Pro Lockerungen von Martin Kreklau:

Der ewige Lockdown

ist keine Lösung

Natürlich hatten und haben die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ihren Sinn. Das wird kein vernünftig denkender Mensch bestreiten - schließlich geht es um den Schutz von Menschenleben. Doch allein dieses Argument zählen zu lassen, greift zu kurz. Die Gesellschaft zahlt einen hohen Preis, nicht nur finanziell. Noch ist beispielsweise längst nicht abzusehen, welche Schäden psychischer Natur Social Distancing in den vergangenen zwei Jahren bei vielen Menschen angerichtet hat, die vielleicht zuvor schon mit Einsamkeit zu kämpfen hatten. Es ist nicht klar, welche langfristigen Auswirkungen die pandemiebedingten Einschränkungen auf Schüler haben, die auf das Sozialleben in den Klassenräumen lange verzichten mussten. Und ebenso offen ist, wie sich die verlorene Zeit auf die jungen Menschen auswirken wird, die sich nicht ausprobieren durften und keine Erfahrungen sammeln konnten. Es ist an der Zeit, den Bürgern Stück für Stück ihre Eigenverantwortung zurückzugeben. Sie müssen wieder lernen, selbst zu entscheiden, welches Risiko sie eingehen möchten und welches nicht. Denn: Es wird auch weiterhin erlaubt sein, eine Maske im Supermarkt zu tragen oder bestimmten Veranstaltungen fern zu bleiben. Eines ist jedenfalls klar: der ewige Lockdown kann nicht die Lösung sein.

Contra Lockerungen von Jürgen Gärtner

Lockerungen kommen

zur falschen Zeit

Klar, auch ich habe die Nase voll von den Coronabeschränken. Von Maskenpflicht und Einlasskontrollen, von Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen, von Schnelltests und Quarantänevorschriften. Nach zwei Jahren Leben mit der Pandemie reicht es wohl jedem.

Aber ist jetzt der richtige Zeitpunkt zum Lockern? Die Inzidenz ist in Bayern hoch wie nie. Und sie steigt und steigt. Auch im Landkreis Kulmbach. Kann man in so einer Phase nahezu alle Corona-Auflagen abschaffen, selbst wenn die Erkrankungsverläufe bei Omikron nicht mehr so schlimm sind wie in früheren Wellen? Nein, das ist unverantwortlich.

Zwar ist die Pandemie durch die Ukraine-Krise in den vergangenen Tagen deutlich in den Hintergrund gerückt, vorbei ist sie deswegen noch lange nicht. Das sieht man auch an den Entwicklungen am Klinikum Kulmbach, dem die explodierenden Fallzahlen bereits zu schaffen machen.

An den beschlossenen Lockerungen wird wohl kurzfristig nicht mehr gerüttelt werden. Hoffentlich stellt sich das nicht als Fehler heraus. Gesundheitsminister Lauterbach hat jetzt schon vor einer Sommerwelle gewarnt. Und auch Ministerpräsident Markus Söder sieht die Lockerungen skeptisch. Corona wütet weiter, auch wenn wir es nicht mehr hören wollen.