An einem jener lähmend heißen Tage der vergangenen Wochen haben wir eine kleine Versuchsreihe durchgeführt. Wir haben uns mit einem handelsüblichen Thermometer an verschiedene Orte in der Stadt gesetzt und die Temperatur gemessen. Das Ergebnis: beeindruckend.

Morgens, 9 Uhr, die Gartenbank an der sonnigen Hauswand: knapp 35 Grad.

10.30 Uhr, eine Bank auf dem Eku-Platz: 46,7 Grad.

11 Uhr, Friedhofsberg, eine Bank unter einer großen Kastanie: 32 Grad.

Angenehme Umgebung

Wir hätten uns auch unter eine der Eichen am Heidenknock setzen können. Oder in die Lindenallee, die den Burgberg hinaufführt: Alleen, also beidseits von Bäumen gesäumte Straßen, sind eine angenehme Umgebung für Mensch und Tier. Aber es gibt immer weniger davon. Der Bund Naturschutz hat jüngst ein Alleen-Sterben in Deutschland beklagt und kritisiert, dass zu viele Alleebäume dem Straßenausbau und den Anforderungen an die Sicherheit der Autofahrer weichen mussten.

"Alleen sind für unsere Kulturlandschaft von unschätzbarem Wert", schreibt der BUND. "Sie sind ein unverwechselbares Wahrzeichen von Regionen, und sie bieten Brut- und Rastplätze für Vögel, Insekten und Kleinsäuger. Alleen spenden Schatten, verringern den Straßenlärm und binden Staub und Abgase."

Ein Alleen-Sterben gibt es in Kulmbach zwar nicht. Aber auch hier sind die beidseits von Bäumen gesäumten Straßen in Gefahr. Manchmal müssen die Bäume dem Ausbau weichen - so, wie an der Berliner Brücke, wo zahlreiche stattliche Bäume der Baustelle zur Hochwasserfreilegung zum Opfer gefallen sind. Aber den Bäumen drohen noch andere Gefahren. Werden sie im Winter durch Tausalz geschädigt, ist der Boden verdichtet und nährstoffarm oder nisten sich Schädlinge wie zum Beispiel die Kastanien-Miniermotte oder Pilze ein, ist das Ende oft nah.

Viele Gefahren

Gefährdet sind Alleen auch durch Tausalz im Winter, zu viel Stickstoff aus der Landwirtschaft, Beschädigungen der Wurzeln durch Straßenbau und Landwirtschaft, unsachgemäße Pflegemaßnahmen und Überalterung und unzureichende Nachpflanzung.

Immerhin: Noch stehen viele Bäume entlang der Kulmbacher Straßen. Rund 1500 sollen es nach Angaben aus dem Rathaus sein. Und auch richtige Alleen, in denen sich die Kronen der Bäume häufig zu einem grünen Dach schließen, gibt es noch: die Zufahrt zum Schwimmbad, den Pörbitscher Weg und den Friedhofsberg, wo stattliche Kastanien stehen, die Eichenallee am Heidenknock, die Lindenalleen am Burgberg und in der Luitpoldstraße oder die Obstbaumallee auf der alten Straße vom Galgenberg nach Melkendorf.

Einen besonderen Schutz genießen sie nicht - es sei denn, es handelt sich um einen Altbaumbestand, der von der Unteren Naturschutzbehörde als Naturdenkmal ausgewiesen worden ist. "Aber bei Baumaßnahmen wird besonders auf den Erhalt bestehender Bäume geachtet", versichert der Pressesprecher der Stadt, Jonas Gleich.

Klimawandel als Feind

Der größte Feind der Alleen aber ist freilich der Klimawandel. Hohe Temperaturen und Trockenheit halten viele der herkömmlichen Stadtbaumarten nicht mehr aus. "Linde, Spitzahorn oder Esche können für die Anpflanzung in der Stadt nicht mehr empfohlen werden", so Jonas Gleich. Die kommunalen Gärtner müssen also umdenken.

Stadtgrün 2021

Auf der Suche nach den Bäumen der Zukunft ist derzeit die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim. "Stadtgrün 2021: Neue Bäume braucht das Land" heißt ein Projekt, das der Sichtung und Erprobung von zukunftsträchtigen Baumarten aus dem süd- und südosteuropäischen Raum, aber auch aus Nordamerika und Asien dient. In den Regionen Würzburg, Hof/Münchberg und Kempten laufen bereits Versuche mit den "neuen" Bäumen.

Werden also künftig Kastanien, Linden oder Eichen aus unseren Städten verschwinden und statt dessen Eisenholzbäume, Gleditschien oder Zelkoven wachsen, von denen wir noch nie etwas gehört haben - gar nicht zu reden davon, dass wir nicht wissen, wie sie aussehen?

Das vielleicht auch. Aber die Versuche der Veitshöchheimer Forscher legen nahe, dass sich auch bestimmte Arten, die uns schon bekannt sind, als leidlich klimarestistent erweisen: Die Erle zum Beispiel oder bestimmte Arten wie die ungarische Eiche oder die Silberlinde.

Noch sind die "neuen Bäume" rar. An der Allee, die vom Grünwehr zum Schwimmbad führt und in der die alten Kastanien durch die Kastanienminiermotte zum Teil irreparabel geschädigt waren, hat man wieder Kastanien nachgepflanzt: Des einheitlichen Bildes wegen.

Es wird nachgepflanzt

"Es ist davon auszugehen, dass nach einer Anwachsphase ein besserer Zustand an den jüngeren Bäumen erreicht wird", heißt es dazu aus dem Rathaus. "Im Böschungsbereich steht relativ guter Boden für das Wachstum der Bäume zur Verfügung."

Und was die verschwundenen Bäume an der nördlichen Auffahrt zur Berliner Brücke angeht: Dort ist eine Nachpflanzung geplant.