiter der Kulmbacher Stadtwerke. Von ihm sowie der Leiterin des Gesundheitsamtes, Camelia Fiedler, und Hygienekontrolleur Ralf Queck haben wir uns die Details erläutern lassen. Was ist passiert? In der letzten Woche war im Leitungsnetz, das rund 70 Haushalte im Kulmbacher Ortsteil Aichig versorgt, eine Verunreinigung mit Enterokokken festgestellt worden. In einer Probe fanden sich 4 Enterokokken/je 100 Milliliter Wasser. In der Trinkwasserverordnung ist ein Grenzwert von 0 vorgeschrieben. Wie haben die Stadtwerke reagiert? Die Stadtwerke haben sofort das Gesundheitsamt informiert und für die betreffenden Haushalte eine Abkoch-Anordnung erlassen. Das heißt: Wasser, das zum Trinken, zur Zubereitung von Nahrung oder zum Zähneputzen gedacht ist, muss abgekocht werden. Auf den Betrieb von Geschirrspülmaschinen soll verzichtet werden. Duschen oder der Betrieb der Waschmaschine hingegen sind unbedenklich.

Um wirklich alle betroffenen Haushalte zu erreichen, waren Mitarbeiter der Stadtwerke in Aichig unterwegs und haben die Hausbewohner persönlich angesprochen. Wo niemand erreicht werden konnte, wurden Informationsblätter gut sichtbar an die Haustüren gehängt.

Kennt man inzwischen schon die Ursache der Verunreinigung? Wie Stadtwerkeleiter Pröschold mitteilt, ist die Verunreinigung wohl vom Hochbehälter Aichig ausgegangen. Wie genau die Bakterien in das Wasser gekommen sind, wird sich nicht mit absoluter Sicherheit feststellen lassen: "Das kann eine Schnecke oder ein Käfer gewesen sein, die durch die Gitter gefallen sind. Oder durch einen Haarriss in der Behälterwand ist ein winziger Wurm eingedrungen...."

Der Hochbehälter wurde sofort vom Netz genommen und wird wohl dauerhaft außer Betrieb bleiben. Mit seinem Fassungsvermögen von lediglich 15 Kubikmetern ist er für die Wasserversorgung in Kulmbach nicht relevant. Zum Vergleich: Ein großer Hochbehälter wie etwa der auf der Schafhut, fasst rund 12 000 Kubikmeter Wasser. Wie ist der aktuelle Stand? Seit letzter Woche wurden wiederholt Wasserproben genommen und auf Enterokokken und andere Verunreinigungen untersucht. Ausnahmslos alle diese Proben waren negativ. Warum dann weiterhin eine Abkoch-Anordnung? "Unser Technisches Sicherheits-Management sieht vor, dass erst dann, wenn fünf Proben hintereinander einwandfrei sind, eine Freigabe erfolgen kann", erläutert Stephan Pröschold. Am Mittwoch soll noch einmal eine Probe gezogen werden. Sofern auch die unbelastet ist, kann die Abkoch-Anordnung am Freitag aufgehoben werden. Warum sind die Regeln so streng? Die Experten im Gesundheitsamt erläutern dazu, dass ein gesunder, stabiler Mensch eine Infektion mit Enterokokken womöglich nicht einmal registrieren würde. Gefährlich sind die Bakterien für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Hier können sie Erkrankungen des Verdauungstraktes und verschiedene andere Krankheiten auslösen. Gefährlich ist es, wenn Enterokokken in offene Wunden eindringen. Die Vorschriften sind deshalb sehr streng. Der Grenzwert für Trinkwasser liegt bei 0. Zum Vergleich: Das Bundesumweltministerium spricht auf seiner Internetseite bei einem Wert von 200 Bakterien auf 100 Milliliter Wasser in offenen Badegewässern noch von "ausgezeichneter Qualität".

Stephan Pröschold erläutert, dass man schon reagieren müsse, wenn "nur der Hauch eines Risikos" bestehe. Trinkwasser gehöre zu den am besten überwachten Lebensmitteln und sei in Kulmbach von hoher Qualität. Das hätten die in den letzten Tagen im ganzen Netzgebiet gezogenen Proben bestätigt. Sie wurden nicht nur auf Enterokokken untersucht, sondern auch auf andere Krankheitserreger. "Wir haben überall Top-Werte."

Enterokokken - Bakterien und ihre Wirkung

Enterokokken sind Bakterien, die sowohl in der Umwelt (Wasser, Erdboden) als auch bei Tieren und Menschen in der natürlichen Darmflora vorkommen.

Bei Menschen und Tieren spielen von den etwa 25 bekannten Enterokokken-Spezies vor allem zwei Arten eine eine wichtige Rolle im Verdauungssystem. Sie werden daher auch in probiotischen Lebensmitteln zur Förderung der Darmflora des Verdauungssystems eingesetzt.

In Lebensmitteln spielen Enterokokken eine wichtige Rolle bei Fermentations- und Reifungsprozessen und tragen zum besonderen und gewünschten Geschmack der Lebensmittel bei, zum Beispiel in Büffel-Mozarell und Ziegenkäse. Diese Enterokokken sind gesundheitlich unbedenklich.

Krankheitserreger Bestimmte Enterokokken-Stämme können bei Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, schwere Infektionen, zum Beispiel Harnwegsinfektionen, auslösen. In solchen Fällen erfolgt die Therapie mit Hilfe von Antibiotika. Problematisch ist, dass die Erreger offensichtlich gegen einige Wirkstoffe resistent sind, so dass die Therapie nicht anschlägt.

Quelle: Wikipedia