Christa P. Meist tritt für die Linke an - um gleiche Lebensbedingungen, gleiche Bildungschancen und gleichen Lohn für Frauen durchsetzen, wie sie selbst betont. Wir haben mit ihr gesprochen:

Der neue Stimmkreis ist sehr groß. Wie kann es ein Abgeordneter schaffen, dauerhaft in der Fläche präsent zu sein?
Die finanziellen Mittel, die Abgeordneten zur Verfügung stehen, sowohl die persönlichen Diäten als auch die Übernahme von Aufwendungen durch die Landtagsverwaltung, sind recht ansehnlich. Mehrere Bürgerbüros und ein kleiner Stab gut qualifizierter Mitarbeiterinnen können helfen, den Überblick zu behalten. Ich könnte regelmäßige Bürgersprechstunden in Büros an unterschiedlichen Orten anbieten. Dabei würde ich versuchen, mich an den Zentren der früheren Landkreise vor der Gebietsreform zu orientieren.
Daneben ermöglichen es die modernen Kommunikationsmittel, guten Kontakt zu halten, natürlich nicht nur zur eigenen Parteibasis, sondern auch zu den Gewerkschaften, zu Initiativen, Verbänden, die in unserem Raum aktiv sind. Ich sehe es als meine Aufgabe an, die Interessen der abhängig Beschäftigten und der Erwerbslosen zu vertreten. Das grenzt den Tätigkeitsbereich auch inhaltlich etwas ein.

Nach wie vor gibt es eine unterschiedliche Entwicklung der Teilregionen Oberfrankens, was sicher auch eng mit der demographischen Entwicklung zusammenhängt. Die spiegelt sich auch im Landkreis Kulmbach wider. Wie kann der Freistaat hier entgegenwirken?
Die demographische Entwicklung ist hauptsächlich Folge Jahrzehnte langer, verfehlter Strukturpolitik. Man wird sie in naher Zukunft nicht umkehren können. Bayern kann aber zum Beispiel durch die Verlagerung von Standort unabhängigen Behörden und die Errichtung von Bildungs- und Forschungseinrichtungen dazu beitragen, dass unser Raum, Ostoberfranken und die nördliche Oberpfalz sich besser entwickeln. Eine Chance dazu bietet auch die dezentrale Energieerzeugung auf der Grundlage von Sonne, Wind, Wasser und nachwachsender Energieträger. In den Planungsverbänden muss die Stimme der Bürgerinnen und Bürger mehr Gewicht erhalten, indem nicht nur die Kommunen sondern auch Vertreterinnen und Vertreter der Gewerkschaften, der Sozialverbände, der Umweltverbände unmittelbar in den Planungsprozess und die Entscheidungen einbezogen werden.

Die Gemeinden Bad Berneck, Himmelkron, Marktschorgast, Neuenmarkt und Wirsberg wollen als ein gemeinsames Mittelzentrum ausgewiesen werden, Anträge gibt es auch aus Stadtsteinach/Untersteinach und Thurnau. Bisher scheinen die Bemühungen nicht von Erfolg geprägt. Wie stehen Sie zu den Überlegungen?
Ich verfolge nebenher die Entwicklung eines Standorts in meiner früheren westmittelfränkischen Heimat im näheren Einzugsbereich eines Autobahnkreuzes. Auch dort sind mehrere Gemeinden beteiligt. Ob es dazu der Ausweisung eines neu zu schaffenden Zentrums im Rahmen der Fortschreibung des Landesentwicklungsplans und der Regionalpläne bedarf, wäre zu prüfen. Möglicherweise ließen sich die gemeinsamen Ziele auch durch Kooperation, Verträge zwischen den Gemeinden oder die Gründung von Zweckverbänden erreichen. Die zunehmende Ungleichheit unter den bayerischen Regionen wurde durch die Landesentwicklungsplanung nicht verhindert, da ungeachtet planerischer Zielvorgaben Wirtschaftsinteressen jederzeit Vorrang eingeräumt wird, Gemeinden die finanziellen Gestaltungsspielräume entzogen wurden und durch die Auswirkungen des Fiskalpakts den Gemeinden in ihrer Investitionstätigkeit beim Erhalt und Ausbau der Infrastruktur sehr enge Grenzen gesetzt werden.

Kulmbach ist ein Schwerpunkt für Lebensmittelproduktion und -forschung. Wie kann der Freistaat hier flankierend weitere Ausbaubemühungen unterstützen?
Naheliegend wäre zum Beispiel die Errichtung einer Fachhochschule für Ernährungswissenschaften. An der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wird dieser Wissenschaftszweig vorrangig verbunden mit der landwirtschaftlichen Produktion. Welches inhaltliche Profil eine solche Fachhochschule haben könnte, die mit der industriellen Verarbeitung von Nahrungsmitteln verknüpft ist, könnte in Zusammenarbeit mit den in Kulmbach bestehenden Einrichtungen entwickelt werden.

Ein Thema, das ein brennendes, aber kein unmittelbar landespolitisches ist. Die Ortsumgehungen in Untersteinach und Kauerndorf kommen nicht voran. Kann der Freistaat helfen?

Der Verkehr auf der Strecke Kulmbach-Untersteinach ist seit der Eröffnung der Untersteinacher Umfahrung der B 303 vor allem durch Pendler bestimmt. Die Einwände des Bundes Naturschutz gegen eine neue Trasse gewinnen dadurch an Gewicht. Deshalb würde ich die angesprochenen Ortsdurchfahrten lieber durch die Schiene oder einen besseren öffentlichen Personen-Nahverkehr entlasten. Dabei wären bezuschusste Job-Tickets für die Beschäftigten größerer Behörden und Betriebe ein Anreiz für das Umsteigen vom Auto auf den ÖPNV. Die Anwohner könnte man zum Beispiel durch Zuschüsse bei Schallschutzmaßnahmen finanziell unterstützen. Wo solche Abhilfe nur eingeschränkt möglich und wirksam ist, bei Gebäuden, die direkt an der Straße stehen, könnte auch Umsiedlung eine Lösung sein, die dann natürlich auch großzügig finanziell unterstützt werden müsste.

Die Landwirte - auch im Landkreis Kulmbach - sind in keiner einfachen Situation. Vorschriften und Ansprüche, sinkende Preise für Lebensmittel und der demographische Wandel setzen ihnen zu. Sehen Sie Ansätze, ihnen zu helfen?

Sinkende Preise für Lebensmittel sind nicht zuletzt Auswirkungen der immer weiter um sich greifenden Spekulation mit Nahrungsmitteln und der enormen Marktmacht großer Einzelhandelsketten. Landwirtinnen und Landwirte können dem wenig entgegensetzen. Nur wenn es gelänge, ein Verbot der Spekulation auf Nahrungsmittel durchzusetzen, wäre hier zu helfen. Ich beobachte auch, dass immer mehr Menschen Wert legen auf eine naturnahe, nachhaltige, tiergerechte Agrarproduktion. Sie nehmen dafür auch höhere Preise in Kauf. In der Produktionsumstellung verbunden mit Direktvermarktung, eventuell gestützt durch Produktions- und Vermarktungsgenossenschaften für regionale Produkte, sehe ich deshalb eine Chance.

Sie wenden sich gegen die Diskriminierung von Frauen. Was könnte die Landespolitik da konkret tun?
Zu allererst sehe ich die Landesregierung in der Pflicht, in ihren eigenen Behörden, zum Beispiel bei der Besetzung von Beförderungsstellen, Diskriminierung zu beenden. Wenn man sich schon nicht traut, großen Unternehmen eine Quotierung vorzuschreiben, könnte man wenigstens selbst Vorbild werden. Große Behörden oder öffentliche Einrichtungen müssten die Betreuung der Kinder ihrer Beschäftigten gewährleisten. Wenn an Beginn und Ende eines Arbeitstags nicht eine Pkw-Tournee zwischen Betreuungseinrichtungen und Arbeitsplatz stünde, wäre schon viel gewonnen. Der Bedarf an betrieblichen Betreuungsplätzen ist übrigens nicht durch die Beschäftigung von Müttern definiert, sondern auch durch die Beschäftigung von Vätern. Frauen gewinnen auch Entfaltungsspielräume, wenn der Mann die Kinder mit in die betriebliche KiTa nimmt.

Sie haben sich den Kampf gegen Rechts auf ihre Fahnen geschrieben. Wo gibt es da für Sie Ansätze?
KunterBunT, das Kulmbach-Bayreuther Bündnis für Demokratie, Toleranz und Menschenwürde, hat zum Beispiel den Bürgerinnen und Bürgern in Schwarzach geholfen, gegen rechte Veranstaltungen vorzugehen. Den Schwarzachern ist es so gelungen, vor Ort breiten Widerstand zu entfalten, dessen Stärke Ordnungsbehörden und politisch Verantwortliche zwingt, tätig zu werden. Eine stetige inhaltliche Auseinandersetzung mit rechtem Gedankengut halte ich für sehr wichtig. Rassismus und Diskriminierung von Minderheiten sind in der Mitte unserer Gesellschaft weit verbreitet, teilweise tief verwurzelt. Konsequentes Argumentieren gegen rechte Töne, wo immer sie hörbar werden, kann helfen, diesen Sumpf trocken zu legen.