Die frisch aufgebrachten Mittelstreifen-Markierungen waren alle mit Pylonen abgesichert, Hinweisschilder auf die Fahrbahnmarkierung aufgestellt. "Wir waren noch über den Markierungsarbeiten kurz vor Heinersreuth, da haben wir gesehen, dass ein landwirtschaftliches Großfahrzeug einfach über die Markierung fährt, dabei alle Hütchen ummäht und dann die Farbe an den Reifen wie mit einem Stempelkissen auf der ganzen Straße verteilt", berichtet stellvertretender Straßenmeister Hans-Günther Dörfler von der Straßenmeisterei Leuchau.

Farbe nur schwer zu entfernen

Zusammen mit Straßenmeister Eckhard Schrepfer zeigt er die Muster, die der Reifen auf einer Strecke von 500 Metern hinterlassen hat. Die Farbe wieder zu entfernen, ist alles andere als einfach - wenn man sie überhaupt wegbekommt, weiß Schrepfer.
"Wenn man das eine Spezialfirma machen lässt, kostet das ein paar Tausender", erklärt er. Zudem besteht die Gefahr, dass dabei die neue Straße beschädigt werden kann.

Der Fahrer wurde zur Rede gestellt und will den Schaden seiner Haftpflichtversicherung melden, berichtet Schrepfer, der aber den Eindruck hat: "Die wollen sich rausreden."

Schrepfer weist darauf hin, dass es sich um kein Kavaliersdelikt handelt, wenn jemand einen Schaden anrichtet und weiterfährt. "Der begeht Fahrerflucht." Und die würde immer häufiger vorkommen. So wurden am Sessenreuther Berg ebenfalls von einem landwirtschaftlichen Fahrzeug ("Man hat die Spuren im Bankett gesehen") die Schutzplanke auf einer Länge von zwölf Metern niedergewalzt.

Nach den Beobachtungen von Schrepfer kommen die rücksichtslosen Fahrer häufig aus den Nachbarlandkreisen und beliefern mit ihren überbreiten Maschinen Biogasanlagen. "Die Betreiber der Biogasanlagen sollten die Fahrer darauf hinweisen, auf solche Sachen zu achten", betont er.

Meist junge Fahrer

Der Straßenmeister weiß aber auch, dass es sich nicht um ein Kulmbacher Problem handelt, sondern überall vorkommt. Zumeist seien es junge Fahrer, denen die Erfahrung mit den großen, teils 40 Tonnen und mehr wiegenden Fahrzeugen fehle.

Dass die Bauern um den Einsatz so großer Maschinen nicht mehr herumkommen, erklärt BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger. "Weltweit wird damit gearbeitet, damit müssen wir konkurrieren." Zudem gebe es oft technische Zwänge (Standsicherheit, Tragfähigkeit), die eine gewisse Breite und große Reifen bei den Fahrzeugen erforderlich machen. Er weist jedoch darauf hin, dass der Einsatz solcher Kolosse, die so breit wie ein Lkw sind, gesetzlich erlaubt ist.

Rücksicht erforderlich

Auf schmalen Gemeindeverbindungsstraßen mit nur drei Metern Breite könne es da schon eng werden, weiß Löwinger. Wie in den meisten Fällen sei gegenseitige Rücksichtnahme die beste Lösung. Zu den konkreten Fällen könne er nichts sagen, allerdings räumt er ein: "Jeder macht den Führerschein und ist selbst verantwortlich."