Im Zählerdeckel prangt die Zahl 1997. Davor steht in Großbuchstaben "BIS". Das bedeutet: Diese Wasseruhr war bis 1997 geeicht. Das ist nun 18 Jahre her. die durch das Eichgesetz festgelegte Frist demnach um das Dreifache überschritten, denn bei einem Zähler für Kaltwasser beträgt die Eichgültigkeit sechs Jahre.


Viele Zähler betroffen

Dieter Sachs aus Neuenmarkt findet diesen Fakt "bemerkenswert". Die genannte Uhr läuft im Keller seines Hauses in der Waldenburger Straße. Aber es sei nicht das einzige Messgerät, das seinen Zenit überschritten habe. In einem Schreiben an die BR listet Sachs weitere Zähler aus seiner sowie den Nachbarstraßen auf, die ebenfalls zu viele ungeeichte Jahre auf dem Deckel hätten.
"Das ist mir unverständlich, und ich empfinde es als eine Schlamperei, wenn die Gemeinde anscheinend keinerlei Aufzeichnungen darüber führt, wann und bei wem die Wasseruhren zu eichen oder auszutauschen sind. So etwas wie eine Terminüberwachung in Zeiten moderner EDV gibt es anscheinend nicht." Das sei umso unverständlicher, da bis vor wenigen Jahren der Zählerstand noch von Gemeindemitarbeitern selber abgelesen wurde. "Da hätte es doch mal auffallen können."
Das Problem, das laut Sachs daraus folgt: Laut Eichgesetz ist es unzulässig, Messwerte von ungeeichten Wasseruhren als Grundlage für Gebührenbescheide heranzuziehen. Die Gebührenbescheide ab 2015 sind damit nach seiner Meinung vermutlich rechtswidrig, die vorherigen wohl fehlerhaft. In diesem Fall müsse die Gemeinde als Betreiber darlegen und beweisen, dass die abgelesenen Werte zutreffend sind, sagt Sachs.
"Mich ärgert das alles vor allem auch vor dem Hintergrund, weil seitens der Gemeinde gerne auf die Anwendung von Recht und Gesetz verwiesen wird. Ich bin selbstverständlich für die Anwendung geltenden Rechts - aber dann darf das eben auch bei kommunalen Abrechnungen nicht unter den Tisch fallen."


Verwaltung entschuldigt sich

"Da gibt es nichts zu deuteln: Das ist ein Fehler, der natürlich nicht hätte passieren dürfen. Dafür entschuldigen wir uns bei den betroffenen Bürgern", sagt Verwaltungsrat Sven Schirmer zu den Vorhaltungen Sachs'. Die beanstandeten Wasseruhren wurden mittlerweile ausgetauscht.
Die Zähler seien, so Schirmer, an eine unabhängige Prüfstelle geschickt worden. Auf das Ergebnis warte die Verwaltung noch. "Es ist richtig, dass die Eichung teilweise schon lange abgelaufen war. Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Wasseruhren falsche Werte geliefert haben." Sollten die Geräte korrekt gearbeitet und den Bürgern somit kein Schaden entstanden sein, so seien zugleich auch die von Dieter Sachs genannten Gebührenbescheide nicht zu beanstanden; sie hätten bereits Bestandskraft erlangt, und ein Einspruch dagegen sei ebenfalls nicht erfolgt.
Dieter Sachs hingegen sieht die Angelegenheit noch nicht als erledigt an. "Wir erwarten die Einleitung eines Bußgeldverfahrens gegen den oder die Verantwortlichen der Gemeinde. Die Verstöße gegen das Mess- und Eichgesetz sind durch nichts zu bagatellisieren."