Ohne Titel ist der Mensch nur die Hälfte wert. Das hätte die Quintessenz des Lustspiels "Die deutschen Kleinstädter" oder "Der Markgraf kommt!" aus der Feder von August von Kotzebue sein können.

Unter der Regie des MGF-Schulleiters Horst Pfadenhauer transferierten die Schauspieler das Werk jedoch aus Weimar in die Bierstadt. Die Sprache der Goethezeit allerdings behielten die Schüler bei.
Die Geschichte drehte sich um die Familie des Bürgermeisters und Oberältesten Nikolaus Staar (Kilian Wagner). Der Bürgermeister war titelverliebt, seine Mutter (Pia Kolb) hatte es bis zur Untersteuereinnehmerin gebracht. Und sein Bruder war Vizekirchenvorsteher (Leonard Mitchell).

Natürlich sollte Töchterchen Sabine (Elena Brandl) einen Mann von Rang und Namen heiraten.
Die Familie hatte den bequemen Herrn Bau-, Berg- und Weginspektorsubstitut Sperling (Frederik Barth) als Zukünftigen auserkoren. Doch da hatten sie sie Rechnung ohne die Tochter gemacht.

Tochter Sabine hatte in der fernen Residenz in Bayreuth Olmers kennengelernt und war seinem Charme und seiner unbürokratischen Art von Anfang an verfallen. Noch ehe Olmers um Sabines Hand anhalten konnte, war er in alle Fettnäpfchen, die denkbar waren, getappt. Er hatte die Oma nicht als "Untersteuereinnehmerin" tituliert, sondern nur als "Madame". Er ließ sich beim Vorstellungstermin nicht zum Essen nötigen und schlug die kredenzten Speisen aus.

Und nicht nur das: Natürlich hatte er die Oberfloß- und Fischmeisterin Brendel (Lina Schülein), die Stadtakzisekassaschreiberin Morgenroth (Theresa Rief), die Frau 625-Jahrfeierbeauftragte Müller-Wohlfahrt (Larissa Hall), die Frau Schießgrabenverschönerungsvereinsvorsitzende Zwickel (Clara Rief) und die Frau Wald- und Wiesendeputiertenwitwe Knobloch (Maya Wirth) nicht mit ihren langen und klangvollen Titeln angesprochen.

Doch die Nähe zum Minister verhalf dem unbürokratischen Fremden dann doch noch zum Erfolg. Und zum Glück kramte er noch einen Titel hervor, um der Postenverliebtheit aller Familienangehörigen Rechnung zu tragen. Am Ende war der brave Sperling, der Traum der ganzen Familie, der Dumme: Töchterchen Sabine wurde mit ihrem Olmers glücklich.

Regisseur Horst Pfadenhauer verlangte mit Kotzebues Stück den Schauspielern einiges ab. Seit Beginn des Schuljahres waren die Schüler damit beschäftigt, die langen, gespreizten Texte und die aufwändigen Titel zu lernen. Hinzu kam, dass das Mittelstufentheater ohne jegliche Kulissen und Utensilien auskommen musste.

Doch das anspruchsvolle Werk gelang. Im Zweifelsfall half Souffleur Fabian Pomper den Schauspielern aus der Patsche.

Und der Transfer der Handlung von Weimar nach Kulmbach war ein zusätzlicher Pluspunkt. Gespielt wurde das Theaterstück in der historischen Aula des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums. Jahrzehntelang fristete der Raum mit den markanten Bogenfenstern im Hauptgebäude ein Dasein als Kunsterziehungsraum. Durch die Theateraufführungen soll der Raum wieder zum "Herz der Schule" werden.

Inzwischen ist er mit einem elektrisch betriebenen schalldämmenden Akustik-Zugvorhang ausgestattet. "Die Schalldämmlamellen an der Decke konnten entfernt werden. Da ein echter Bühnenbereich komplett fehlt, gibt es momentan noch keinen Theatervorhang", erklärte Regisseur Horst Pfadenhauer.

Aber die fehlende Bühne und eingeschränkte Möglichkeiten bei der Lichttechnik taten der Spielbegeisterung keinen Abbruch. Die Einnahmen aus den Aufführungen sollen in weitere Verbesserungen des Saales fließen.