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Kulmbach
Pandemie

Materialschlacht gegen Corona

Die vorläufige Bilanz im Landkreis Kulmbach fällt vergleichsweise positiv aus. Dennoch raten die Verantwortlichen dazu, nicht unvorsichtig zu werden.
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Mit einer mobilen Abstrichstelle waren in den letzten Wochen alle Alten- und Pflegeheime in der Region angefahren worden, um Bewohner und Personal auf das Corona-Virus zu testen.  Foto: Archiv/Uschi Prawitz
Mit einer mobilen Abstrichstelle waren in den letzten Wochen alle Alten- und Pflegeheime in der Region angefahren worden, um Bewohner und Personal auf das Corona-Virus zu testen. Foto: Archiv/Uschi Prawitz
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Es ist ein beachtliches Zahlenwerk, das die Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landkreis Kulmbach nach etlichen Wochen des Kampfes gegen die Corona-Pandemie präsentiert: Seit Ausbruch der Epidemie sind in der Region Tausende Tests durchgeführt worden, davon rund 4500 allein seit Anfang Mai an den 1455 Bewohnern von 26 Alten- und Pflegeeinrichtungen im Kreis und dem dort beschäftigten Personal. Das erfreuliche Ergebnis: Es gab hier keinen einzigen positiven Fall.

4690 Menschen wurden, wie es im Amtsdeutsch heißt, "verwaltungstechnisch behandelt". Entweder, weil sie sich infiziert hatten, weil sie unter dem Verdacht standen, infiziert zu sein, oder weil sie Kontakt zu Infizierten hatten. Rund 5500 Rachenabstriche waren deshalb durchgeführt worden, 3304 sogenannte K1-Kontaktpersonen hatten von Mitarbeitern des Landratsamtes und des Gesundheitsamtes ermittelt und während der häuslichen Isolation betreut werden müssen.

177 000 Paar Handschuhe

Dazu kommt ein gewaltiger Aufwand an Material. Weil das Material zeitweilig knapp und der Markt ausgedünnt war, hat eine Unterstützungsgruppe unter der Führung von Marcel Hocquel die Beschaffung und Verteilung übernommen. 73 500 FFP-2-Schutzmasken , mehr als 177 000 Paar Einmal-Handschuhe, 7635 Liter Hand-Desinfektionsmittel, 2245 Liter Flächendesinfektionsmittel, 173 000 Mund-Nasen-Schutze, über 1600 Vollschutzanzüge, mehr als 800 Gesichtsvisiere aus Kunststoff, fast 1200 Schutzkittel. Dazu rund 1400 Liter Hand- und Flächen-Desinfektionsmittel, die während der Ferien an die Schulen verteilt werden sollen.

Und nicht zuletzt: Eine "goldene Serie", wie es Landrat Klaus Peter Söllner ausdrückt. Fast zwei Wochen lang gab es keine Neu-Infektion. Dann wieder eine einzige - eine im Vergleich zu anderen bayerischen Regionen verschwindend geringe Zahl. Aktuell (Stand gestern) sind im Landkreis Kulmbach vier Personen mit dem Corona-Virus infiziert, keine davon so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssten.

Elf Tote

Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Covid-19-Infektionen beträgt damit zum jetzigen Zeitpunkt 245. Von diesen Fällen gelten 230 wieder als genesen.

Auch Tote gibt es zu beklagen. Elf Menschen haben die Infektion mit dem Virus nicht überlebt.

Dennoch: Man sei im Landkreis Kulmbach im Vergleich zu anderen Regionen bislang glimpflich davongekommen, sagt Landrat Klaus Peter Söllner bei einer Pressekonferenz in einer Zwischenbilanz. Aber er warnt auch: "Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Das alles ist noch nicht vorbei." Er appelliert deshalb an die Menschen, auch weiterhin Vorsicht walten zu lassen. Abstand halten, konsequent einen Mund-Nasen-Schutz tragen - so könne man sich und vor allem auch andere schützen.

Am Anschlag gearbeitet

Der Landrat geizt nicht mit Lob: Die Heime, die mit einem zur rollenden Abstrichstelle umfunktionierten Wohnmobil für Testungen angefahren wurden, hätten sich sehr kooperativ gezeigt, die Mitarbeiter in Landratsamt und im Gesundheitsamt hätten wochenlang "am Anschlag" gearbeitet, um die Situation unter Kontrolle zu halten. Dankbar sei man für die Unterstützung der Bundeswehr bei den Testungen und dem Kreisverband Kulmbach des Roten Kreuzes für die gute Zusammenarbeit, so die Mitglieder der Führungsgruppe.

Oliver Hempfling, Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz, kündigte an, dass man eventuell einen zweiten Durchlauf zur Testung von Heimbewohnern starten werde: "So etwas ist ja immer nur eine Momentaufnahme."

Weitere Tests möglich

Auch Tests bei weiteren Personengruppen, etwa bei Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von Kindertagesstätten, seien denkbar. Auch Hempfling hält Vorsicht nach wie vor für angebracht: "Wir sind noch lange nicht über den Berg."