Eigentlich wollte Michael Osak nur mal kurz das Pfarrhaus und die Kirche in Ludwigschorgast anschauen, denn schließlich wird das seine zukünftige Wirkungsstätte sein. Doch Kirchenpfleger Franz Frosch, Pfarrgemeinderätin Maria Kienzle, Dekan Hans Roppelt und Pfarrer Ignacy Kobus hatten für den neuen Ludwigschorgaster Pfarrer einen großen Empfang bereitet. Mit Kaffee und Kuchen - sogar sein Lieblingsgebäck Mohnkuchen war dabei.

Für Michal Osak gab es nie einen Zweifel, dass für ihn ein anderer Beruf auch geeignet sein könnte. "Ich bin gleich nach dem Abitur ins Priesterseminar", erzählt er. Denn er war schon immer gläubig, war Ministrant - und es gab für ihn nie etwas anderes, als Pfarrer zu werden. Tatsächlich gibt es in der Gegend, aus der Osak kommt, mehr Priesterkandidaten als man es sich in Deutschland erträumen könnte.
Derzeit studieren 200 junge Männer Theologie und wollen Pfarrer werden, erzählt Osak. Und in diesem Jahr werden immerhin 46 neue Pfarrer fertig. "Mit mir sind sechzig geweiht worden", berichtet Osak - und selbst Dekan Hans Roppelt muss schmunzeln, wenn er solche Zahlen hört.

Denn es war nicht einfach, nach dem plötzlichen Tod von Pfarrer Michael Leicht überhaupt wieder einen Ersatz-Pfarrer zu finden. Doch mit Michal Osak hat Dekan Hans Roppelt einen guten Griff getan. Denn Osak freut sich schon, einmal einen anderen Teil Deutschlands kennen zu lernen. Und dass mit Pfarrer Ignacy Kobus noch ein polnisch sprechender Pfarrer in der Nähe ist, darüber freut sich Michal Osak besonders. Denn das erleichtert den Einstieg.

Michal Osak war nach seiner Priesterweihe 2001 fünf Jahre lang Kaplan in Tarnów. 2006 kam er nach Deutschland - nach Frankfurt. "Mein Bischof wollte, dass ich nach Deutschland gehe", erzählt er und hat selbst diese Entscheidung nicht bereut. Osak hatte natürlich in der Schule ein bisschen deutsch gelernt, dann hat er an einer Akademie im Bistum Münster seine Deutschkenntnisse aufgefrischt und war dann in Frankfurt am Main tätig. Er hat auch an der Jesuitenhochschule, wo sogar Papst Franziskus studiert hat, gelernt.
Zuletzt war Michal Osak in Mainz tätig, hat dort im Umkreis von achtzig Kilometern um Main auch die polnisch sprechenden katholische Gemeinde betreut.

Gottesdienste für die Landsleute

Schon lange sollte es auch in der Erzdiözese Bamberg wieder polnische Gottesdienste geben - mit Michael Osak wird dieser Traum jetzt wahr. Denn er bekleidet als Vikar eine halbe Pfarrstelle in Ludwigschorgast und hält zudem im näheren Umkreis polnische Gottesdienste für seine Landsleute. Nebenbei wird er noch Kurse in Bamberg absolvieren, um viel über die Verwaltung einer Pfarrei zu lernen. "Das kann ich noch nicht", gibt der neue Pfarrer offen zu, ist aber guter Dinge, dass er auch das verwaltungstechnische Know-How, das man nun einmal braucht, schnell lernen wird. "Dann wird er auch Pfarradministrator werden", erklärt Dekan Roppelt das Prozedere.

Michal Osak freut sich schon auf seine neue Aufgabe und nimmt sie als Herausforderung an. Privat interessiert er sich für Geschichtliches - vor allem für Königsgeschichte. "Am besten gefällt mir Sissi", schwärmt er von den Königshäusern. Er mag Operetten und hat natürlich auch von Coburg schon viel gehört, auch wegen der hochkarätigen Adelsgeschichte.

Faible für Zuckerlöffel"

Doch Michal Osak hat noch ein andere Faible: "Ich sammle Zuckerlöffel - also nicht so normale, sondern welche mit Wappen, Bildchen, Verzierungen", erzählt er und verrät, dass er schon 200 Stück hat. Und jeder einzelne Löffel erzählt eine Geschichte von eine Reise oder von einer Begegnung. Doch kein einziger Löffel stammt bislang aus Oberfranken, sagt Osak. Das könnte sich allerdings schnell ändern.

Offiziell wird der 37-Jährige im Dezember in sein neues Amt eingeführt. Der genaue Termin steht noch nicht fest, denn Michal Osaks Schwester ist gerade zum zweiten Mal Mama geworden. Ihr großer Sohn Jan ist zwei Jahre. Und natürlich will der neue Ludwigschorgaster Pfarrer die Taufe des kleinen, erst ein paar Wochen alten Piotr selbst zelebrieren - in Krakau. Deshalb wird er gleich zu Beginn seiner neuen Tätigkeit noch mal ein Wochenende nach Polen entschwinden, denn schließlich wird ein Pfarrer nicht jeden Tag Onkel.

"Aber dann bin ich da", verspricht er.