"Bei uns ist jeder für alles zuständig - vor allem ich. Und ich delegiere es dann." Mit dieser ironischen Selbsteinschätzung blickte Michael Pfitzner bei der Feier anlässlich seiner Pensionierung zurück. Leitender Schulamtsdirektor Stefan Kuen hatte Pfitzner ähnlich, wenn auch mit seriöseren Worten, charakterisiert: "Er ist ein Netzwerker." Michael Pfitzner geht zum Monatsende als Rektor der Friedrich-Baur-Schule in Stadtsteinach im Verbund mit den Schulhäusern in Rugendorf und Untersteinach in den Ruhestand.

Seinen Abschied aus dem Schulleben nahm Pfitzner dennoch mit etwas Wehmut, indem er zugab: Er sei Lehrer aus Überzeugung gewesen. Und: "Wenn man so ein Team hat, geht man nicht so gern." An seiner Stellvertreterin Simone Zimmerer schätze er insbesondere ihr "perfektes Organisationstalent", das sie für Leitungsfunktionen prädestiniere.

Eine verbale Verbeugung hatte Pfitzner auch für die Nicht-Pädagogen im Schulhaus parat: für Hausmeister Manfred Ott, dem es zu verdanken sei, dass das Gebäude "soweit man nicht in die bauliche Substanz schaut" trotz des Alters in Schuss sei. Und für das Sekretariat, denn mit Renate Ott habe er immer jemanden gehabt, der ihm den Rücken gestärkt hatte.

Bereits recht früh habe er die Bedeutung des Lehrerberufs erfahren, blickte Pfitzner zurück. Auch wenn er selbst nicht die idealen Eigenschaften eines Schülers, nämlich "intelligent, fleißig, brav", gehabt habe. Pfitzner sprach sich gegen einen "fortschreitenden Akademisierungswahn" in der Ausbildung aus und forderte dazu auf, insbesondere die Mittelschulen und das duale System in der Verbindung von beruflicher und schulischer Ausbildung zu stärken.

Pfitzners Engagement für das duale System beschrieb auch Leitender Schulamtsdirektor Stefan Kuen in seiner Laudatio: Pfitzner sei seit 1988 der Motor und seit 2003 der Vorsitzende des Kulmbacher Arbeitskreises Schule-Wirtschaft und setze sich in dieser Funktion für die realitätsnahe Verbindung von Schule und späterem Beruf für die Schüler ein.

Dieses Engagement als Brückenbauer beschrieb ebenso Landrat Klaus Peter Söllner, der Pfitzner als "verdienten Mann der Schule" bezeichnete, der gleichzeitig viele Projekte angestoßen habe - auch auf politischem Gebiet als Kulmbacher Stadtrat und Kreisrat. Dabei habe er Pfitzner als durchsetzungswilligen Kämpfer erlebt, der auch in Selbstironie die Angelegenheiten nicht nur verbissen betreibe. "Man muss Schüler fördern und fordern. Wer kämpft hat eine Chance verdient. Wer lange feiert kann auch früh aufstehen", stellte Söllner Zitate Pfitzners in den Raum.

Schafkopf als Unterrichtsfach

Dabei plauderte der Landrat auch unkonventionelle Vorstellungen Pfitzers aus. Zum Beispiel: Schafkopf als Unterrichtsfach, denn Schafkopfen brauche Kopfrechnen und logisches Denken.

Dass er sich nicht freue, wenn Pfitzner nun gehe, gab der Stadtsteinacher Bürgermeister und Schulverbandsvorsitzende Roland Wolfrum zu. Beide hätten zwölf Jahre einvernehmlich zusammengearbeitet.

Pfitzners Durchsetzungsvermögen und Fachwissen hob auch der Untersteinacher Bürgermeister Volker Schmiechen hervor Er wünschte dem scheidenen Rektor einen "regen Unruhestand" wie auch der Kupferberger Bürgermeister Harald Michel. Der erinnerte zudem an die gemeinsame Schulzeit am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium. Für die Schüler aus Ludwigschorgast dankte Bürgermeisterin Doris Leithner-Bisani; ebenso Bürgermeister Christian Ruppert für die Pressecker Kinder und der Rugendorfer Bürgermeister Gerhard Theuer. Für die katholische Pfarrei sagte Pfarrvikar Sebastian Masella dem scheidenden Rektor ein "Vergelt‘s Gott". Schulrat Michael Hack hob hervor, dass Pfitzner immer durchgesetzt habe, was er gebraucht habe. Schulrätin Kerstin Zapf zitierte ebenfalls Pfitzner: "Alle Veränderungen haben ihre Melancholie. Dabei geht es nicht um Abschied, sondern um Lebensleistung."

Gummibärchen von den Kindern

Für den über die Gummi-Stiftung betriebenen Hort stellte Tina Hempfling fest, dass "die Chemie gestimmt hat" und der Hort ein Teil der Schule sei. Für die Gummi-Stiftung überreichte Elsbeth Oberhammer eine große Tüte Gummibärchen, "von jedem Kind eines".

Konrektorin Simone Zimmerer schließlich wies darauf hin, dass Pfitzner als Chef nicht auf Amtsauthorität erpicht war; vielmehr herrschten "Offenheit, Teamgeist und Vertrauen." Mit einem Lied "Ja, wir vermissen dich, jetzt ists vorbei" verabschiedeten sich sämtliche Lehrer der Schule von ihrem Rektor. Die Bläsergruppe unter Valerij Efremov umrahmte die Feier instrumental, und 15 Schüler aus allen Klassen ordneten jedem Buchstaben des Namens des scheidenden Rektors je eine Eigenschaft zu. Der Vorsitzende des Gesamt-Elternbeirats, Marco Spörrer, schließlich zitierte seinen Sohn, der, als er ihm gesagt hatte, dass Rektor Pfitzner geht: "Der war witzig. Schade!"