Diesen Mittwochnachmittag werden sie wohl ihr ganzes Leben nicht vergessen: Es ist gegen 16.45 Uhr, als die Mutter ihren zweijährigen Sohn im Kinderwagen durch Mainleus schiebt. Begleitet von der Oma. Urplötzlich werden sie in einem Wohngebiet von einem Rottweiler attackiert.

"Es war ein typischer Spaziergang", erzählt zwei Tage später der Vater des Zweijährigen gegenüber unserer Zeitung. Er selbst war bei dem Vorfall nicht dabei, kennt aber natürlich alles aus den Schilderungen von Mutter und Oma. Der Halter sei mit dem SUV in sein Grundstück gefahren und hätte in dem Moment, als seine Familie dort gelaufen sei, den Kofferraum geöffnet.

Der Rottweiler sei aus dem Kofferraum gesprungen, sofort auf den Kinderwagen los und habe sich in die Kapuze des Kleinen verbissen "Die Jacke ist zerfetzt und inzwischen als Beweisstück bei der Polizei", erklärt der Mann. Selbst die Mütze seines Sohnes rieche nach Hundespeichel, so nahe sei der Rottweiler dem Kind gekommen.

Schon ein Vorfall

Seine Frau habe den Rüden weggezogen und zu Boden gerissen, die Großmutter habe ihren Arm zwischen Maul und Gesicht des Enkels gehalten, um einen Biss zu verhindern. Erst dann sei der Halter dazugekommen und habe das Tier weggezogen. "Der hat wohl selbst nicht mit so einem Verhalten gerechnet", erklärt der Vater, der gegen den Mann keinen Groll hegt. Wohl aber gegen den Rottweiler. "Irgendwas passt mit dem Tier nicht, wenn es grundlos auf ein Kind losgeht", sagt er und verweist auf einen weiteren Vorfall vor einem Jahr, als der Hund aus dem - damals noch nicht eingezäunten Grundstück - ausgerissen sei.

"Die Situation hätte schlimmer ausgehen können", erklärt er mit Blick auf vergangenen Mittwoch. Aber niemand könne sagen, wie es beim nächsten Mal aussehen werde. Sein Sohn habe eine kleine Wunde am Kopf erlitten, die beiden Frauen leichte Verletzungen, als sie den Hund vom Kind fernzuhalten versuchten. Psychisch angeschlagen seien sie auch zwei Tage später noch.

Sichtlich mitgenommen von dem Fall ist auch der Halter des Rottweilers. "Ich habe selbst gezittert wie Espenlaub." Er habe sich bereits bei der Familie entschuldigt, sagt er. Die Reaktion des Tieres kenne er so nicht: "Es war das erste Mal, dass mein Hund nicht auf das ,Bleib'-Kommando gehört hat, als ich den Kofferraum geöffnet habe."

Er ist aber davon überzeugt, dass der Rüde nicht aggressiv ist. "Sonst hätte er zugebissen. Und das hat er nicht", sagt der Halter. Nach seinen Worten habe sich das Kind die kleine Verletzung an der Stirn zugezogen, als der Kinderwagen umgestürzt ist.

Hier widerspricht der Vater allerdings vehement: Die Oma habe den Jungen aus dem Kinderwagen gezogen, der möglicherweise im Gerangel umgestürzt sei. Das Kind sei jedenfalls nicht auf den Asphalt gefallen. Er ist überzeugt, dass die Verletzung vom Hund stammt.

"Es braucht sich niemand zu fürchten"

Der Halter will künftig das Tier auch im Kofferraum festbinden, damit so etwas wie vergangenen Mittwoch nicht mehr geschehen kann. Er habe zudem Kontakt mit dem Sachverständigen aufgenommen, der den Wesenstest für den Rottweiler ausgestellt hat. Auch der sehe keinen Aggressionshintergrund. "Ich will nichts bagatellisieren, aber es braucht sich niemand zu fürchten, wenn ich mit dem Hund unterwegs bin", versichert der Mann. Zumal er das Tier innerorts immer an der Leine führe.

Der Markt Mainleus ist als Sicherheitsbehörde mit dem Fall bereits befasst, wie Bürgermeister Robert Bosch (CSU) bestätigt. "Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn die beiden Frauen nicht so beherzt eingegriffen hätten", sagt er und verweist darauf, dass es sich bei Rottweilern um Kampfhunde handelt und dem Halter ein Leinenzwang auferlegt ist. Gegen den sei schon verstoßen und deswegen ein Bußgeld erlassen worden.

Die Gemeinde werde den Vorfall definitiv aufarbeiten: "Die Menschen müssen durch den Ort gehen können, ohne Angst zu haben, von einem Hund angegriffen zu werden", sagt Bosch. Seiner Meinung nach könne das Tier nicht bleiben, "aus meiner Sicht ist das mittlerweile ein Fall für den Staatsanwalt".

Ein Fall für das Verwaltungsgericht ist jedenfalls schon der Umstand, dass der Halter Klage gegen den Leinenzwang erhoben habe, so Bosch. Wie der Halter jedoch ergänzt, gehe es nur darum, ob der Hund in einsamen Gegenden frei laufen darf. "Innerorts kommt er natürlich an die Leine."